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Vertiefung für Megafrachter: Gutachten warnt vor schweren ökologischen Schäden für die Elbe

Containerschiff auf der Elbe: Ausbaggern könnte Fluss "umkippen" lassen Zur Großansicht
DPA

Containerschiff auf der Elbe: Ausbaggern könnte Fluss "umkippen" lassen

Eine holländische Studie könnte die Elbvertiefung stoppen: Nach SPIEGEL-Informationen warnt das Gutachten davor, den Fluss auszubaggern - andernfalls könne das Ökosystem in der Elbmündung "umkippen". Derzeit ist die Fahrrinnenanpassung auf Betreiben der Umweltschützer unterbrochen.

Hamburg - Eine im Auftrag des niederländischen Umweltministeriums erstellte Studie bringt die Befürworter der geplanten Elbvertiefung weiter in Bedrängnis. Nach SPIEGEL-Informationen bestätigt das Gutachten, dass mit einem weiteren Ausbaggern des Flusses schwere ökologische Schäden einhergehen können.

Seit Oktober 2012 ist die Fahrrinnenanpassung für Schiffe mit einem Tiefgang von 14,5 Metern vorerst gestoppt. Die Umweltverbände BUND und Nabu hatten mit Unterstützung des WWF beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eine einstweilige Anordnung erwirkt. Die Richter verhinderten damit den Beginn der Baggerarbeiten - unter anderem weil "ein Umkippen des Ökosystems" in der Elbmündung nicht auszuschließen sei.

In der Folge war ein heftiger Streit entbrannt: Politik, Reeder, Hafenwirtschaft und sogar die Gewerkschaft Ver.di - die die Hafenarbeiter vertritt - hatten die Umweltverbände für ihre Klagefreudigkeit kritisiert. Sie alle fürchten, dass ohne eine vertiefte Elbe die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens als Job- und Wirtschaftsmotor aufs Spiel gesetzt wird. Einerseits hingen allein im Norden 150.000 Arbeitsplätze vom Hafen ab, andererseits erwirtschaftet er knapp 15 Prozent der Wertschöpfung Hamburgs und jährlich mehr als 700 Millionen Euro an Steuern.

Ver.di argumentierte sogar mit ökologischen Folgen: Weil Containertransporte nach Rotterdam abwandern könnten, würden die Autobahnen durch Lkw-Transporte noch stärker belastet. Das habe "nichts mit ökologischer Gesamtverantwortung" zu tun, es sei überraschend und erschreckend, dass die Umweltverbände dies offensichtlich billigend in Kauf nähmen, so die Gewerkschaft. Auch das Bundesverkehrsministerium aus Berlin schaltete sich - erfolglos - in den Konflikt ein. Jetzt bekommen die Gegner der Elbvertiefung weiteren Rückenwind.

Die holländische Studie mit dem Titel "Die Reaktion von tidebeeinflussten Flussmündungen auf Vertiefungen und Einengungen" stellt fest, "dass ein kritischer Punkt existiert, bei dessen Überschreiten die Flussmündung in einen Zustand extremer Trübung wechselt". Das ist deshalb bedeutsam, weil Fisch- und Kleintierpopulationen dadurch nachhaltig geschädigt werden.

Der Studie zufolge lassen die Werte den Schluss zu, dass sie kurz vor einem solchen "Umschlagpunkt" steht und "auch auf kleine Änderungen" wie Vertiefung oder Verengung "empfindlich reagiert".

Damit könnten sich die letzten Hoffnungen zerschlagen, den Umweltverbänden gegen weitere Schutzmaßnahmen für die Elbe eine Zustimmung zur Vertiefung abzutrotzen. So hatte es Überlegungen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes gegeben, der Elbe im Mündungsgebiet durch Rückdeichungen mehr natürlichen Raum zu geben - an der Vertiefung der Fahrrinne um einen weiteren Meter für Containerschiffe mit einem Tiefgang von bis zu 14,50 Metern sollte sich aber nichts ändern.

nck

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insgesamt 112 Beiträge
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1. Wo stammt das Gutachten her?
sfk15021958 21.04.2013
Ein Schalk, der Böses .- Rotterdam - dabei denkt!
2.
ekel-alfred 21.04.2013
Zitat von sysopDPAEine holländische Studie könnte die Elbvertiefung stoppen: Nach SPIEGEL-Informationen warnt das Gutachten davor, den Fluss auszubaggern - andernfalls könne das Ökosystem in der Elbmündung "umkippen". Derzeit ist die Fahrrinnenanpassung auf Betreiben der Umweltschützer unterbrochen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gutachten-warnt-vor-schweren-schaeden-durch-elbvertiefung-a-895596.html
Warum baut man Häfen nicht dort, wo sie hingehören? An der See! Man muss es sich mal vorstellen.....Tiefgänge von 15m! Das enstpricht locker der Höhe eines dreistöckigen Gebäudes.
3. Ein Schelm, wer böses denkt.....
herrwurlstein 21.04.2013
Zitat von sysopDPAEine holländische Studie könnte die Elbvertiefung stoppen: Nach SPIEGEL-Informationen warnt das Gutachten davor, den Fluss auszubaggern - andernfalls könne das Ökosystem in der Elbmündung "umkippen". Derzeit ist die Fahrrinnenanpassung auf Betreiben der Umweltschützer unterbrochen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gutachten-warnt-vor-schweren-schaeden-durch-elbvertiefung-a-895596.html
.......
4. Stellt sich..
schon_klar 21.04.2013
.. die Frage, wie weit dieses Gutachten von niederländischen Wirtschaftsinteressen beeinflußt wird, nicht wahr ?!
5. Eigeninteresse?
rigorosum 21.04.2013
...ob man dem NL-Umweltministerium wohl ein gewisses Eigeninteresse unterstellen kann? Eine bessere Auslastung von Rotterdam ist aus deren Sicht sicher vorteilhaft gegenüber der Aussicht, einen Teil der größeren Schiffe nach HH zu verlieren... Interessant zu beobachten, wie hier auf beiden Seiten (Verdi/D) und NL wirschaftliche Interessen mit Umweltargumenten vorgetragen werden.
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