Handelsstreit USA planen weitere Strafzölle gegen China

Die Regierung in Washington verschärft den Handelsstreit mit Peking: Sie hat eine neue Liste mit chinesischen Exportgütern im Wert von 200 Milliarden Dollar für mögliche Strafzölle vorgelegt.

Schiffscontainer im chinesischen Qingdao
AFP

Schiffscontainer im chinesischen Qingdao


US-Präsident Donald Trump hatte der chinesischen Regierung bereits mit weiteren Strafzöllen gedroht, nun lässt er Taten folgen: Die USA haben eine neue Liste mit chinesischen Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar für mögliche Strafzölle vorgelegt, das sind umgerechnet etwa 170 Milliarden Euro. Für die Importe würden zusätzliche Abgaben von zehn Prozent fällig, kündigte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer am Dienstag an.

Die Strafzölle könnten im September in Kraft treten, sagte ein US-Regierungsbeamter. Lighthizers Büro will demnach Gespräche über die betroffenen Produkte führen. Es werde etwa zwei Monate dauern, die Liste fertigzustellen. Dann werde Trump entscheiden, ob er die Zölle verhängt.

Von den möglichen neuen US-Zöllen wären Lebensmittel, aber auch Chemikalien, Textilien, Metalle, elektronische Geräte und andere Waren aus China betroffen (die vollständige 196-Seiten-Liste finden Sie hier). Lighthizer teilte mit, Grund für die möglichen neuen Zölle seien die chinesischen Vergeltungsmaßnahmen und die Weigerung der Regierung in Peking, ihre Vorgehensweise zu ändern.

Der chinesische Vize-Handelsminister Li Chenggang sagte, die großangelegte gegenseitige Anhebung von Zöllen zwischen China und den USA "wird den US-chinesischen Handel unweigerlich zerstören".

Erst am vergangenen Freitag hatten die USA Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus China im Wert von 34 Milliarden Dollar eingeführt. Die Zölle betreffen 818 Produkte, darunter Autos, Flugzeugteile und Festplatten. Trump begründet seine Strafzollpolitik mit dem enormen Handelsdefizit seines Landes gegenüber China.

China hatte kurz nach Inkrafttreten der Zölle am vergangenen Freitag "notwendige Gegenmaßnahmen" angekündigt - und seinerseits Gegenzölle verhängt. Die USA hätten "den größten Handelskrieg in der Wirtschaftsgeschichte" eingeleitet, sagte der Sprecher des Handelsministeriums in Peking. Trump wiederum hatte der chinesischen Führung angedroht, im Falle von Vergeltungszöllen weitere chinesische Waren im Wert von bis zu 200 Milliarden Dollar mit Handelsschranken zu belegen.

Das chinesische Handelsministerium reichte offiziell Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) ein, Peking sieht die Regeln verletzt. China folgt damit dem Beispiel der EU und Kanadas.

Die USA zielen mit ihren bisherigen Strafzöllen vor allem auf technologische Produkte, weil sie China den Diebstahl geistigen Eigentums und erzwungenen Technologietransfer vorwerfen. Als Vergeltung erhebt China Sonderabgaben auf landwirtschaftliche US-Erzeugnisse wie Sojabohnen, Fisch, Schweinefleisch, Rindfleisch und Molkereiprodukte. Es zielt damit auf die Wählerschaft Trumps im ländlichen Raum.

Chinas Botschafter in der Europäischen Union, Zhang Ming, hatte erst vor Kurzem für eine Politik der Härte im Handelskonflikt mit den USA plädiert. "Wir müssen dem Verursacher des Handelskrieges entschlossen demonstrieren, dass sein Handeln falsch ist", sagte er und warnte vor dramatischen Folgen eines Handelskrieges für die Weltwirtschaft. "Niemand wird von diesem Handelskonflikt profitieren. Alle werden Verlierer sein, China, die EU und auch der Verursacher des Konflikts."

Trump reiste am Dienstag nach Brüssel, wo er an dem am Mittwoch beginnenden Nato-Gipfel teilnehmen will. Vor dem Spitzentreffen kritisierte er erneut die EU. "Die Europäische Union macht es unseren Landwirten und Arbeitern und Firmen unmöglich, in Europa Geschäfte zu machen", schrieb er auf Twitter. Er verwies auf das US-Handelsdefizit mit der EU, das nach seinen Angaben bei 151 Milliarden Dollar liegt. "Und dann wollen sie, dass wir sie fröhlich durch die Nato verteidigen und schön dafür bezahlen. Funktioniert einfach nicht!"

aar/Reuters/AFP/dpa



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lepuslateiner 11.07.2018
1. Voll-narziss
Dieser GRÖPRÄ aller Zeiten ist und wird konsequent bleiben : ein dummer Fünfjähriger, dem leider die unstreitige Machtposition des USA-Präsidenten in den Schoß gefallen ist, ob der maßgeblichen und nicht nur unbelehrbaren, sondern leider sehr schlecht gebildeten Mehrheit seiner Wähler. Für diese wird ihr Trump-Jubel absehbar im Halse bald (hoffentlich : sehr bald !) stecken bleiben - eines nahen Tages werden auch sie bemerken, dass nicht ihnen, sondern Trump - seiner Familie und seinen Fellows die Milliarden "zuwachsen", während ihnen allenfalls Brosamen bleiben. Im Übrigen wird der ökonomische Backslash dieser total bescheuerten Trump'schen Handelspolitik auch für die USA bis in die letzten verwinkelten Produktionszusammenhänge zum Chaos führen. Das im Detail zu überblicken und daher mit Vernunft zu handeln, ist angesichts der Trump'schen Ignoranz in wirtschaftlichen Zusammenhängen nicht zu erwarten; seine Familie und seine Fellows werden zu gegenteiligen Entscheidungen keine Anregungen und Einflüsse geltend machen - nur so und dann schöpft man weiter die ihnen nicht zustehenden finanziellen Mittel ab. Trump behält ungestört sein Kindergarten-Verhalten bei : schmeißt Du mich mit Sand, bringe ich meine Machtpositionen in Stellung und schmeiße nicht nur mit Sand, sondern mit allem zurück, was mir zur Verfügung steht. "Förmchen" und "Eimerchen" am Schädel der Kritiker sind wenig angenehm !
quark2@mailinator.com 11.07.2018
2.
Super! Und nachdem die Megakrise dann vorbei ist, gehört den Oberen 10.000 wieder die Hälfte mehr vom Rest der Welt als vorher. Da in der Zwischenzeit jede Menge Existenzen gegen den Baum gehen, die Bildung und sogar die Lebenserwartung normaler Menschen am Sinken sind ... egal. Leute wie Trump müßten nach ihrer Präsidentschaft mal für 10 Jahre leben, wie der Durchschnittsamerikaner. Das mittlere Einkommen der "unteren" 90% der US-Bürger ist im Moment so etwa auf dem Stand von 1980 ... aber wir streiten eine Weltwirtschaftskrise herbei ...
wolfgangwe 11.07.2018
3. Gemeinsam
sind wir stark, haben wir das noch immer nicht gelernt? Wenn der derzeitige US Praesident kommandieren will, soll er doch. Es muss ja deshalb die restliche Welt nicht folgen. Diejenigen die sich finanziell nicht vom US Markt loesen koennen, oder wollen, werden wohl fuer einige Zeit mit den Folgen der Sanktionsstrafen leben muessen, aber Herr Trump wird ja nicht fuer allzulange den Ton angeben (hoffentlich).
porstel40 11.07.2018
4. Trump weiss genau was er macht ...
... er bereitet Seine Wiederwahl vor. Und dabei spielt es keine Rolle, welche Konsequenzen es im internationalem Massstab hat. Sein Gebahren kommt bei vielen Menschen in den USA gut an. Ich lebe in Belize zusammen mit einer Menge Amerikanern. Deren Einstellung ist nun Mal Amerika First. Ich wundere mich nur, dass Ihr Euch wundert und nicht die Konsequenzen zieht. Europa sollte sich freischwimmen und aufhoeren zu reagieren. Europa ist stark und sollte sich dieser Position bewusst werden und beginnen zu agieren. Vergesst Trump und die USA fuer eine Weile und positieniert Euch. Trump ist nicht der Nabel der Welt, die Chinesen uebernehmen. Neuorientierung ist angesagt.
BoMo_UAE 11.07.2018
5. Schulden
Wenn China ihre USA-Staatsanleihen auf den Markt werfen, sind die USA pleite. Der Dollar waere nichts mehr wert. Wenn globale Geschaefte wie Microsoft, Apple, Amazon und Google auch korrekt besteuert wuerden, schrumpfte die USA-Wirtschaft auf das Niveau von Brasilien... Will Trump das wirklich?
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