Umkämpftes Braunkohlegebiet Polizei rückt in Hambacher Forst ein

Wird der Hambacher Forst dem Kohleabbau geopfert? Seit Jahren kämpfen Umweltschützer mit einer Besetzung gegen die Rodung, jetzt kommt die Polizei in Mannschaftsstärke in den Wald bei Aachen. Um eine Räumung soll es nicht gehen.


Mit einem Großaufgebot ist die Polizei am Mittwochmorgen in Teile des Hambacher Forstes vorgerückt, den Aktivisten seit langem aus Protest gegen einen geplanten Braunkohleabbau besetzt halten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren mehrere Hundert Beamte im Einsatz.

Nach Angaben eines Polizeisprechers wollten Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE damit beginnen, Hindernisse am Waldboden wegzuräumen. Die Polizei schütze die Arbeiter dabei. Der Abriss von Baumhäusern, die von Rodungsgegnern teils seit Jahren bewohnt werden, sei nicht geplant, teilte die Polizei über Twitter mit. Es seien auch keine Festnahmen von Baumhausbewohnern geplant, erklärten Polizeisprecher am Morgen in Lautsprecherdurchsagen.

RWE Power will für den Braunkohleabbau mehr als 100 der verbliebenen 200 Hektar Wald abholzen, was mit Beginn der Rodungssaison ab 1. Oktober möglich wäre. Gegen die Abholzung gibt es seit langem heftige Proteste von Waldbesetzern vor Ort. Darüber hinaus fordert ein breites Bündnis von Natur- und Klimaschützern einen Rodungsstopp, solange die bundesweite Kohlekommission in Berlin miteinander im Gespräch ist.

Bei der Großaktion will die Polizei auch Beweismittel für Straftaten von Demonstranten sichern. In der Vergangenheit hatte es im Forst mehrfach gewaltsame Attacken auf Polizisten gegeben. Bagger begannen am Morgen, Hindernisse auf Waldwegen wegzuräumen.

picture alliance / dpa

dab/dpa



insgesamt 44 Beiträge
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danger666man 05.09.2018
1. Macht Euch selber ein Bild
Ich kann nur jedem raten sich selber mal ein Bild vor Ort zu machen. Nachdem ich das Thema 4Jahre lang trotz regelmäßiger Berichterstattung in den Medien mehr oder weniger ignoriert hatte, bin ich Anfang letzten Jahres das erste Mal im Hambacher Forst gewesen. Und auf einmal wurden die "Spinner" (Aktivisten) für mich zu "Helden" (solange keine Gewalt gegen Polizisten angewandt wird UND umgekehrt). Was diese Wald- & Klimaretter für Entbehrungen auf sich genommen haben, um im Wald zu überleben und diesen zu schützen ist bemerkenswert. Limitiertes Wasser, wenig Platz, keine richtige Dusche, Kälte im Winter... Das alles bin ich nicht breit aufzugeben, um den Wald zu retten. Da ist Solidarität das Mindeste gefolgt von Gesprächen & Schreiben an Politiker und Demonstrationen sowie Unterschriftenaktionen für einen schnellen UND sozialverträglichen Kohleausstieg. Und alleine die Baumhäuser zu sehen ist ein Erlebnis. Eigentlich dürfte man den Wald schon aus diesem Grund nicht mehr abholzen. So eindrucksvolle Konstruktionen. Der Traum eines jeden Kindes!
xako 05.09.2018
2.
Machen wir halt Nägel mit Köpfen. Wenn der Wald erstmal gerodet ist können wir auch die Kohle noch schürfen bevors zum Kohleausstieg kommt. Die Aktionäre werden es uns danken... und unser eigenes Aktienpaket (und Konto) wird sich bestimmt auch freuen.
mrmink 05.09.2018
3. Erfüllungsgehilfen
die Polizei macht sich zum Erfüllungsgehilfen des RWE Konzern. die Politik in Berlin muss sofort dort einschreiten und dieses unrechtmäßige Einschreiten der Polizei verhindern. Es sind mehrere Gerichtsverfahren anhängig die die Rodung des Waldes stoppen sollen. Die RWE will durch Fakten Schaffung, nämlich der vorzeitigen Rodung, diese Gerichtsentscheide absurdum führen.
quark2@mailinator.com 05.09.2018
4.
Die Besetzer hatten meine Sympathie bis sie Bergarbeiter angegriffen und in Gefahr gebracht haben. Wie ich immer sage - man kann nicht auf bösen Wegen etwas Gutes erreichen. Wer möchte schon den Rechtsstaat für ein Willkürregime opfern, bloß um sich mal durchzusetzen ? Der Zweck heiligt die Mittel eben nicht. Insofern finde ich es falsch, daß man diese Besetzung überhaupt so lange geduldet hat. Man sollte sich darauf verlassen dürfen, daß es keine rechtsfreien Räume gibt, insbesondere, daß solche Räume nicht mit Gewalt geschaffen werden.
FreeARTIC 05.09.2018
5. Ziviler Ungehorsam
Wir Bürger haben das Recht in bestimmten Situationen zivilen Ungehorsam anzuwenden. Es ist doch kennzeichend das die CDU/FDP Regierung natürlich auf Seiten des RWE Konzerns steht. Wie immer regiert bei diesen Parteien nicht der Bürgerwille. Argumentiert wird aber trotzdem mit Arbeitsplätzen.... Diese Arbeitsplätze könnte doch aber auch für eine Renaturierung (Baggerfahrer, Schlosser, Ingenieure braucht man hier auch) eingesetzt werden. Überall wo man hinblick regiert nur noch die Wirtschaft. Ein paar alte weiße Männer, die eine unersätzliche Gier nach mehr Profit haben wollen ihre Interessen durchsetzen. Auf der anderen Seite stehen in ihren Augen links- grüne Spinner die "arm" sind. Die Holzfäller werden gefeiert als Bürger die es geschafft haben, ein geschäft aufgebaut haben, Arbeitsplätze schaffen und etwas für die Menschheit leisten. Derjenige der die Wälder schützt wird als Taugenichts abgetan und sogar eingesperrt. Genau an solchen Aktionen der Staatsmacht ist das wahre Gesicht unsere Gesellschaft zu sehen. Wer etwas ändern will, der muss JETZT vor Ort aktiv werden und zivilen Ungehorsam anwenden. Die Polizei die Holzfäller und die Politiker muss das Recht verweigert werden, hier aktiv zu werden. Viele Bürger trauen sich aber für solche Aktionen nicht. Sie sind durch den Kapitalismus gefügbar gemacht worden und wollen einfach nur mitschwimmen oder haben andere Sorgen. Auch das ist gewollt von Politik und Wirtschaft. Es hilft nur sich loszulösen von der Gewalt des Staates und der Wirtschaft, frei und unabhänig leben. Dazu muss für sich selber sorgen und denken können. Diese Fähigkeit muss schon unseren Kindern beigebracht werden, nur dann sind sie widerstandsfähig gegenüber solchen Aktionen.
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