Oettinger zu geplantem Plastikverbot "Habe mein Saitenwürstchen immer auf dem Papierteller gegessen"

Grillfest mit Plastiktellern? Die EU-Kommission will das aus Umweltschutzgründen verbieten. Handelskommissar Günther Oettinger verteidigt die Pläne auch mit Verweis auf seine Biografie.

Günther Oettinger
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Eigentlich will die EU-Kommission ihre Pläne für ein Plastikverbot erst am Mittag öffentlich vorstellen. Doch nachdem der Entwurf der Richtlinie bereits vor Wochen durchgesickert ist, tobt eine Debatte über Plastikteller beim Grillfest. Kurz vor der offiziellen Präsentation hat sich nun auch Haushaltskommissar Günther Oettinger noch mal geäußert.

Er verteidigte die Pläne der Kommission, die Umwelt besser vor Plastikmüll zu schützen - auch aus eigener Erfahrung heraus. "Ich habe in meiner Jugend mein Saitenwürstchen immer auf dem Papierteller gegessen", sagte Oettinger dem Sender SWR Aktuell zu den Brühwürsten, die im Schwäbischen gern mit Spätzle und sauren Linsen gegessen werden. "Dort, wo es andere Produkte mit anderen Materialien gibt", solle auf Plastik verzichtet werden.

Wo kein Ersatz möglich sei, solle es eine Mengenregulierung geben. Ein europaweit einheitliches Vorgehen gegen Plastikstrohhalme, Einweggeschirr und Wattestäbchen sei im gemeinsamen Wirtschaftsraum nötig. "Man kann nicht in Frankreich Plastik verbieten, in Deutschland erlauben - oder umgekehrt."

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hatte sich zuvor gegen ein generelles Verbot von Plastik ausgesprochen. Plastik sei ein sehr wertvoller Stoff und werde in vielen Bereichen, etwa der Medizin, gebraucht. Die Verwendung als Verpackungsmaterial will auch die Ministerin aber massiv zurückdrängen. Die EU-Pläne gehen ihr hierbei nicht weit genug.

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Arktis: Meer voll Müll

Weltweit, aber auch in Europa, werden enorme Mengen Kunststoffe genutzt und anschließend weggeworfen. Allein in der EU entstehen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, von denen weniger als 30 Prozent zur Wiederverwertung gesammelt werden. Vom Rest landet ein Großteil auf Müllkippen oder in der Umwelt.

apr/dpa



insgesamt 96 Beiträge
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anton_otto 28.05.2018
1. Duales System
Und warum zahlen wir Verbraucher dann für den grünen Punkt und trennen brav unseren Müll?
marbh 28.05.2018
2. am wichtigsten wäre...
... ein Gebot zur Minimierung von Verpackung: Schlauchverpackung für Flüssigkeiten und dünne Folien für feste Materiallien. Alles andere sehr stark besteuern, so dass die Konkurenzprodukte deutlich billiger sind. Das würde helfen. Schaut in die gelbe Tonne, sie ist voll von Tetrapacks, Umverpackungen, Doppeltverpackungen, Schälchen etc.. Alles andere sind Nebenschauplätze.
irgendwieanders 28.05.2018
3. Finde ich Gut
wenn die Sparfüchse von der EU solche Vorschläge machen. Dann kann man ja auch auf einen Standort des EU-Parlaments verzichten. Das würde so viel sparen, auch an Plastik. Hat den Kollegen schon mal jemand erklärt, dass dieses Plastikproblem in den Weltmeeren eher nicht von Europa ausgeht? Sondern von den ganzen Schwell- und Entwicklungsländern wo ihren ganzen Müll einfach in die Flüsse entsorgen....
frank2013 28.05.2018
4. Öttinger, der Ökomann
Frei nach Bill Clinton: Ich habe zwar Marihuana geraucht, aber nie inhaliert, haha. Bitte alle, die über Bilder von Öttinger mit Plastikteller o.ä. zeigen, schickt diese an die Redaktion.
newline 28.05.2018
5. Das beste ist (Bio)Gemüse oder Obst,
für das die Natur bereits eine gute Verpackung vorgesehen hat, wie Gurken oder Bananen, aber zur Unterscheidung von normaler Ware in Kunststoff verpackt wird.
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