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Hambacher Forst

RWE-Chef und Umweltschützer treffen sich zum Krisengespräch

Der Energiekonzern RWE und die Umweltverbände BUND, DNR und Greenpeace fürchten eine Eskalation der Gewalt im Hambacher Forst. Nach SPIEGEL-Informationen wurde ein Spitzentreffen anberaumt.

Von und

DPA

Aktivisten im Hambacher Forst

Dienstag, 11.09.2018   12:09 Uhr

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Die Umweltschutzverbände BUND, Deutscher Naturschutzring und Greenpeace haben sich mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz getroffen, um eine Deeskalation im Streit über die geplante Rodung des Hambacher Forstes zu erreichen. Das berichteten zwei Insider dem SPIEGEL.

RWE will im Oktober hundert Hektar des 12.000 Jahre alten Waldes roden lassen, um sein angrenzendes Braunkohletagebaugebiet zu vergrößern. Die Umweltschützer wollen dies verhindern.

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Bei einer Räumung des Geländes könnte es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen militanten Aktivisten und Polizisten kommen, möglicherweise auch zu Verletzten. In den vergangenen Wochen waren Beamte teils heftig von den Aktivisten angegriffen worden. Vergangene Woche hatte RWE unter starkem Polizeischutz mit ersten Aufräumaktionen begonnen.

Aktivisten halten seit Jahren einen Teil des Gebiets besetzt. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Umweltverbände haben sich mehrfach von den gewalttätigen Protesten distanziert - fürchten aber dennoch, für mögliche Ausschreitungen die Mitschuld zu bekommen. Auch RWE will keinen Märtyrer aufseiten der Aktivisten riskieren.

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Die Umweltverbände hatten deshalb ein Treffen bei RWE angefragt - das der Konzern auch recht schnell zusagte. Es gehe darum, Möglichkeiten ausloten, wie eine Eskalation der Gewalt verhindert werden könne, hieß es.

Die Chancen auf eine Einigung sind gering. Denn die Fronten zwischen dem Energiekonzern und den Umweltschützern sind verhärtet. Die Angebote, die RWE bislang vorgelegt habe, seien keine wirklichen Kompromissvorschläge, ist im Lager der Umweltschützer zu hören.

Der Hambacher Forst ist in den vergangenen Wochen immer mehr zum Symbol für eine Änderung der Klimapolitik geworden. Die Umweltschützer verlangen von RWE, den Wald nicht abzuholzen, bis die von der Regierung einberufene Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" ihren Masterplan für den deutschen Kohleausstieg vorgelegt hat.

RWE dagegen argumentiert, dass man so lange nicht mehr warten könne. Ohne weitere Kohleförderung könnten die Kraftwerke in der Region bald nicht mehr betrieben werden, heißt es. Fünfzehn Prozent der Stromversorgung Nordrhein-Westfalens seien dann gefährdet - und damit auch die Versorgung vieler Industrieunternehmen mit besonders hohem Energiebedarf.

Die Kommission will ihre Vorschläge bis Ende 2018 vorlegen. Der Streit um den Hambacher Forst hatte zuletzt auch die Verhandlungen in dem Gremium belastet.

Gespräch bleibt ohne Ergebnis

Am Dienstagnachmittag teilten beide Seiten mit, das Gespräch sei ohne konkretes Ergebnis geblieben. RWE schlug nach eigenen Angaben vor, gegebenfalls erst ab dem letzten geplanten Sitzungstag der Kohlekommission am 15. Dezember mit den Arbeiten zu beginnen. Nach Angaben von Greenpeace sollten die Verbände im Gegenzug aber die Rodung des Waldes öffentlich akzeptieren.

Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser kritisierte, mit seiner Haltung verhindere der Konzern jeden Kompromiss. RWE-Chef Schmitz könne "diesen gesellschaftlichen Konflikt entschärfen, indem er die Kettensägen schweigen lässt, bis die Kohlekommission ihre Arbeit zum sozialverträglichen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle abgeschlossen hat". Es sei aber keinesfalls sicher, dass dies bereits Mitte Dezember der Fall sein werde.

Nach RWE-Angaben sind die Rodungsmaßnahmen hingegen bereits für die Aufrechterhaltung des Tagebaubetriebs und die Kohlegewinnung in den kommenden zwei Jahren notwendig. Deshalb bestehe kein inhaltlicher Zusammenhang zu den Ergebnissen der Kommission. Trotz der missglückten Einigung begrüße man den offenen Austausch. "Uns war das Gespräch wichtig", sagte RWE-Chef Schmitz. "Wir respektieren andere Meinungen im Diskurs um die Braunkohle, sofern sie friedlich vorgetragen werden."

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