Handelsstreit Trump-Delegation verlässt Peking ohne Lösung

Auch nach dem Besuch einer Delegation um US-Finanzminister Mnuchin in Peking schwelt der Handelskonflikt weiter. In einigen Punkten soll China den Amerikanern allerdings entgegengekommen sein.

US-Finanzminister Steven Mnuchin in Peking
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US-Finanzminister Steven Mnuchin in Peking


Nach dem zweitägigen Besuch einer hochrangigen US-Delegation in China zeichnet sich bislang keine Lösung im Handelsstreit beider Länder ab. "Die beiden Seiten haben erkannt, dass es in einigen Fragen immer noch große Differenzen gibt", teilte Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua nach einem Treffen des chinesischen Vizepremiers Liu He mit der von US-Finanzminister Steven Mnuchin geführten Delegation mit.

Beide Länder sind sich laut Xinhua einig, relevante Wirtschafts- und Handelsfragen durch Dialog und Konsultation lösen zu wollen. Es solle ein Arbeitsmechanismus geschaffen werden, um die strittigen Themen weiter zu besprechen.

Mnuchin und sein Team, dem auch Handelsminister Wilbur Ross, der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer sowie die Wirtschaftsberater von Präsident Donald Trump, Peter Navarro und Larry Kudlow, angehörten, waren am Donnerstag zu den Verhandlungen nach Peking gereist. Beide Seiten tauschten sich laut Xinhua über Möglichkeiten aus, US-Exporte nach China zu erhöhen. Auch über den Schutz geistigen Eigentums sowie über Zolltarife wurde demnach gesprochen. In einigen Bereichen sei ein Konsens erreicht worden.

Der Konflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften hatte sich hochgeschaukelt, nachdem die USA zunächst Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus China verhängten und später mit weiteren Zöllen auf Waren im Wert von bis zu 150 Milliarden US-Dollar drohten. China kündigte Gegenmaßnahmen an.

Trump fordert von China, dass es seinen Handelsüberschuss mit den USA mindestens um 100 Milliarden US-Dollar reduziert. Allein im vergangenen Jahr exportierte China für 375 Milliarden US-Dollar (303,3 Milliarden Euro) mehr Waren in die USA als es von dort einführte.

Senkt China die Autozölle?

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat China zumindest in einigen Punkten Zugeständnisse gemacht. So habe die chinesische Seite angeboten, die Importzölle auf Autos zu senken, schreibt die Agentur unter Berufung auf zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen. Gleiches gehe aus einem von Reuters eingesehenen Dokument hervor. Zudem solle der Import von US-Waren gesteigert werden.

Zugleich habe China darum gebeten, dass chinesische Investitionen in den USA unter Sicherheitsaspekten gleichbehandelt würden und die US-Seite keine weiteren Beschränkungen auferlege. Beim Schutz geistigen Eigentums sollen die USA ebenfalls Zugeständnisse machen.

Die US-Regierung wirft China Verstöße gegen Urheberrechte und Diebstahl von Technologie vor, durch die das Ungleichgewicht noch größer werde. Vor allem die chinesische Industriestrategie "Made in China 2025", mit der die Volksrepublik zum weltweiten Technologieführer aufsteigen will, wird von den Amerikanern kritisiert, da China bei seiner technologischen Aufholjagd massiv auf staatliche Subventionen setzt.

Mit ihrer Reise habe US-Delegation zumindest einen Schritt unternommen, "um einen massiven Handelskrieg zu verhindern", schrieb die chinesische Staatszeitung "Global Times" in einem Kommentar vor Abschluss der Gespräche: "Es ist gut, irgendwo anzufangen."

Trump hatte am Donnerstag angedeutet, dass er bald persönlich mit Chinas Präsident Xi Jinping über den Handelsstreit sprechen will. Er werde "in nicht allzu ferner Zukunft" mit Xi Jinping zusammenkommen twitterte Trump am Donnerstag. "Wir werden immer ein gutes Verhältnis haben."

dab/dpa/Reuters

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klaus64 04.05.2018
1. Eine unverständliche Diskussion
Es ist wenig verständlich, dass sich die USA Regierung über Handelsüberschuss anderer Länder gegenüber der USA aufregt. Die Lösung liegt doch nur in den USA selbst. Wen die USA mehr weltmarktfähige Produkte anbieten können, wird ein Ausgleich zu erreichen sein. Andere Länder zu geringeren Lieferungen zwingen zu wollen ist doch wohl ein völlig falscher Weg und wird die USA Wirtschaft und ihre Produkte nicht weltmarktfähiger machen. Mir ist aus langer Handelstätigkeit in China bekannt, dass chinesische Überseecontainer mit chinesischen Waren nach USA gehen und mit amerikanischer Altpappe zurückkommen, weil sonst der Containerverkehr nicht aufrechtzuhalten war.
takvor 04.05.2018
2. Geldimport
Laut meines Wissens beim Geldimport wie nach den letzten Steuervergünstigungen für US-Unternehmen, die Geld vom Ausland in die USA transferieren, sinkt der Handelsüberschuss.
laberbacke08/15 04.05.2018
3.
@Klaus, so habe ich auch gedacht aber China subventioniert halt auch viel Industrie und gibt denen damit einen Vorteil. Wobei das in den USA in manchen Bereichen (Flugzeugbau) wohl ähnlich ist. Insgesamt zeigt sich hier aber durchaus, dass sich das Gewicht hier nach China verschoben hat.
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