Handelsstreit und Brexit Britischer Notenbankchef warnt vor Protektionismus

Zölle und eine Abschottungspolitik sieht Großbritanniens Notenbankchef Mark Carney als Gefahr für die Wirtschaft. Ein ungeordneter Brexit könnte die Banken schwer treffen.

Mark Carney
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Mark Carney


Großbritanniens Notenbankchef Mark Carney hat vor den Auswirkungen protektionistischer Wirtschaftspolitik gewarnt. Handelshemmnisse könnten Arbeitsplätze gefährden und zu einem Einbruch des Wirtschaftswachstums führen, sagte er in einem Interview mit der Finanznachrichtenagentur "Bloomberg".

"Entweder wir wählen den einfachen Weg des Protektionismus mit bilateralen Handelsverträgen oder wir entscheiden uns für den komplizierten Weg mit der vollständigen Liberalisierung des Welthandels. Der einfache Weg wird Arbeitsplätze, Wachstum und Stabilität kosten, der komplizierte Weg wird zu einer widerstandsfähigeren Globalisierung führen", sagte Carney.

Der Notenbanker schlägt vor, Handelsbeschränkungen im Dienstleistungsbereich abzubauen: "Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Verringerung der Handelsbeschränkungen bei Dienstleistungen die globalen Handelsungleichgewichte um fast die Hälfte reduzieren könnte."

"London bleibt als wichtiger Finanzplatz erhalten"

Vor dem Hintergrund eingeführter US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium sagte Carney: "Die Auswirkungen der seit Juni ergriffenen Maßnahmen werden wahrscheinlich gering sein. Eine größere Einführung von Zöllen würde jedoch erhebliche Auswirkungen haben." Hinzu könnten sich indirekte Auswirkungen auf die Wirtschaft ergeben, weil sich das Geschäftsklima und die Stimmung insgesamt verschlechtere.

Auch vor den Folgen des Brexits warnte Carney. Er befürchtet, dass Europas Banken im März nächsten Jahres einem "ungeordneten Brexit-Stresstest" ausgesetzt sein könnten. Das sei der Fall, wenn London und Brüssel nicht rechtzeitig zu einem Verhandlungsergebnis kämen.

Bei einem Stresstest wird normalerweise simuliert, wie sich ein starker Einbruch der Wirtschaft auf die Kapitalpolster der Banken auswirken würde. Solche Simulationen werden seit der Finanzkrise 2008/09 regelmäßig von den Aufsehern in vielen Ländern durchgespielt - in Deutschland und Europa von der Europäischen Zentralbank. Carney spielt mit seiner Formulierung darauf an, dass die Simulation dann Wirklichkeit werden könnte.

Unabhängig vom Brexit glaubt Carney aber, dass London als wichtiger Finanzplatz erhalten bleibe, da die EU-Staaten die globale Bedeutung Londons kaum nachahmen könnten. Zwar könne durch den Brexit in Europa ein neues lokales Finanzzentrum entstehen, London bleibe aber das global führende Finanzzentrum, sagte der britische Notenbankchef.

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insgesamt 18 Beiträge
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HerrPeterlein 30.07.2018
1. Nein, bleibt es in diesem Fall nicht
London ist über die Jahre ein gewachsenes Finanzzentrum, weil es vieles Vorteile hatte, zum Beispiel vollen Zugang zur EU, aber gleichzeitig gute Beziehungen zu anderen Ländern/Regionen wegen der Geschichte. Seit über 10 Jahren wachsen aber in Asien an den verschiedensten Stellen eigene Finanzzentren, unabhängig von Europa und der USA. Verliert GB jetzt noch dern Zugang zur EU und auch die Möglichkeit von EU-Bürgern einfach dort zu arbeiten/hinzureisen, dann sinkt die Bedeutung enorm. Gebäude gibt es schließlich überall, wo die Menschen arbeiten können.
stadtmusikant123 30.07.2018
2. xxxx
Zitat von HerrPeterleinLondon ist über die Jahre ein gewachsenes Finanzzentrum, weil es vieles Vorteile hatte, zum Beispiel vollen Zugang zur EU, aber gleichzeitig gute Beziehungen zu anderen Ländern/Regionen wegen der Geschichte. Seit über 10 Jahren wachsen aber in Asien an den verschiedensten Stellen eigene Finanzzentren, unabhängig von Europa und der USA. Verliert GB jetzt noch dern Zugang zur EU und auch die Möglichkeit von EU-Bürgern einfach dort zu arbeiten/hinzureisen, dann sinkt die Bedeutung enorm. Gebäude gibt es schließlich überall, wo die Menschen arbeiten können.
Bankgeschäfte sind Vertrauensangelegenheiten. Ergo keine Frage irgendwelcher technokratischen Zugänge. Man baucht eine vertrauenswürdige Bank, bei der schon mal die Vorfahren seit Ewigkeiten verwurzelt sind. Dann Berater , auf die man sich seit Generationen verlassen kann. Rechtsanwälte und Notare, die den lästigen "Kleinkram" erledigen, natürlich auch schon seit Generationen. Das muss man sich erarbeiten. Ich würde darauf ja verzichten, aber mein Kleingeld wollen die nicht.
Kurt2.1 30.07.2018
3. #2
Zitat von stadtmusikant123Bankgeschäfte sind Vertrauensangelegenheiten. Ergo keine Frage irgendwelcher technokratischen Zugänge. Man baucht eine vertrauenswürdige Bank, bei der schon mal die Vorfahren seit Ewigkeiten verwurzelt sind. Dann Berater , auf die man sich seit Generationen verlassen kann. Rechtsanwälte und Notare, die den lästigen "Kleinkram" erledigen, natürlich auch schon seit Generationen. Das muss man sich erarbeiten. Ich würde darauf ja verzichten, aber mein Kleingeld wollen die nicht.
Sie haben recht, Vieles beruht auf Vertrauen. Es ist nur so, dass GB das soeben wegwirft. Halten Sie den Brexit für eine vertrauensbildende Maßnahme, oder einen Beleg für die britische Geschäftstüchtigkeit? Gewöhnlich sind die Briten geschäftstüchtig. Aber beim Brexit haben sie eindeutig das Nationalbewusstsein vornean gestellt, eben genau zulasten dessen, was Sie schreiben.
glamax 30.07.2018
4. Bankgeschäfte sind Finanzgeschäfte
Zitat von stadtmusikant123Bankgeschäfte sind Vertrauensangelegenheiten. Ergo keine Frage irgendwelcher technokratischen Zugänge. Man baucht eine vertrauenswürdige Bank, bei der schon mal die Vorfahren seit Ewigkeiten verwurzelt sind. Dann Berater , auf die man sich seit Generationen verlassen kann. Rechtsanwälte und Notare, die den lästigen "Kleinkram" erledigen, natürlich auch schon seit Generationen. Das muss man sich erarbeiten. Ich würde darauf ja verzichten, aber mein Kleingeld wollen die nicht.
Bankgeschäfte sind Finanzgeschäfte. Da zählt vorallem eines: Rendite. Und dann kommt ganz lange nichts. Mit Vertrauen und Verlassen bekommt man vielleicht ein paar Kleinanleger geködert, und selbst die wechseln, wenn irgend wo anders ein halbes Prozent mehr rausspringt. Um erfolgreich zu sein, müssen Banken Geschäfte machen können. Und genau dafür brauchen sie diese "technokratischen Zugänge".
matthias.ma 30.07.2018
5. London führendes Finanzzentrum?
Ich denke, das global führende Finanzzentrum liegt doch in den USA. Deshalb kuschen auch alle vor Sanktionsdrohungen der USA, weil man dann dort von Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschlossen wird. Vielleicht wird über London viel abgewickelt, aber das liegt dann eher an der aktuellen Schnittstelle aus europäischer und angelsächsischer Welt. By the way - bleibt wegen der Iren Englisch eigentlich EU-Amtssprache oder wechseln wir auf Deutsch, Spanisch oder Polnisch neben dem Französischen?
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