Hambacher Forst Umweltaktivisten besetzen Bagger und stürmen Autobahn

Mehr als 5000 Aktivisten haben gegen die weitere Abholzung des Hambacher Forsts demonstriert. Dabei besetzten einige Protestierende einen Bagger. Zeitweise musste auch ein Stück der A4 gesperrt werden.

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Aktivisten haben zum Auftakt neuer Proteste am Hambacher Forst einen Bagger des Energiekonzerns RWE besetzt. Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" machte sich eigenen Angaben zufolge mit mehr als 5000 Aktivisten auf den Weg von seinem Camp in Richtung Tagebau Hambach. Hunderte fuhren mit Bussen zum Tagebau Inden.

Kurz vor der Umzäunung wurden die Aktivisten von der Polizei davon abgehalten, in den Tagebau zu laufen. "Ende Gelände" hatte angekündigt an diesem Wochenende den Braunkohleabbau im Rheinischen Revier mit Blockadeaktionen lahmzulegen.

Bei den Protestaktionen musste auch zeitweise ein Stück der Autobahn A4 gesperrt werden. Umweltaktivisten waren Polizeiangaben zufolge quer über die Fahrbahn Richtung Tagebau Hambach gelaufen. Sie hätten gewaltsam Polizeiketten durchbrochen. Die A4 wurde ab dem Kreuz Kerpen für mehrere Stunden in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Am Nachmittag wurde die Sperrung wieder aufgehoben, teilte eine Sprecherin mit. Der Verkehr fließe wieder.

Der Bagger im Tagebau Hambach wurde Polizeiangaben zufolge von rund 40 Aktivisten besetzt - etwa 30 von ihnen saßen auf dem Boden und acht auf dem Bagger. Die Polizei warnte erneut davor, in die Tagebaue einzudringen. Es bestehe Lebensgefahr.

RWE kündigte an, Straftaten konsequent zur Anzeige zu bringen. Die Tagebaue seien ringsum durch Erdwälle, Schranken und Zäune umfriedet. Auch Warnschilder kennzeichneten eindeutig, wo das Betriebsgelände beginne.

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Hambacher Forst: 5000 Demonstranten protestieren gegen Abholzung

"Selbstverständlich respektieren wir das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht darf nicht dazu missbraucht werden, um unter dem Deckmantel des Klimaschutzes Straftaten zu verüben", sagte RWE-Vorstand Lars Kulik.

Derweil demonstrierten RWE-Beschäftigte in einer Mahnwache für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Sie befürchten, dass sie bei einem zu schnellen Kohleausstieg ihre Arbeitsplätze verlieren. Dem Willen der Kohlekommission zufolge soll es allerdings keine Entlassungen geben. Das sagte Ronald Pofalla, einer der Vorsitzenden der Kommission, dem WDR-Magazin "Westpol".

brt/dpa

insgesamt 364 Beiträge
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Dr. Kilad 27.10.2018
1. Na, kriminell handelt doch RWE
Die ganze Einzäumung stellt eigentlich nichts weiter als eine Privatisierung öffentlichen Eigentums dar. Die Politik läuft ja sowie so nur den Profitinteressen der Umweltzerstörer hinterher. Gut, dass die Menschen die Sache selbst in die Hand nehmen.
demiurg666 27.10.2018
2. Morgenthau Plan
So wichtig Klimaschutz ist, fühlen sich die von Aktivisten gewollten Ziele an, als ob der Morgenthau-Plan ca. 60 Jahre später durch die Hintertür doch noch durchgeführt werden soll. Glücklicherweise bin ich beruflich nicht an Deutschland gebunden und kann bei dem, von mir befürchteten Wirtschaftkollaps, einfach das Land oder den Kontinent wechseln. Schöne Neue Welt.
f36md2 27.10.2018
3. Widerstand: Jetzt erst recht!
Super-Aktion - weiter so! Die Forderungen der RWE-IGBCE-Laschet-Gegendemo vom Mittwoch sind doch nicht ernst zu nehmen: Eine Produktionseinstellung erst 2040? Bis dahin weiter das Klima verpesten! Wehrt Euch, leistet Widerstand, gegen die RWE-Dreckschleudern im Land!
frider 27.10.2018
4. Pofalla
Es ist schon erschreckend. Ausgerechnet die DB Fehlbesetzung Pofalla soll etwas inhaltliches und vernünftiges im Umgang mit der Braunkohle erreichen. Wer kann sich das denn überhaupt vorstellen.
opa klaus 27.10.2018
5. Wer bezahlt die "Aktivisten?"
Ich möchte mal wissen, wer die Besetzer finanziert und ich hoffe, nicht mit Steuergeldern! seit 66 Jahren zahle ich Steuern und Sozialabgaben und ich hoffe, dass mein Geld nicht für Besetzer verwendet wird!
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