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Teure Elbtunnel-Sanierung: Hamburg droht nächste Kostenexplosion

Hamburg hat eine zweite Problembaustelle à la Elbphilharmonie. Die Sanierung des denkmalgeschützten alten Elbtunnels wird deutlich teurer als gedacht, die Kosten liegen nun bei fast 100 Millionen Euro. Die Behörden beteuern, dies sei nicht abzusehen gewesen.

Bauarbeiten im alten Elbtunnel: "Damit war nicht zu rechnen" Zur Großansicht
DPA

Bauarbeiten im alten Elbtunnel: "Damit war nicht zu rechnen"

Hamburg - Bei der Eröffnung vor mehr als hundert Jahren galt er als technische Sensation, mittlerweile ist er reparaturbedürftig: Der alte Elbtunnel in Hamburg wird seit 2010 saniert. Und das wird immer teurer: Die Baukosten wurden nun zum wiederholten Mal nach oben korrigiert - auf mittlerweile knapp hundert Millionen Euro. Einen entsprechenden Bericht des Radiosenders NDR 90,3 bestätigte eine Sprecherin der Hamburger Wirtschaftsbehörde SPIEGEL ONLINE. Im Jahr 1994 war die zuständige Hafenbehörde noch von lediglich 15 bis 17 Millionen Euro ausgegangen.

Als Grund für die gestiegenen Kosten nannte die Stadt neben unerwartet hartem Beton auch bleihaltige Stäube, die erhebliche Änderungen im Bauablauf erfordert hätten. "Damit war nicht zu rechnen", so die Sprecherin. Außerdem müssten Auflagen des Denkmalschutzes beachtet werden.

Die Kostenexplosion erinnert an den Bau der nur wenige hundert Meter entfernten Elbphilharmonie. Die Ausgaben für das Prestigeprojekt stiegen um das Zehnfache von ursprünglich 77 Millionen auf 789 Millionen Euro. Die für 2010 geplante Eröffnung wurde auf 2017 verschoben. Daneben gibt es in Hamburg ein weiteres Problemprojekt: Die geplante Elbquerung der A20 - die nichts mit dem alten Elbtunnel zu tun hat - droht deutlich teurer zu werden als ursprünglich geplant.

Angesichts der massiven Kritik an diesen Projekten versucht der Senat der Hansestadt nun zu beruhigen. So widersprach die Wirtschaftsbehörde Aussagen, wonach die neuen Zahlen für den alten Elbtunnel eine Versechsfachung der ursprünglich geplanten Kosten bedeuteten. Bei den Mitte der neunziger Jahre genannten Zahlen sei es lediglich um die Kosten für das sogenannte Schachtgebäude gegangen, den Eingang zum Tunnel. Unter Berücksichtigung der Tunnelröhren habe man die Kosten dagegen bereits im vergangenen Jahr auf rund 62 Millionen Euro geschätzt - immer noch weit weniger als die jetzt veranschlagte Summe. Eine weitere Kostensteigerung werde aber nicht erwartet.

Ursprünglich sollten die Oströhre des Tunnels 2016 und die Weströhre 2019 fertig saniert sein. Die Arbeiten an der Weströhre aber werden möglicherweise deutlich nach hinten verschoben - im Sommer soll darüber Klarheit herrschen.

Der rund 427 Meter lange St.-Pauli-Elbtunnel - so der offizielle Name - wurde 1911 eröffnet. Die Besonderheit des imposanten Baus: Es gibt keine Zufahrtsrampen. Autos, Fahrräder und Fußgänger werden mit großen Fahrstühlen in die Tiefe befördert - und wieder hinauf. Im vergangenen Jahr nutzten fast 121.000 Autos sowie 1,2 Millionen Radfahrer und Fußgänger den Tunnel.

dab/dpa

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1.
DrGrey 07.03.2014
Zitat von sysopDPAHamburg hat eine zweite Problembaustelle à la Elbphilharmonie. Die Sanierung des denkmalgeschützten alten Elbtunnels wird deutlich teurer als gedacht, die Kosten liegen nun bei fast 100 Millionen Euro. Die Behörden beteuern, dies sei nicht abzusehen gewesen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hamburg-elbtunnel-sanierung-kostet-fast-100-millionen-euro-a-957529.html
Wer Milliarden an Steuergelder innerhalb von Minuten für die Rettung des Euros versenken kann, dürfte sicher noch ein paar hundert Millionen dort locker machen können,oder?
2. Da gibts eine ganz einfache Lösung
Darknessfalls 07.03.2014
Die Lösung: einfach tausend neue Blitzer aufstellen und die Bürger für das behördliche Versagen aufkommen lassen... hat in der Vergangenheit immer geklappt. Und um Gottes Willen die Planer und Hintermänner dieser ganzen Aktionen bloss nicht zur Rechenschaft ziehen - die weinen sonst!
3. tja
markus.pfeiffer@gmx.com 07.03.2014
Sorry, liebe Hamburger (Verwaltung): Aber auch bei 62 Mio. sage ich: hätte man DIE Summe vorher gewusst, hätte man sich wohl entschieden, die alte Röhre lieber z fluten anstatt zu sanieren.
4. optional
Zapallar 07.03.2014
Gab es keine Aufzeichnungen der damals verwendetten Baustoffe? Gab es keinerlei Probebohrungen, Materialproben etc in gewissen Abständen? Gab es keine Analyse der Bausubstanz? Dann wäre mit großer Wahrscheinlichkeit die Betonzusammensetzung und die Beliebelastung bekannt gewesen. Entweder wurden also falsche oder ungenaue Gutachten in Auftrag gegeben, oder gar keine.
5.
deus-Lo-vult 07.03.2014
Zitat von sysopDPAHamburg hat eine zweite Problembaustelle à la Elbphilharmonie. Die Sanierung des denkmalgeschützten alten Elbtunnels wird deutlich teurer als gedacht, die Kosten liegen nun bei fast 100 Millionen Euro. Die Behörden beteuern, dies sei nicht abzusehen gewesen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hamburg-elbtunnel-sanierung-kostet-fast-100-millionen-euro-a-957529.html
Komischerweise sind horrende Kostenexplosionen NIE abzusehen. Sachverständige warnen aber vorher schon, dass die Kalkulationen geschönt sind.
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