Annäherung EU und USA verkünden Zugeständnisse im Handelsstreit

Beim Treffen zwischen EU-Kommissionschef Juncker und US-Präsident Trump haben beide Politiker mehrere Einigungen bekannt gegeben. Im Handelsstreit soll auf hohe US-Zölle auf Autos vorerst verzichtet werden.

Jean-Claude Juncker und Donald Trump
AFP

Jean-Claude Juncker und Donald Trump


Die EU und die USA haben im Handelsstreit Einigungen in mehreren Bereichen erzielt. Das sagten US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker nach einem Krisentreffen im Weißen Haus. Juncker zufolge wollen die EU und die USA vorerst darauf verzichten, neue Zölle einzuführen. Dies gelte, so lange die Verhandlungen liefen.

Trump sprach nach dem Treffen von einer neuen Phase in den Beziehungen zur EU, "einer Phase enger Freundschaft, starker Handelsbeziehungen, in denen wir beide gewinnen werden". Er und Juncker hätten sich darauf geeinigt, daraufhin zu arbeiten, Industriezölle abzuschaffen. Die Europäische Union habe sich demnach bereiterklärt, mehr Sojabohnen zu importieren und Industriezölle zu senken, sagte Trump bei der gemeinsamen Pressekonferenz. Außerdem werde die EU darauf hinarbeiten, mehr Flüssiggas einzuführen.

Auch mögliche hohe US-Zölle auf Autos sind nach Auffassung der EU vorerst vom Tisch. Die USA haben offenbar Zugeständnisse gemacht: Die US-Senatoren Doug Jones und Lamar Alexander wollen die Einführung von Sonderzöllen auf Autos verzögern, bis eine Untersuchung zu dem Thema beendet ist. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll in den Kongress eingebracht werden. Vor Reportern sprach Juncker von einem "erheblichen Zugeständnis".

Nach der Presskonferenz schrieb Trump bei Twitter von einem "großartigen Treffen". Es habe in einer "warmen und herzlichen" Atmosphäre stattgefunden. "Ein Durchbruch, mit dem niemand gerechnet hatte, wurde schnell erreicht." In einem weiteren Tweet veröffentlichte Trump ein Foto aus dem Weißen Haus, darauf ist Juncker zu sehen, wie er dem US-Präsidenten einen Kuss auf die Wange drückt. Die EU und die USA würden einander ganz offensichtlich lieben, schrieb Trump dazu.

Der EU-Kommissionschef war nach Washington gereist, um eine weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und der EU abzuwenden. Anschließend schrieb er bei Twitter zu einem Foto von der offiziellen Pressekonferenz: "Ich bin für einen Deal gekommen, wir haben einen Deal erreicht."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) äußerte sich in zwei Twitternachrichten erfreut über das Ergebnis des Treffens und gratulierte Juncker und Trump zu dem erreichten "Durchbruch", der einen Handelskrieg verhindern und Millionen Jobs retten könne. DIHK-Chef Eric Schweitzer gab sich zurückhaltend. "Die in Aussicht gestellten Lösungen gehen in die richtige Richtung." Es bleibe aber Skepsis. Weitere Reaktionen in Zitaten finden Sie im Folgenden:

Auch die Börse hat bereits reagiert: Die mögliche Beilegung des Handelsstreits zwischen EU und USA hat die Wall Street angetrieben. Die wichtigsten Aktienindizes stiegen im späten Handel und schlossen teils deutlich im Plus.

Trump: "Wir müssen durchhalten"

Am Dienstag hatte Trump die US-Bürger um Geduld gebeten. "Wir müssen durchhalten", sagte er bei einem Auftritt in Kansas City. "Was die EU uns antut, ist unglaublich. Wie schlecht." Kurz vor dem Treffen mit Juncker hatte sich der US-Präsident jedoch wieder optimistisch gezeigt, ein Handelsabkommen mit der EU beschließen zu können.

Die Vereinbarungen sollten fair sein und für beide Seiten gleichermaßen gelten, sagte Trump beim Empfang im Weißen Haus. "Wir wollen Chancengleichheit für unsere Bauern, unsere Produzenten, für jeden." Am Dienstag hatte Trump noch für der Einfuhrabgaben geworben.

Trotz Optimismus hatten beide Politiker klargemacht, dass sie sich im Recht sehen und von der jeweils anderen Seite ein Einlenken erwarten. "Wir sitzen hier nicht auf der Anklagebank. Insofern brauchen wir uns auch nicht zu verteidigen", hatte Juncker vor dem Treffen mit Trump gesagt.

Milliardenhilfen als Abhilfe im Handelsstreit

Der Handelsstreit mit den USA war in den vergangenen Wochen zunehmend eskaliert. Erst am Dienstag beschloss die US-Regierung eine Milliardenhilfe für US-Bauern. Sie sind besonders stark von Zöllen aus China und der EU betroffen. Die Subventionen in Höhe von bis zu zwölf Milliarden Dollar sollen demnach die Schäden ausgleichen, die durch "illegale Vergeltungszölle" angerichtet würden, sagte Agrarminister Sonny Perdue am Dienstag in Washington.

Die EU verhängt bereits Zölle auf US-Produkte wie Whiskey, Jeans und Motorräder. Da Trump jedoch Sonderzölle auf europäische Autos geprüft hatte, hatte die EU weitere Vergeltungsmaßnahmen angekündigt.

eaz/dpa/Reuters

insgesamt 28 Beiträge
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holjanger 26.07.2018
1. Was ust das Zugeständnis der USA?
Vielleicht habe ich es überlesen, aber ich habe kein Zugeständnis der USA gefunden. Das einzige, was in Aussicht gestellt wurde, sind noch nicht eingeführte Strafmassnahmen zu verzögern. Und dafür erklärt sich Juncker zu Zollsenkungen und Zusatzimporten bereit? Größtmögliche Niederlage für die EU, die hier auch noch gefeiert wird... Maximales Unverständnis auf meiner Seite, Trumpismus hat sich auf ganzer Linie durchgesetzt. Peinlicher Kotau.
dereuropaeer 26.07.2018
2. EU Deal mit Trump
Dieser sogenannte Erfolg hält genau so lange, bis Trump sich gegen sich selbst entscheidet. Trump‘s Zusagen sind absolut „nichts“ wert. Das hat er vielfach bewiesen. Was für ein Präsident. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man nur lachen
dereuropaeer 26.07.2018
3. Trump und seine Sojabohnen
Jetzt, wo China Trump an einer empfindlichen Stelle getroffen hat, versucht er seine Sojabohnen in Europa loszuwerden. Temps Zölle werden für ihn ein teurer Dosß auf Kosten der US Bürger
mayazi 26.07.2018
4. Liebe
Liebe und eine "bise" kann man schon mal verwechseln - wenn man von nichts eine Ahnung hat.
herumnöler 26.07.2018
5. Der Größte Dealmaker aller Zeiten ...
... ist der Sieger. Er hat "uns" gedroht, "wir" kamen, um zu beschwichtigen, und jetzt müssen wir Sojabohnen fressen. Man kann von ihm nur lernen, wie man's macht. Freunde wird er nie haben, aber Besiegte.
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