Zukunft der Arbeit Handwerk verlangt lockerere Arbeitszeitgesetze

In der Debatte um den Achtstundentag wächst der Druck auf die Bundesregierung. Handwerkspräsident Wollseifer fordert eine Abkehr von den bisherigen Arbeitszeitregeln für mehr Flexibilität.

Maler (Symbolbild)
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Der Vorsitzende der fünf sogenannten Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, war im November vorgeprescht: Ein Ende des starren Achtstunden-Arbeitstags müsse her, forderte er. Auch die Arbeitgeber wollen gesetzlich nur noch eine maximale Wochenarbeitszeit. In dieser Debatte hat sich nun auch das Handwerk zu Wort gemeldet.

Das Handwerk erwarte von der neuen Bundesregierung eine Lockerung der gesetzlichen Regeln, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, der "Rheinischen Post". Seine Branche hoffe, dass SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil bereit sei, "mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und im Arbeitsrecht zuzulassen".

"Die Digitalisierung wirkt sich natürlich auch auf die Arbeitszeiten aus: Ein zu enges Arbeitszeit-Korsett und zu starre und unflexible arbeitsrechtliche Vorschriften tun der Wirtschaft nicht gut", sagte Wollseifer.

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Heils Vorgängerin Andrea Nahles (SPD) hatte sich offen für eine Diskussion über eine Lockerung gezeigt. Union und SPD wollen laut Koalitionsvertrag "Experimentierräume" für tarifgebundene Unternehmen schaffen, um eine Öffnung für mehr selbstbestimmte Arbeitszeit der Arbeitnehmer und mehr betriebliche Flexibilität zu erproben.

In der Bevölkerung wollen einer SPIEGEL-ONLINE-Umfrage aus dem November zufolge aber viele das bisherige Modell beibehalten. Außerdem ist auch unter dem bestehenden System bereits viel Flexibilität möglich.

Die FDP hatte dennoch jüngst in einem Antrag im Bundestag neue Möglichkeiten gefordert, vom Achtstundentag abweichen zu können - indem eine "wöchentliche Höchstarbeitszeit von durchschnittlich 48 Stunden" festgelegt wird. In der jüngsten Tarifrunde der Metallbranche hatte aber auch die IG Metall an den bisherigen Regeln gerüttelt - allerdings für ein Recht auf vorübergehend geringere Arbeitszeiten von 28 Stunden gekämpft.

apr/dpa



insgesamt 23 Beiträge
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supermom 03.04.2018
1. Selbstbestimmt?
"Selbstbestimmt flexible Arbeitszeiten der Arbeitnehmer " selten so gelacht! Wir haben eine ähnliche Regelung bereits-mit dem Ergebnis, dass man nicht mal mehr gefragt wird, ob man länger bleiben kann. Die Geschäftsführung freut sich, die Kita droht mit dem Jugendamt, wenn man wiederholt zu spät das Kind abholt, Freizeit wird auch ad hoc gewährt-kann man nicht mal Termine zeitig planen....
Überfünfzig, 03.04.2018
2. Verstehe jetzt nicht ganz......
....was das Handwerk jetzt erreichen will? Durch die Hintertür wieder die 48h Stundenwoche? 10h am Tag sind im gesetzlichen Rahmen, das macht 50 Stunden die Wochen, wenn das der AN mitmacht, aber wahrscheinlich will man die teuren Überstunden- und sonstigen Zuschläge umgehen können, damit es sich besser rechnet. Nö liebe AG, nicht mit mir! 40h und jede Minute länger entweder Zuschlag, Freizeitausgleich oder schleicht euch. Ich bin nicht eure beliebig ausbeutbare Maschine zur eurer Geldvermehrung. Darüberhinaus sollte gerade das Handwerk attraktive Konditionen für ihre Beschäftigten im Auge haben, sonst stehen sie morgen ohne ihre Fachleute mit runtergelassenen Hosen dar.
novasun 03.04.2018
3. Klar,
das macht das Handwerk noch attraktiver wenn man für den Lohn anstatt 40 nun 48 stunden arbeiten soll (wie die FDP ja anscheinend fordert). Das Handwerk müsste nachdenken wie sie "Halbtags" ermöglicht. Sowohl rein von der Orga her, als auch von der Bezahlung. Ansonsten wird es weiter Probleme haben Nachwuchskräfte zu bekommen.
observerlbg 03.04.2018
4. Längst Realität!
Flexible Arbeitszeiten sind in kleinen Handwerksbetrieben schon lange der Alltag. Andernfalls wäre man nicht mehr konkurenzfähig. Andererseits wird mit dem engen Arbeitszeitkorsett zumindest ein Vorteil für Arbeitnehmer behalten. Im Gegensatz zum modernen stationären Handel (aktuell oft bis 23 Uhr geöffnet) fällt der Hammer bei Handwerkern oft noch um 18 Uhr. Das ermöglicht einem ein geregeltes Familienleben. Wenn das auch wegfällt, was bleibt dann noch als Anreiz? Der hohe Lohn? Darf ich laut lachen? Handwerksbetriebe werden heute geschlossen trotz guter Nachfrage, weil sich keine geeigneten Bewerber mehr finden, höhere Löhne aber nicht umsetzbar sind. Flexible Arbeitszeiten waren für mich, als ich noch als Hnadwerker aktiv war, das kleinste Problem.
GoaSkin 03.04.2018
5. die Handwerksbranche soll sich erst einmal selbst locker machen
Handwerksbetriebe haben nicht nur mit der Bürokratie des Staates zu kämpfen, sondern auch mit der Bürokratie, die von den Handwerksinnungen ausgeht. Personal besser bezahlen, um welches zu finden und um es auch bezahlen zu können höhere Preise verlangen - der Markt würde das hergeben aber faktisch gibt es an vielen Stellen indirekte Vorgaben, was da was zu kosten hat.
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