Handwerk: Firmen fehlen im Aufschwung die Fachkräfte

Turbo-Aufschwung - aber zu wenig Personal: Jeder vierte Handwerksbetrieb will laut einer Umfrage Leute einstellen, doch die Fachkräfte fehlen. Einige Firmen bekamen auf Stellenanzeigen keine einzige Bewerbung.

dapd

Stuttgart - Elektrotechniker, Elektromaschinenbauer, Kälteanlagenbauer dringend gesucht! Für deutsche Handwerksbetriebe ist Fachkräftemangel kein Problem der Zukunft, sondern längst Realität. Viele Betriebe fänden derzeit kein Personal, berichtete die "Stuttgarter Zeitung" unter Berufung auf eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Von 14.000 befragten Betrieben wollen demnach rund ein Viertel in den kommenden Monaten Fachkräfte einstellen. Im Schnitt hätten die Firmen zwei offene Stellen im Angebot, hieß es. Laut der Studie ist der Fachkräftebedarf am Bau besonders gravierend. Hier will rund ein Drittel der Betriebe Fachkräfte einstellen. In einigen Zweigen des Handwerks übersteigen die offenen Stellen sogar die Zahl der Arbeitslosen, hieß es. Dies treffe auf Elektrotechniker, Elektromaschinenbauer und Kälteanlagenbauer zu. Knapp ein Drittel der Betriebe gab an, dass sich kein Bewerber auf ihr Stellenangebot gemeldet habe.

Der Personalbedarf ist laut der Studie größer als in früheren Aufschwungphasen, berichtete die Zeitung. An der Umfrage hätten vor allem mittlere und große Betriebe teilgenommen.

Handwerkspräsident Otto Kentzler sagte, für die Betriebe werde es immer schwerer, gut ausgebildetes Personal zu finden. Wenn es Probleme mit der Besetzung von Stellen gibt, werde vor allem die unzureichende Qualifikation der Bewerber beklagt. Nur ein Drittel aller Betriebe gab demnach an, kein Problem mit der Mitarbeitersuche zu haben. Vor fünf Jahren habe der Anteil der Handwerker ohne Personalprobleme noch doppelt so hoch gelegen.

Gefragt sind der Umfrage zufolge neben qualifizierten Gesellen auch kaufmännische Mitarbeiter, Meister und Hochschulabgänger. Engpässe gibt es auch bei Auszubildenden. Jeder zehnte Handwerksbetrieb meldete, dass er Ausbildungsplätze unbesetzt lassen müsse.

Handwerkspräsident setzt auf Demografiegipfel

Kentzler forderte, Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften müssten auf einem Demografiegipfel Ende Juni im brandenburgischen Meseberg den Fachkräftemangel zum zentralen Thema machen. "Wir sollten in Meseberg alle an einem Strang ziehen", sagte Kentzler. Die Anstrengungen müssten verstärkt werden, um alle interessierten Jugendlichen an eine berufliche Ausbildung heranzuführen. Dies sei zwar mühsam, die Erfolge im Ausbildungspakt zeigten jedoch, dass dies möglich sei.

Die Bundesregierung setzt sich im Kampf gegen den Fachkräftemangel bereits konkrete Ziele - und will Beschäftigte bis ins hohe Alter im Job halten. Nach SPIEGEL-Informationen plant die Regierung eine Art Quote. Bis Ende des Jahrzehnts sollen gut zwei Drittel der 55- bis 64-Jährigen erwerbstätig sein. Bis 2020 soll zugleich die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 20 Prozent gesenkt werden.

mmq/dpa/dapd/Reuters

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insgesamt 329 Beiträge
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1. ...........
DasReptil 15.06.2011
Zitat von sysopTurbo-Aufschwung - aber*zu wenig Personal: Jeder vierte Handwerksbetrieb will laut einer Umfrage Leute einstellen, doch die*Fachkräfte fehlen. Einige Firmen bekamen auf Stellenanzeigen keine einzige Bewerbung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768461,00.html
Komisch, ich dachte gerade im Handwerksbereich würde jetzt koplett auf Zeitarbeit umgestellt, sieht zumindest so aus wenn man sich mal die Stellenanzeigen ansieht. Normale Firmen inserieren da kaum noch.
2. Kommen jetzt die Propagandameldungen im Wochentakt?
README.TXT 15.06.2011
Das nimmt doch keiner mehr ernst. Und die Presse entblödet sich immer noch nicht jede Propagandameldung der Industrie ungeprüft zu veröffentlichen.
3. ...
KurtFolkert 15.06.2011
Natrürlich nicht. Entweder sind die Anforderungen Utopisch oder die Entlohnung ist faktisch nicht vorhanden. Wenn man sich unter den potentiellen "Fachkräften" mal umhört ist es für diese weit attraktiver Schwarz zu arbeiten und staatliche Hilfe zu kassieren, als sich abzuackern ohne Aussicht auf eine längerfristige Beschäftigung und einem Einkommen, von dem man schlicht nicht Leben kann.
4. ...
romän 15.06.2011
Das kommt davon, wenn man willige inländische Jugendliche in schwierigeren Zeiten nicht ausbilden kann (weil staatliche Förderung nicht greift) und wenn die guten Zeiten kommen, dass dann keiner bereit steht, um die Lücken zu füllen. Aber gut, dass der polnische Arbeitsmarkt seit kurzem dafür bereit steht..
5. Kein Wunder!
kezia_BT 15.06.2011
Zitat von sysopTurbo-Aufschwung - aber*zu wenig Personal: Jeder vierte Handwerksbetrieb will laut einer Umfrage Leute einstellen, doch die*Fachkräfte fehlen. Einige Firmen bekamen auf Stellenanzeigen keine einzige Bewerbung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768461,00.html
Kein Wunder - bei den Arbeitsbedingungen (Überstunden ohne Ende, ständiger Termindruck, der auch ordentliche Leute zum Pfuschen zwingt, Löhne ohne Überstunden lächerlich, Baustellen in der ganzen Republik, Teilzeit unerwünscht bis unmöglich, Umgangston rauh) schaut doch jeder, daß er möglichst ganz woanders unterkommt. Ich weiß, wovon ich spreche - wir haben einen ausgebildeten Elektriker in der Familie, und seinen (zum Glück ehemaligen) Chef könnte man getrost als modernen Sklaventreiber bezeichnen. Ändert die Arbeitsbedingungen, dann werdet Ihr Euch wundern, wieviel qualifizierte Leute Ihr bekommen könnt!
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Fachkräftemangel
Fehlende Ingenieure
Im Februar 2011 konnten 117.000 Jobs für Spezialisten der Fachgebiete Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer) nicht besetzt werden. Dabei vergrößerte sich die Lücke im Vergleich zum Vormonat um 21.000 Stellen. Das meldet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft. Viele Experten fürchten, dass der Mangel an Technikern zum Bremsklotz für den deutschen Aufschwung werden könnte.
Arbeitslose Ingenieure
Den vielen freien Stellen stehen trotzdem zahlreiche arbeitslose Ingenieure gegenüber: So berichtete der Verein Deutscher Ingenieure 2009 von 25.000 arbeitslosen Kollegen - bei damals 34.000 offenen Stellen. Einen Teil der Arbeitslosenzahl erklärt der VDI mit den üblichen starken Schwankungen: Wenn ein Ingenieur nur ein paar Monate arbeitslos ist, taucht er bereits in dieser Zahl auf. Ein gewisser Teil der arbeitslosen Techniker sei außerdem schwer vermittelbar.

Trotzdem gibt es Zweifel: Das Forschungsinstitut der Bundesanstalt für Arbeit erkennt zwar "Engpässe in einigen Ingenieurberufen", aber keinen "flächendekcenden Mangel". Fast alle Experten sind sich dagegen einig, dass die Unternehmen das Arbeitskräfteangebot noch besser nutzen könnten, indem sie etwa mehr ältere Ingenieure einstellen. Hier lässt sich teils bereits ein Sinneswandel beobachten.
Mangel - diesmal aber wirklich
Bisher sprach unter anderem gegen einen tatsächlichen Mangel an Ingenieuren, dass die Gehälter in den vergangenen Jahren nicht überdurchschnittlich gestiegen sind. Das würden sie aber, wären die Techniker wirklich so begehrt, wie oft behauptet wird. Derweil gibt es aber tatsächlich Anzeichen einer Trendwende. Alle betroffenen Verbände rechnen mit deutlichen Gehaltszuwächsen für die Techniker.
Hausgemachter Mangel
Die Ingenieursausbildung in Deutschland gilt nicht gerade als Einladung, einen technischen Beruf zu ergreifen. 2008 beendeten beispielsweise nur 52 Prozent aller Maschinenbaustudenten in Deutschland ihr Studium erfolgreich; 34 Proeznt brachen das Studium komplett ab, der Rest wechselte das Fach. Schuld daran ist ein praxisfremdes Grundstudium und Prüfungen, bei denen Durchfallerquoten von 80 Prozent und mehr als Qualitätsausweis angesehen werden.

Die deutschen Zuwanderungsregeln
Die Regelungen für die Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland sind zuletzt am 1. Januar 2009 reformiert worden. Vor allem für Akademiker wurde der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert. 2011 will die EU die Hürden mit der Einführung der "Blue Card" weiter senken. Für Nicht- und Geringqualifizierte gilt weiterhin ein Anwerbestopp.
Einkommensschwelle
Keine Probleme haben Forscher und leitende Angestellte, die so viel verdienen, dass sie die Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung erreichen. Sie liegt in diesem Jahr bei 66.000 Euro. Diese Hochqualifizierten erhalten sofort eine sogenannte Niederlassungserlaubnis, die ihnen die gleichen Rechte zugesteht wie deutschen Arbeitnehmern. Auch ihre Familienangehörigen dürfen arbeiten.
Vorrangsprinzip
Fachkräfte mit weniger lukrativen Stellen müssen sich weiterhin dem "Vorrangsprinzip" unterwerfen. Sie bekommen den Job nur, wenn die Bundesarbeitsagentur feststellt, dass es keinen deutschen Bewerber dafür gibt. Ihr Aufenthalt wird befristet. Erst nach drei bis fünf Jahren können sie mit einer Niederlassungserlaubnis rechnen.
Selbständige
Selbständige können ohne Probleme zuwandern, wenn sie mindestens 250.000 Euro investieren und fünf Arbeitsplätze schaffen. Wer dies nicht leisten kann, muss darauf setzen, dass seinem Projekt ein "übergeordnetes wirtschaftliches Interesse" attestiert wird.
Studenten
Ausländische Studenten dürfen 90 ganze oder 180 halbe Tage arbeiten. Nach ihrem Studium können sie ihre Aufenthaltserlaubnis um ein Jahr verlängern, um einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden.
Blue Card
Mit der europäischen "Blue Card" werden ab 2011 die Anforderungen nochmals gesenkt. Fachkräfte aus Drittstaaten müssen einen mindestens ein Jahr geltenden Arbeitsvertrag vorlegen. Darin sollte ein Bruttogehalt vorsehen sein, das 1,5 mal höher liegt als das Durchschnittseinkommen des Mitgliedstaates. In Deutschland wären das nach aktuellem Stand 42.000 Euro.