Höherer Grundfreibetrag: Steuerzahler können auf Entlastung hoffen

Deutsche Bürger haben bald mehr Geld in der Tasche. Laut Finanzministerium wird der Freibetrag, den sie nicht zu versteuern brauchen, ab 2013 steigen - von 8004 Euro auf 8352 Euro. Grund sind die steigenden Lebenshaltungskosten.

Berlin - Arbeitnehmer dürften ab 2013 etwas entlastet werden. Der sogenannte Grundfreibetrag muss nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums bis 2014 in zwei Stufen erhöht werden. Insgesamt dürfte der Freibetrag, den Arbeitnehmer nicht zu versteuern brauchen, um 348 Euro steigen - auf dann 8352 Euro. Damit hätten Arbeitnehmer unterm Strich etwas mehr Geld in der Tasche.

Den Zahlen zufolge müsste der steuerliche Grundfreibetrag im nächsten Jahr von derzeit 8004 Euro auf zunächst 8124 Euro angehoben werden. Im Jahr danach wäre nach den Daten eine weitere Anhebung fällig. Die Zahlen sind ein Vorgriff auf den neuen Existenzminimumbericht, der zum Jahresende erscheinen soll.

Laut Finanzministerium reicht der bestehende Grundfreibetrag ab 2013 nicht mehr, um das Existenzminimum steuerlich freizustellen. Das ist aber verfassungsrechtlich Pflicht. Also müssen Union und FDP den Freibetrag anheben.

Es ist nicht die einzige geplante Neuerung. Hinzu kommt ein anderer Tarifverlauf, damit die Steuersätze erst bei einem höheren Einkommen greifen. Ziel ist der Abbau der "kalten Progression". Darunter versteht man, dass Bürger sich trotz Lohnerhöhungen wegen Inflation und steigender Steuerbelastung weniger leisten können als zuvor.

Die Steuerpläne der Regierung stoßen in den Ländern auf Widerstand. Zumindest eine Anhebung des steuerlichen Grundfreibetrags würden zwar auch SPD und Grüne im Bundesrat mittragen. Sie wollen aber zunächst den Existenzminimumbericht abwarten.

Existenzminimum wird alle zwei Jahre geprüft

Im Existenzminimumbericht untersucht die Regierung alle zwei Jahre, wie sich die Kosten für Ernährung, Kleidung, Hausrat, Miete und Heizung entwickelt haben. Die Ausgaben für diesen Mindestbedarf sind nach dem Grundgesetz vor dem Zugriff des Fiskus geschützt.

Der steuerliche Grundfreibetrag stellt sicher, dass der Anteil des Einkommens, der für den Lebensunterhalt absolut notwendig ist, nicht mit Steuern belastet wird. Jeder Bürger hat also ein Recht darauf, das Existenzminimum für sich und seine Kinder aus unversteuertem Einkommen zu bestreiten. Steigen die Kosten, müssen die Freibeträge ebenfalls angehoben werden. Das Existenzminimum ist nicht nur für jeden Steuerzahler wichtig, sondern auch für Langzeitarbeitslose und andere Bedürftige.

Für Arbeitnehmer und Ehepartner gibt es den Grundfreibetrag von derzeit 8004 Euro pro Jahr. Für jeden darüber hinaus verdienten Euro ist mit steigenden Tarifen ein eigener, höherer Steuersatz fällig. Der Anspruch auf ein steuerfreies Existenzminimum auch der Kinder wird durch Freibeträge oder das Kindergeld umgesetzt.

Auch Hartz-IV-Empfänger können auf mehr Geld hoffen

Auf Basis der Preisentwicklung sowie Nettolöhnen und -gehältern rechnet das Ministerium mit einem Plus zum 1. Januar 2013 von 2,1 Prozent und zum 1. Januar 2014 von zwei Prozent. Der für den Grundfreibetrag maßgebliche Regelsatz eines alleinstehenden Erwachsenen von monatlich 374 Euro werde daher voraussichtlich 2013 auf 382 und 2014 auf 390 Euro stiegen.

Damit können auch die mehr als sechs Millionen Hartz-IV-Empfänger 2013/14 auf mehr Geld hoffen. Der volle Hartz-IV-Regelsatz für Singles liegt derzeit bei 374 Euro. Am Mittwoch hatte ein Berliner Gericht ein Verfahren an das Bundesverfassungsgericht weitergeleitet. Die Richter sind der Meinung, dass der Regelsatz nicht reicht, um das Existenzminimum zu sichern.

Bei den Kosten für die Unterkunft wird ein weiterer jährlicher Mietpreisanstieg unterstellt. Die für den Grundfreibetrag maßgebliche Bruttokaltmiete eines Alleinstehenden steige daher von monatlich 227 Euro 2013 voraussichtlich auf 233 Euro und im Folgejahr auf 239 Euro. Bei den Heizkosten wird ein Plus von derzeit monatlich 57 Euro auf 62 Euro und 2014 auf dann 67 Euro unterstellt.

cte/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
kimba2010 26.04.2012
Zitat von sysopDeutschlands Arbeitnehmer haben bald mehr Geld in der Tasche. Laut Finanzministerium wird der Freibetrag, den sie nicht zu versteuern brauchen, ab 2013 steigen - von 8004 Euro auf 8352 Euro. Grund sind die steigenden Lebenshaltungskosten. Höherer Grundfreibetrag: Steuerzahler können auf Entlastung hoffen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,829946,00.html)
"Hoffen und harren hält manchen zum Narren." Es glaubt doch keiner ernsthaft, dass diese Politikerkaste die Bürger entlasten wird? Im Gegenteil, schon bald werden weitere Be-lastungen kommen, um die riesigen Schulden zu bedienen, die diese Politiker angehäuft haben.
2. wow...348 euro mehr im jahr
achnaja 26.04.2012
endlich kommt mal was bei arbeitnehmern an ( ironisch gemeint). die summe habe ich monatlich mehr in der geldbörse, weil ich nach spanien gezogen bin und meine private kv hier vom gleichen unternehmen (!) ca. 400,00 euro günstiger ist als der gleiche tarif und leistungen (!) in deutschland. mit ein wenig räumlichen abstand kann ich das geschehen in deutschland nur mit einem lachenden und einem weinenden auge betrachten. meine firma bleibt in deutschland, dort kann man einfach die höchsten preise verlangen. leben, ärzte besuchen, persönliche einnahmen versteuern ? nur noch hier
3.
2-karl 26.04.2012
begründet sich doch offenbar, dass die Erhöhung nur deswegen kommt, weil Hartz4 zu niedrig ist. Beschämend, dass offensichtlich von den 36 Euro die das SG Berlin festgestellt hat (und das BVG kann durchaus noch erheblich andere Untersuchungen anstellen) davon praktisch nur 15 Euro an die Hartzer und Sozialversicherungpflichtigen und Steuerzahler weitergegeben werden sollen.
4. So ein Unsinn
max-mustermann 26.04.2012
ein Niedriglöhner zahlt so wenig Steuern das er den aktuellen Freibetrag schon nicht voll ausnutzen kann, diese Erhöhung nutzt mal wieder nur den Besserverdienern aber alle auch der Spiegel fallen darauf herein.
5. unendliche Dankbarkeit
Willi Wacker 26.04.2012
hurra, von dem von MIR verdienten Geld darf ich mehr behalten. Hoffentlich wird der alte Mann im Rollstuhl darüber nicht depressiv.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Steuern
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 53 Kommentare
Fotostrecke
Die wichtigsten Fakten: Wer die meisten Steuern zahlt

Fotostrecke
Die Eine-Billion-Euro-Frage: Wofür gibt der Staat das ganze Geld aus?
Fotostrecke
Kurz und knapp: Der Subventions- und Mehrwertsteuer-Irrsinn