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Schadstoffe: Grüne werfen Aigner Versäumnisse bei Spielzeugsicherheit vor

Ab 2013 gelten in der EU höhere Grenzwerte für Schadstoffe in Kinderspielzeug. Die Bundesregierung klagt dagegen und will an den schärferen nationalen Grenzen festhalten. Den Grünen geht das nicht weit genug, sie werfen Ministerin Aigner Mutlosigkeit vor.

Spielzeug: Grüne kritisieren Wirtschaftsminister Rösler als "Totalausfall" Zur Großansicht
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Spielzeug: Grüne kritisieren Wirtschaftsminister Rösler als "Totalausfall"

Hamburg - Ilse Aigner hat sich zuletzt alle Mühe gegeben, dem Ruf einer Verbraucherministerin gerecht zu werden. Auch beim Thema Kinderspielzeug spielt sie die Anwältin der Kunden. Der Schutz der Kleinsten habe für die Bundesregierung "höchste Priorität", heißt es auf einer Website ihres Ministeriums. "Mit einer Reihe von Maßnahmen" versuche man, "einen möglichst hohen Schutz zu erreichen".

Doch wie steht es konkret um die Erfolge dieser Maßnahmen? Die Grünen haben zu dem Thema eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt und ziehen ein ernüchterndes Fazit. "Giftiges Kinderspielzeug überschwemmt seit Jahren den Markt", sagte die Abgeordnete Nicole Maisch SPIEGEL ONLINE. Obwohl die Bundesregierung, versprochen habe, dagegen vorzugehen, geschehe wenig bis nichts. Hauptkritikpunkt der Grünen sind die Grenzwerte für Schadstoffe wie Weichmacher (Phthalate) und Schwermetalle.

Der Hintergrund: Im Juli 2013 tritt eine EU-Vorschrift in Kraft, wonach die Grenzwerte für einige Schwermetalle in Kinderspielzeug nach oben gesetzt werden. Im Klartext heißt das, dass Kinder ab dem kommenden Jahr mehr Blei, Quecksilber und Arsen ausgesetzt werden dürfen als bislang. Die Bundesregierung klagt dagegen, hat ihre Beschwerde aber erst in diesem Jahr eingereicht. Deshalb wird die EU-Kommission erst im Frühjahr 2014 darüber entscheiden, wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Grünen-Anfrage zugibt. "Leidtragende sind die Kinder", kritisiert Maisch. "Und das nur, weil Frau Aigner es nicht geschafft hat, die strengeren deutschen Grenzwerte zu verteidigen."

Noch härter als mit Aigner geht die Grünen-Abgeordnete mit dem Wirtschaftminister Philipp Rösler ins Gericht. Das Ministerium des FDP-Chefs ist federführend bei der Spielzeugsicherheit. Maisch bezeichnet ihn in diesem Zusammenhang als "Totalausfall". Beim groß angekündigten Spielzeuggipfeln mit den Herstellern sei nicht mal ein Protokoll geschrieben worden.

Maisch weiter: "Kinder in Deutschland müssen ab 2013 nicht mit höheren Schadstoffen belastet werden, wenn die Minister Aigner und Rösler endlich handeln und eine Selbstverpflichtung der Spielzeugindustrie herbeiführen." Für die Spielzeugindustrie sollte es ein leichtes sein, die bisher geltenden Grenzwerte bei der Spielzeugproduktion beizubehalten, sagte die Grünen-Abgeordnete.

cte

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1. Nur nicht auffallen
klarabella1 08.08.2012
In unserem gesamten Regierungsapparat tummeln sich m.E. so viele, von denen man nur selten etwas hört. Ab und zu mal ein paar nette Worte, wenn's unbedingt nötigt ist - und sonst dezent im Hintergrund bleiben, nur nicht auffallen. Nichts ist so wichtig wie die eigene Altersversorgung.
2. Skandalös
sch123 08.08.2012
Es ist mir völlig schleierhaft, wieso überhaupt diese giftigen Stoffe in Kinderspielzeug geduldet werden. Es gibt unbedenkliche Alternativen, z.B. als Weichmacher, die freilich teurer sind. Völlig haarsträubend wird es dann beim Kinderschmuck, der gilt nämlich nicht als Spielzeug und ist deswegen von jeglichen Grenzwerten ausgenommen. Kinderschmuck ist oft extrem hoch mit Blei belastet, das bereits in geringen Mengen schädliche Wirkungen entfaltet (eine Bleivergiftung durch Verschlucken eines Schmuckteils kann im Extremfall zum Tod führen, so geschehen z.B. in den USA, wo die Regelungen daraufhin angepasst wurden). Jeder Mensch, der Kinder hat, weiß, dass Kinder Dinge in den Mund stecken und damit auch nicht pünktlich zum dritten Geburtstag aufhören! (Viele strenge Grenzwerte bzgl. Weichmachern gelten nur für Babyspielzeug, d.h. bis 3 Jahre). Man denke z.B. an Wasserbälle und Schwimmreifen... In deutschen Kindergärten wurden stark erhöhte Phthalatwerte festgestellt, gesundheitliche Spätfolgen unklar. Es ist ein Unding, dass der Staat hier offensichtlich eher Profit- und Wirtschaftsinteressen schützt als die Gesundheit unserer Kinder. Ich würde mich als Elternteil gerne darauf verlassen können, dass Kinderspielzeug (-Nahrung, etc...) unbedenklich ist, dass ich hier kaufe, musste aber erschüttert feststellen, dass das absolut nicht der Fall ist. Ich muss als Verbraucher selbst zum halben "Experten" werden und immer wachsam sein. Ein Unding!
3. Grüne und Europa
siegfriedderdrachentöter 08.08.2012
Sorry, ihr liebe Grüne, ihr wollt immer mehr Europa, was ich gut finde, nur bitte strategisch denken, auch wenn es euch in diesen Sachen schwerfällt. Mehr Europa bedeutet auch mehr Kompromisse, auch bei den Dingen, die für euch wichtig sind. Formelkompromisse wird es geben bei den Sozialleistungen, Umwelt etc., denn nicht jedes Land in Europa akzeptiert unsere Standards.
4. Lull, lall, Pflegefall
maikäfer 08.08.2012
Zitat von siegfriedderdrachentöterSorry, ihr liebe Grüne, ihr wollt immer mehr Europa, was ich gut finde, nur bitte strategisch denken, auch wenn es euch in diesen Sachen schwerfällt. Mehr Europa bedeutet auch mehr Kompromisse, auch bei den Dingen, die für euch wichtig sind. Formelkompromisse wird es geben bei den Sozialleistungen, Umwelt etc., denn nicht jedes Land in Europa akzeptiert unsere Standards.
Unglaublich, daß das seit Jahrzehnten schon geduldet und praktiziert wird. Giftmischerei in Kinderspielzeug ist schlichtweg pervers und ist eine ganz üble Form von subtiler profitgeiler Kindesmisshandlung. Sorry aber wer da von Kompromissen redet hat einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank. Die seelenlosen Verantwortlichen sollte wegen Volksvergiftung vor Gericht gestellt werden.
5. Auf Herkunft achten
D-Toy 08.08.2012
Ich denke, wenn man als Eltern ein wenig bewusster einkauft und auf die Herkunft der Produkte achtet, kann man vielen Schadstoffen aus dem Weg gehen.
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Spielzeug - so schützen Sie Ihr Kind
Wann ist ein Kinderspielzeug bedenklich? Eltern können das oft nicht auf Anhieb erkennen. Trotzdem gibt es ein paar Tipps, auf die Sie achten sollen. Die Zeitschrift "Ökotest" hat sie zusammengefasst:
Auf Billigware verzichten
Verzichten Sie auf Billigprodukte aus Billigläden, denn darin werden am häufigsten gesundheitsschädliche Stoffe und Grenzwertüberschreitungen festgestellt.
Am Produkt schnuppern
Kaufen Sie mit allen Sinnen ein: Die gefährlichen PAK-Substanzen kann man oft erschnuppern - also Finger weg von Plastikteilen, die einen stechenden Geruch verbreiten.
Weich-PVC meiden
Meiden Sie möglichst Produkte aus Weich-PVC, sie sind häufig noch immer stark mit Phthalatweichmachern belastet.
Giftige Weichmacher (PAK)
Die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) gehören zu den sogenannten Umweltchemikalien und setzen sich aus mindestens zwei und auch mehreren miteinander verbundenen zyklischen Kohlenstoffringen zusammen. In den meisten Fällen werden diese ringförmigen aromatischen Kohlenwasserstoffe bei unvollständigen Verbrennungsprozessen organischer Materialien - wie Fleisch beim Grillen - und anderen pyrolytischen Prozessen gebildet. Einige PAK wirken erbgutverändernd und sind für den Menschen krebserregend. Das unter anderem beim Grillen entstehende, besonders gefährliche Benzopyren gilt als Hauptursache für Magenkrebs. PAK werden auch als Weichmacher in Kinderspielzeugen eingesetzt.


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