Hambacher Forst Polizei räumt besetzte Kohlebahn

In der Nacht hielten Demonstranten die Gleise der Kohlebahn am Tagebau Hambach besetzt. Die Polizei stieß bei der Räumung auf Schwierigkeiten.

Polizisten räumen die Kohlebahn
JONAS NOLDEN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Polizisten räumen die Kohlebahn


Nach rund 20-stündiger Blockade einer Kohle-Transportbahn im Rheinischen Braunkohlerevier gehen die Proteste im Hambacher Forst weiter. Die Polizei begann am Vormittag mit der Räumung der besetzten Gleise am Braunkohletagebau Hambach.

Aktivisten hatten sich Angaben des Aktionsbündnisses "Ende Gelände" zufolge an den Schienen festgekettet. Nach einer kalten Nacht hatte ein Großteil der 2000 Besetzer die Gleise verlassen. Noch während der Räumung gab die Polizei den Besetzern die Möglichkeit, die Gleise freiwillig zu verlassen. Dem kamen weitere Aktivisten nach, wie auf einem Live-Video zu sehen war.

Die Räumung ist für die Polizisten sehr schwierig. Rechts und links des Bahngleises befindet sich eine hohe und steile Böschung. Die Blockade der Bahn hat dem Energiekonzern RWE zufolge bisher keine Folgen für die Leistung der Kraftwerke. Man habe mit den Protesten gerechnet und die Bunker an den Kraftwerken entsprechend mit Kohlebeständen gefüllt, sagte ein RWE-Sprecher. Bisher sei es nicht zu Produktionseinschränkungen infolge der Blockade gekommen.

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Es seien aber Straftaten verübt worden, die für das Unternehmen einen wirtschaftlichen Schaden in noch nicht zu beziffernder Höhe bedeuteten. Nach der Räumung müsse RWE zunächst aus Sicherheitsgründen Schienen und Gleisbett untersuchen, möglicherweise Ausbesserungen vornehmen. Nach Angaben des Aktionsbündnisses "Ende Gelände" ketteten sich einige Aktivisten an den Schienen fest. Sollte die Räumung im Tagesverlauf abgeschlossen werden, kann die Hambach-Bahn laut RWE wieder zügig in einen geregelten Betrieb übergehen.

Mit seinen bis Montag geplanten Protestaktionen will das Bündnis "Ende Gelände" zum wiederholten Mal im rheinischen Tagebaugebiet gegen die Kohleverstromung demonstrieren. Es fordert einen "sofortigen Kohleausstieg" und will ein "Zeichen für Klimagerechtigkeit" setzen.

"RWE und die Regierung klammern sich an eine zerstörerische Technologie von gestern", sagte eine Sprecherin von "Ende Gelände". Den Angaben zufolge beteiligten sich rund 6500 Aktivisten an den Protesten.

Spontandemonstration

Am Vormittag meldete "Ende Gelände" eine Spontandemonstration an. Polizeiangaben zufolge sollte die Demonstration von der blockierten Bahn über die Felder zum verlassenen Tagebauort Morschenich gehen und von dort zum zentralen Stützpunkt von "Ende Gelände" in Düren.

Tausende Klimaschützer hatten am Samstag den Tagebautrieb im Rheinland gestört, aber auch das öffentliche Leben in der Region: Ein Autobahnabschnitt wurde über Stunden gesperrt, nachdem Aktivisten über die Fahrbahn gelaufen waren. Ebenso waren eine Bundesstraße und ein Streckenabschnitt der Bahn gesperrt.

Ein offensichtlich erboster Bauer fuhr Polizeiangaben zufolge auf einem Acker mit seinem Traktor auf eine Gruppe von Aktivisten zu. Die Polizei stoppte ihn und nahm den Mann vorläufig fest. Gegen den Landwirt wird wegen versuchter Körperverletzung ermittelt. Viele Anwohner aus der Region beschwerten sich bei der Polizei den Angaben zufolge über Beeinträchtigungen.

Die Polizei erstattete eigenen Angaben zufolge bis Samstagabend gegen insgesamt 400 Aktivisten Strafanzeigen. Die Staatsanwaltschaft Aachen habe Ermittlungen wegen Landfriedensbruch eingeleitet, teilte die Polizei Aachen mit.

brt/dpa/AFP

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arminreimer 28.10.2018
1. Bananenrepublik Deutschland
Ein Bauer der sein Feld vor Randalierern schützt wird verhaftet, ein "Aktivist" der einen Bagger besetzt, mehrere Straftaten begeht kommt ungeschoren davon. Weil man eine Spontan Demo anmeldet erklärt die Staatsanwaltschaft Aachen das das besetzen von Schienen keine Straftat darstellt. Schwerer Eingriff in den Bahnverkehr, den Begriff kennen die Provinz-Juristen anscheinend nicht. Solange Provinz-Gerichte und Laienstaatsanwälte sich um diese "Aktivisten" kümmern können die anscheinend machen was se wollen, während der normale Bürger 10 Euro zahlen darf wenn er ohne zu blinken abbiegt.
Dr. Kilad 28.10.2018
2. Landfriedensbruch?
RWE gehört nicht Deutschland!
Jolande9 28.10.2018
3.
Zitat von arminreimerEin Bauer der sein Feld vor Randalierern schützt wird verhaftet, ein "Aktivist" der einen Bagger besetzt, mehrere Straftaten begeht kommt ungeschoren davon. Weil man eine Spontan Demo anmeldet erklärt die Staatsanwaltschaft Aachen das das besetzen von Schienen keine Straftat darstellt. Schwerer Eingriff in den Bahnverkehr, den Begriff kennen die Provinz-Juristen anscheinend nicht. Solange Provinz-Gerichte und Laienstaatsanwälte sich um diese "Aktivisten" kümmern können die anscheinend machen was se wollen, während der normale Bürger 10 Euro zahlen darf wenn er ohne zu blinken abbiegt.
Da ist aber einer in Rage... Sie hätten es also gerne gesehen, wenn der Traktorist die Demonstrierenden einfach mal so plattgefahren hätte? Und woher haben Sie denn die Information, dass die Besetzung des Baggers und das Blockieren keine Konsquenzen hätten? Im Artikel steht lediglich folgendes: "Die Polizei erstattete eigenen Angaben zufolge bis Samstagabend gegen insgesamt 400 Aktivisten Strafanzeigen. Die Staatsanwaltschaft Aachen habe Ermittlungen wegen Landfriedensbruch eingeleitet, teilte die Polizei Aachen mit."
arminreimer 28.10.2018
4. nicht nur Spiegel lesen, bildet auch!
@Jolande9, die Staatsanwaltschaft Aachen hat erklärt das keine Verfolgung durch diese wegen Schienenbesetzung stattfinden wird! Man darf sein eigenes Land also nicht verteidigen? Die Polizei hat ja nichts getan. Wenn ich also bei Ihnen einbreche, Ihre Wohnung kirz und klein schlage stehen Sie also daneben? Und wo steht das der Bauer die platt gefahren hätte? Wenn sich jmd. in Gefahr gibt muss er mit den Konsequenzen rechnen. Und RWE gehört nicht Deutschland. Aber der Hambacher Forst gehört dem RWE, denn den haben die Besitzer, die Gemeinden, an RWE verkauft! Mann karrt hier Tschechen (die zu 90% Kohlestrom nutzen, mit ner alten russischen Diesellok nach Düren der Umwelt zuliebe. Finde den Fehler!
dirkcoe 28.10.2018
5. Nein, es gibt Grenzen
Mir fehlt jedes Verstândnid, wenn bei Demonstrationen zu Sachbeschädigung kommt. Unsere Verfassung garantiert das Recht auf Demonstrationen - der Staat darf aber mit Recht auch erwarten, dass sich dabei jeder Demonstrant zivilisiert verhält. Alles andere ist eine Zumutung - insbesondere für unsere Polizeibeamten.
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