Handelsstreit US-Frachter ändern Route wegen Strafzöllen

Der Handelsstreit zwischen China und den USA beeinflusst nicht nur die Kurse an den Weltbörsen: Mindestens fünf Frachtschiffe mit dem Ziel China änderten mitten auf hoher See die Fahrtrichtung.

Containerschiff (Symbolfoto)
DPA

Containerschiff (Symbolfoto)


Die jüngsten Sanktionen Chinas gegen die USA haben eine ganze Reihe von Frachtschiffen auf den Weltmeeren unmittelbar zur Wende gezwungen: Nur Stunden nach der Ankündigung aus Peking vom Dienstag, auf US-Hirseimporte Strafzölle von bis zu knapp 180 Prozent zu verhängen, änderten mindestens fünf Frachter mit dem Ziel China auf hoher See ihren Kurs.

Insgesamt waren zu dem Zeitpunkt nach Auskunft der US-Behörden 20 Schiffe unterwegs, die überwiegend an der texanischen Golfküste mit Hirse beladen worden waren. Sie haben 1,2 Millionen Tonnen des Getreides im Wert von mehr als 216 Millionen Dollar geladen.

Nur elf Stunden nach der chinesischen Zoll-Ankündigung stoppte bereits die in Panama registrierte "N Bonanza" und dreht dann langsam Richtung Nordwesten ab. Das geht aus Schifffahrtsdaten hervor, die die Nachrichtenagentur Reuters ausgewertet hat. Das Schiff war zu dem Zeitpunkt mit 67.000 Tonnen Hirse des US-Getreidehändlers Archer Daniels Midland (ADM) an Bord im Indischen Ozean unterwegs.

Einen ähnlichen Kurs hatte auch die "RB Eden" eingeschlagen. Sie fuhr vor der Küste Südafrikas und war am gleichen ADM-Terminal wie die "N Bonanza" beladen worden. Sie hat 70.223 Tonnen US-Hirse an Bord und drehte nach der chinesischen Ankündigung um. Die "Stamford Eagle" war in Houston mit Hirse des US-Agrarhändlers Cargill beladen worden. Sie befand sich am Dienstag vor der Küste Mexikos und drehte um. Ihren Kurs änderten auch die "Ocean Belt" und die "Xing Xi Hai" - beide ebenfalls mit Hirse unterwegs.

Unklar, was mit der Ladung geschieht

Zwei der weltgrößten Agrarhändler bekommen damit unmittelbar die Auswirkungen des verschärften Handelsstreits zwischen China und den USA zu spüren. "Für deren Geschäfte insgesamt ist das zwar nicht gravierend, aber es ist eine Warnung", sagte Branchenexperte Bill Densmore von der US-Ratingagentur Fitch. "Wenn China wirklich Strafzölle auf viele andere Produkte verhängt, etwa auf Sojabohnen und Mais, kann die Lage sehr ungemütlich werden - und zwar sehr schnell."

Es ist unklar, was nun mit dem Getreide passiert, das schon auf den Meeren unterwegs ist. Branchenkreisen zufolge könnten die Frachter nach Südostasien umgeleitet werden, um dort etwa in Vietnam oder auf den Philippinen ihre Ladung zu löschen. Dort ist Import-Hirse allerdings kaum gefragt. Hirse nimmt auf dem Getreidemarkt nur eine Nische ein. Sie wird unter anderem als Tierfutter genutzt und zum Brand des chinesischen Schnapses "Baijiu".

Experten zufolge wird sich die Ladung auf den Schiffen, die bereits unterwegs ist, nur mit Abschlägen verkaufen lassen, "Die Verkäufer sind nicht gerade in einer guten Verhandlungsposition", sagte Volkswirt Daniel O'Brien. "Sie haben überall auf dem Ozean Ladung herumfahren, die sie losschlagen müssen."

hej/Reuters



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