Konjunkturbericht IWF sieht Zollkonflikte als größte Bedrohung für Weltwirtschaft

Das größte Risiko für die globale Wirtschaft liegt in einem eskalierenden Handelsstreit. Der IWF mahnt in seinem Konjunkturbericht zudem eine gerechte Verteilung in der Gesellschaft an.

Passanten in Peking
AP

Passanten in Peking


Die Lage der Weltwirtschaft ist leicht getrübt. Das liegt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch an politischen Unsicherheiten.

Das Wachstum in großen Volkswirtschaften wie dem vom Brexit verunsicherten Großbritannien, Japan und in einigen Mitgliedsstaaten der Eurozone habe sich verlangsamt, sagte IWF-Chefvolkswirt Maury Obstfeld bei der Vorstellung des aktualisierten Weltwirtschaftsberichtes in Washington.

Zwar beließ der IWF die Wachstumsschätzung für die globale Wirtschaft bei jeweils 3,9 Prozent in diesem und im nächsten Jahr. Auch die Erwartungen an die beiden größten Wirtschaftsmächte USA und China blieben unverändert.

"Die Risiken wachsen"

Skeptischer ist der IWF jedoch bei anderen wichtigen Ländern wie der Eurozone mit Deutschland und Frankreich, sowie Großbritannien, Japan und Indien. "Das Risiko, dass die aktuellen Spannungen im Handel weiter eskalieren, ist die größte kurzfristige Bedrohung für das globale Wachstum", sagte Obstfeld.

Das Wirtschaftswachstum habe gegenwärtig in etlichen für die globale Entwicklung wichtigen Industrieländern offenbar seinen Höhepunkt erreicht. "Das Wachstum wird ungleichmäßiger und die Risiken für den Ausblick wachsen", heißt es in dem Bericht. Deshalb sei es wichtig, dass die Länder weniger nationale Wege verfolgten, sondern vielmehr Protektionismus bekämpften und gemeinsame, multilaterale Wege gingen.

Gefahr für die weltweite Produktion geht laut IWF von einer möglichen Zollspirale aus. Sollten nach den bereits geltenden Zöllen auch die von den USA und ihren Handelspartnern angekündigten neuen Abgaben in Kraft treten, könnte dies Obstfeld zufolge die globale Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2020 um rund einen halben Prozentpunkt drücken. Der IWF kappte bereits seine Prognosen für das Wachstum des Welthandels um 0,3 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent in diesem und um 0,2 Punkte auf 4,5 Prozent im nächsten Jahr.

Warnung vor hohen Staatsschulden

Zudem machten hohe Staatsschulden viele Länder anfällig für Risiken. Der IWF forderte die Regierungen auch auf, eine gerechte Verteilung in der Gesellschaft zu berücksichtigen. "Die Regierungen müssen mehr auf wirtschaftliche Gerechtigkeit unter ihren Bürgern achten und besonders darauf, die Ärmsten zu schützen", forderte Obstfeld. Er sprach von einer politischen "Malaise", die ihre Wurzeln auch in der Tatsache habe, dass das Wachstum nicht gleichmäßig bei allen ankommt.

Die wachsende Skepsis des IWF spiegelt sich jedoch nicht in allen Zahlen wider. Für die USA rechnet er weiter mit Wachstumsraten von 2,9 Prozent in diesem und 2,7 Prozent im nächsten Jahr. Für China geht der IWF unverändert von einem Plus von 6,6 Prozent in diesem und 6,4 Prozent im nächsten Jahr aus.

Das Wachstum der Eurozone wird den Daten zufolge jedoch in diesem Jahr um 0,2 Prozentpunkte geringer bei 2,2 Prozent und im kommenden Jahr um 0,1 Punkte weniger bei 1,9 Prozent liegen.

Für Deutschland hatte der Fonds kürzlich bereits seine Schätzung für 2018 von 2,5 auf 2,2 Prozent gesenkt. Für 2019 erwartet er mit 2,1 Prozent 0,1 Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Schätzung. Abwärtskorrekturen gab es zudem für Frankreich, Italien und das vor dem Austritt aus der Europäischen Union stehende Großbritannien.

brt/Reuters/dpa/AFP

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.