Altersarmut Eine halbe Million Senioren ist auf Grundsicherung angewiesen

Immer mehr Rentner brauchen staatliche Unterstützung. Binnen eines Jahres stieg die Zahl von Senioren mit Grundsicherung um 34.500 auf eine halbe Million. Besonders oft trifft es Frauen in Westdeutschland.

Seniorengruppe: Zahl der Empfänger von Grundsicherung gestiegen
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Seniorengruppe: Zahl der Empfänger von Grundsicherung gestiegen


Wiesbaden - Viele jüngere Menschen schieben das Thema Altersvorsorge vor sich her. Doch wie wichtig eine finanzielle Vorbereitung ist, zeigen aktuelle Daten. Immer mehr Rentner sind auf Grundsicherung angewiesen. Ende 2013 bezogen rund 499.000 Menschen ab 65 Jahren die Hilfe, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das sind 34.500 (7,4 Prozent) mehr als im Vorjahr. Vor allem westdeutsche Frauen benötigen demnach die Unterstützung, weil ihre Rentenansprüche nicht ausreichen.

Insgesamt sind drei Prozent aller über 65-Jährigen auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen. Das sind so viele wie nie. Die Grundsicherung im Alter entspricht etwa der Höhe der Hartz-IV-Zahlung. Das sind derzeit 391 Euro im Monat plus Miet- und Heizkosten.

Ende vergangenen Jahres bezogen der Statistik zufolge in Westdeutschland 36 von 1000 Frauen sowie 27 von 1000 Männern ab 65 Jahren Leistungen der Grundsicherung. Im Osten waren es dagegen nur 22 von 1000 Frauen sowie 20 von 1000 Männern.

Am stärksten verbreitet ist Altersarmut in den Ballungszentren. Spitzenreiter ist laut der Statistik Hamburg: Dort beziehen 6,8 Prozent aller über 65-Jährigen Sozialhilfe. Danach kommen Bremen (5,9 Prozent) und Berlin (5,8 Prozent).

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) forderte Reformen. "Wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren, wie Altersarmut bekämpft und langfristig verhindert werden kann", erklärte der AWO-Vorsitzende Wolfgang Stadler. Um zu verhindern, dass bei immer mehr älteren Menschen die Rente nicht zum Leben ausreiche, müsse der Niedriglohnsektor eingedämmt und ein weiteres Absinken des Rentenniveaus vermieden werden.

mmq/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
alterknacker 04.11.2014
1. Selbst betroffen ...
... und der Sozial-Kill geht in die nächste Runde. und dies habe ich heute zu diesem Thema selbst veröffentlicht (Zitat): "13 Millionen Menschen geht es in diesem Land so wie mir und diese Tatsache ist politisch gewollt. Allein die Tatsache der sogenannten “schwarzen NULL” durch unseren allseits ‘beliebten’ Finanzminister Schäuble trägt viel zu diesem Willen bei. Die meisten von denen aber, denen es wirklich mies geht, versuchen sich einfach nur noch zu verstecken. Viele von ihnen gehen schon gar nicht erst zu einem Amt, um ihre Armut kenntlich zu machen, was ich insofern verstehen kann, denn dann müssten sie sich völlig ‘nackt’ aus ziehen. Während zum Beispiel Hartz IV-Empfänger noch so einige kleinere Möglichkeiten haben, sich finanziell etwas besser zu stellen, haben die meisten mit “Grundsicherung im Alter” diese Möglichkeiten schon nicht mehr. GiA bedeutet, der Hartz IV-Regelsatz und kein Cent mehr." http://freies-in-wort-und-schrift.info/2014/11/04/sie-helfen-einfach/
dasdondel 04.11.2014
2.
und so wird es den meisten von uns einmal ergehen. Rentensätze werden nicht angemessen an die Inflation angepasst, sinken also. In 20 Jahren bekommste dann deine 1000€ Rente (hört sich ja fast erträglich an... )und kannst auf 1200€ Grundsicherung aufstocken, die sind aber nur noch halb soviel wert wie die 400€ heute. Riestern ? Besserer Vorschlag, zahlt euern Riesterpfennig doch bitte alle an mich, ich verspreche euch hoch und heilig, dass ich euer Geld gewinnbringend anlege. Ich schick euch dann eine Ansichtskarte von meiner Südseeinsel, damit ihr seht, wie schön sichs vom Riester leben lässt.
lazycat 04.11.2014
3. Eine Schande für Deutschland
und ein Versagen des Rentensystems. Für die Frauen mit Kindern wird die Mütterrente auf die Aufstockung angerechnet, sodass sie nichts davon haben. Ein Hoch auf die soziale SPD!
raber 04.11.2014
4. Altersarmut, staatliche Verschwendung und Nichteinnahmen
Und die Behörden verschwenden Abermilliarden in Projekten wie BER, S21, Elbphilarmonie und viele kleinere, und die armen Rentner erhalten die geringsten Erhöhungen. Die Banken werden finanziert und können weiterhin betrügen ohne in Deutschland dafür bestraft zu werden. Steuerbetrüger kommen mit relativ milden Strafen davon. Das ist nicht der Staat der immer als menschlich und respektvoll verkauft wurde, sondern eine Kapitulation ans Geld und den Machtvollen.
appenzella 04.11.2014
5. 391 Euro?
"Das sind derzeit 391 Euro im Monat plus Miet- und Heizkosten." Abzüglich der Kosten für Elektrizität. Dann bleiben durchschnittlich um und bei 310 Euro übrig, je nach Stromverbrauch.
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