Handelsstreit mit USA China verspricht niedrigere Zölle und mehr Importe

Im Handelskonflikt mit den USA steht die Regierung in Peking unter Druck. Präsident Xi verspricht vage, Einfuhren zu erhöhen und Markthürden abzubauen. In seiner Ankündigung fehlen allerdings entscheidende Details.

Staats- und Parteichef Xi Jinping bei Importmesse in Shanghai
DPA

Staats- und Parteichef Xi Jinping bei Importmesse in Shanghai


Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat eine weitere Öffnung des chinesischen Marktes versprochen. Vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit den USA wandte sich Xi am Montag in einer Rede zur Eröffnung der ersten internationalen Importmesse in Shanghai gegen Protektionismus und sprach sich für ein freies weltweites Handelssystem aus. "Wirtschaftliche Globalisierung ist ein unumkehrbarer Trend der Geschichte", sagte Xi.

China wolle seine Einfuhren erhöhen, den heimischen Konsum steigern, Importhürden verringern sowie den Marktzugang und den Schutz der Urheberrechte verbessern, versprach der Präsident eher vage. "Wir meinen es ernst mit der Öffnung des chinesischen Marktes." Konkrete neue Vorschläge zum Abbau der Handelsspannungen machte er allerdings nicht. Xi Jinping ging mit keinem Wort auf den Handelskrieg ein und sprach sich nur allgemein gegen Unilateralismus aus, was auf die "Amerika zuerst"-Politik von US-Präsident Donald Trump zielt.

Beide Präsidenten hatten vergangenen Woche telefoniert, was schon als Fortschritt gewertet worden war. Auch wollen sie sich auf dem G20-Gipfel der großen Wirtschaftsnationen Ende des Monats in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires treffen. So gingen Beobachter auch davon aus, dass Xi Jinping seine Karten vorher nicht offenlegen und sich mögliche Konzessionen für die anstehenden Verhandlungen aufsparen würde.

Trump hat rund die Hälfte der US-Importe aus China mit Sonderzöllen belegt und droht damit, den Handelskrieg mit weiteren Abgaben noch zu verschärfen. Da China weit weniger aus den USA importiert als umgekehrt, beklagt Trump unfaire Handelspraktiken. Er kritisiert Marktbarrieren und auch den Diebstahl geistigen Eigentums, etwa durch erzwungenen Technologietransfer.

Zuletzt waren allerdings zuversichtliche Töne zu hören: Während Larry Kudlow, der Wirtschaftsberater des US-Präsidenten, die Erwartungen dämpfte, stellte Trump selbst die baldige Unterzeichnung eines Handelsabkommens in Aussicht. Die Agentur Bloomberg hatte berichtet, Trump habe sein Kabinett mit der Vorbereitung eines solchen Vertragsentwurfs beauftragt.

Propaganda-Veranstaltung in Shanghai

Die chinesische Führung hat die Messe in der ostchinesischen Hafenmetropole als großes Propaganda-Ereignis inszeniert, um zu demonstrieren, dass ihr Markt offen sei und sie große Anstrengungen unternehme, die Einfuhren weiter zu steigern. Rund 3600 Unternehmen aus rund 130 Ländern stellen auf der Messe in Shanghai bis Samstag aus.

Roboter auf Importmesse in Shanghai
AP

Roboter auf Importmesse in Shanghai

Wegen der Messe haben die Behörden der 24 Millionen Einwohner zählenden Stadt am Montag und Dienstag zwei freie Tage ausgerufen. Auch wurden Beschäftigte ermuntert, die Zeit zu nutzen und die Messe zu besuchen. Allerdings müssen die beiden freien Tage jeweils an den Wochenenden davor und danach aufgeholt werden.

China hatte darum geworben, dass Länder ranghohe Vertreter schicken, allerdings sind außer Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedew nur die Staats- und Regierungschefs von weniger als zwei Dutzend meist kleineren Ländern angereist. Deutschland ist vertreten durch den parlamentarischen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Christian Hirte (CDU).

"Die Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen müssen besser werden", sagte Hirte. "Ziel muss es sein, dass ausländische Unternehmen in China ähnlich gute Bedingungen vorfinden wie chinesische Unternehmen es schon heute in Deutschland und der EU tun." China ist für Deutschland der wichtigste Handelspartner.

Die chinesische Konjunktur schwächelte zuletzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Juli bis September um 6,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum zu. Das ist zwar immer noch deutlich mehr als westliche Wachstumsraten, aber das kleinste Plus in China seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009.

oka/dpa/Reuters



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
hplanghorst 05.11.2018
1. Ach guck
Gar nicht so schlecht was Trump da “angerichtet” hat, oder?
nickleby 05.11.2018
2. Erstaunliche Zeichen
China lenkt ein und öffnet seine Märkte, aber nur aufgrund des Drucks aus Washington. Präsident Trump erreicht mehr als seine Vorgänger. Der Erfolg gibt ihm recht. Mit Diktaturen kann man nur klar reden und handeln.
muellerthomas 05.11.2018
3.
Zitat von hplanghorstGar nicht so schlecht was Trump da “angerichtet” hat, oder?
Das sagt China seit 20 Jahren. Mehr Importe, mehr Konsum und passiert ist nichts.
muellerthomas 05.11.2018
4.
Zitat von nicklebyChina lenkt ein und öffnet seine Märkte, aber nur aufgrund des Drucks aus Washington. Präsident Trump erreicht mehr als seine Vorgänger. Der Erfolg gibt ihm recht. Mit Diktaturen kann man nur klar reden und handeln.
Ne, eben nur heisse Luft. Unter Obama ist das Leistungsbilanzdefizit der USA von 4,75% des BIPs auf 2,3% des BIPs gesunken - unter Trump gab es bislang keinerlei Verbesserung. Aber Trumsp Fans interessieren sich wohl mehr für starke Sprüche als für Fakten.
jennerwein 05.11.2018
5. Merkel in der Ukraine - Hirte in China
Die Bundeskanzlerin Merkel dieser Tage zu ausgiebigem Besuch bei dem europaweit korruptesten Regime. Auf dieser so wichtigen Messe. unseres größten Wirtschaftspartner niicht einmal ein Minister. Diese Wirtschaftsbeziehungen zu China sind ohnehin ohne F.J Strauß, - und allen voran unser Helmut Schmidt - überhaupt nicht gegeben. Wenn man weiß, wie tief China in seiner 4000-jährigen Geschichte verankert ist, seit Mao jetzt noch mehr als je zuvor, versteht man den Durchbruch Helmut Schmidts zu China erst richtig. Dieser arbeitete sich tief in die Seele Chinas ein, insbesondere in die das heutige China so tragende Philosophie des Konfuzius. So war - Jahre bereits vor diplomatischer Beziehungen USA-China - Helmut Schmidt in langen und tiefen Gesprächen mit Deng Xiaping. Diesen sah Helmut Schmidt (in: "Was ich noch sagen wollte", Seite 150) " . . . als einen der bedeutensten Staatsmänner des 20.Jahrhunderts überhaupt." und Helmut Schmmidt weiter: "Für mich zählt Deng. Xiaping zu den großen Vorbildern, denen begegnet zu sein für mich zu den wichtigsten Ereigniiissen meines Lebends zählt." Mit Hochachtung schreibt unser Ex-Bk über diese weltweit einmalige Leistung, aus einem Mao-Terrorstaat innerhalb so kurzer Zeit einen solchen Wohlstand geschaffen zu haben. Auf dem Land zu bescheidenem, in den Wirtschaftssonderzonen auf gutem Niveau. Aber, wie gesagt, Angela Merkel hat ja Poroschenko. Und dieser wiederum hunderte und aber hunderte Millionen jahr-jahraus von Deutschland, die wir heute vor allem - noch - dank unserer Bezziiehungen mit China erarbeiten. China, dem einzigen größeren Land, mit dem wir noch eine Positiv-Entwicklung haben.
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