Gute Konjunktur Krankenkassen wollen Zusatzbeitrag abschaffen

Die deutschen Krankenkassen spüren die späten Auswirkungen der guten Konjunktur. Bis Mitte nächsten Jahres wollen auch die letzten unter ihnen den Zusatzbeitrag abschaffen. Doch die zuschlagsfreie Zeit droht danach schnell wieder zu Ende zu gehen. 

Logo der DAK: Die Krankenkasse plant den Zusammenschluss mit der BKK Gesundheit
DPA

Logo der DAK: Die Krankenkasse plant den Zusammenschluss mit der BKK Gesundheit


Berlin - Die wenigen Krankenkassen, die noch einen Zusatzbeitrag erheben, könnten den Aufschlag im zweiten Quartal 2012 auch abschaffen. Das berichteten die "Nürnberger Nachrichten" am Freitag.

Bei der BKK Phoenix gebe es eine Beschlussvorlage, den Zusatzbeitrag zum 1. April abzuschaffen, sagte ein Sprecher der Zeitung. Für die Mitglieder der BKK advita werde es ab dem zweiten Quartal ebenfalls günstiger, berichtet das Blatt. Bei der BKK Hoesch wolle man bald entscheiden, ob die Pauschale erheblich verringert oder ganz abgeschafft werde. Bei der BKK Publik hieß es hingegen, noch sei nichts geplant.

Bereits zuvor hatten die DAK und die BKK Gesundheit angekündigt, nach ihrer geplanten Fusion ihre Zusatzbeiträge zu streichen. Auch die KKH-Allianz und die Deutsche BKK wollen den Aufschlag nicht mehr verlangen.

Die Finanzlage der Kassen hat sich wegen der noch guten Konjunktur und Spareffekten zuletzt stark verbessert. Nur wenn sie mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, müssen sie Zusatzbeiträge erheben. Die Kassen schlossen die ersten neun Monate dieses Jahres mit einem Überschuss von rund 3,9 Milliarden Euro ab.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen rechnet allerdings damit, dass Kassen den Zusatzbeitrag nach 2013 wieder erheben. Auf die Versicherungen kämen "erhebliche Mehrkosten" zu, sagte die Gesundheitsexpertin des Verbands, Ilona Köster-Steinbach, der Zeitung. "2014 wird der Beitrag wieder kommen."

Die Kassen wollen nach den Erfahrungen mit den Zusatzbeiträgen, die den Wettbewerb stark anheizen und betroffene Kassen stark belasten, wieder mehr Entscheidungsfreiheit über ihre Beiträge. "Wir wollen mehr individuelle Beitragsfreiheit für jede einzelne Krankenkasse, unabhängig davon, ob ein prozentualer oder ein Euro-Beitrag die gesetzliche Vorgabe ist", sagte der Sprecher ihres Spitzenverbandes, Florian Lanz. Mehr Entscheidungsfreiheit beim Beitrag könnten etwa Investitionen in neue Versorgungskonzepte erleichtern.

Auch Barmer-GEK-Chef Christoph Straub forderte im "Hamburger Abendblatt", dass die Krankenkassen die Beiträge wieder selbst erheben können. Derzeit gilt bundesweit ein einheitlicher Krankenkassenbeitrag von 15,5 Prozent vom Bruttogehalt. Der Barmer-GEK-Chef warnte davor, wegen des Milliarden-Überschusses im Gesundheitsfonds die Beiträge zu senken. Arzneimittel- und Krankenhausausgaben zögen wieder an.

stk/dpa



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