Schlechte Betreuung Hartz-IV-Bezieher sind immer länger arbeitslos

Die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordtief - doch wer jetzt noch keinen Job hat, ist kaum vermittelbar. Laut einem Bericht finden Hartz-IV-Empfänger inzwischen im Schnitt fast 21 Monate keine Stelle.

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Hartz-IV-Empfänger in Deutschland sind nach einem Zeitungsbericht immer länger arbeitslos. In der Gruppe der Arbeitsfähigen, die im vergangenen Jahr auf entsprechende staatliche Leistungen angewiesen waren, habe die Dauer der Arbeitslosigkeit im Schnitt bei 629 Tagen gelegen, meldet die "Passauer Neue Presse".

Dies seien 74 Tage oder 13,3 Prozent mehr als im Jahr 2011. Die Zeitung zitiert aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage von Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann.

"Die Perspektivlosigkeit für Hartz-IV-Beziehende hat in den letzten Jahren zugenommen", sagte Zimmermann demnach. Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden. Die Bundesregierung überlasse damit Millionen Menschen ihrem Schicksal.

Die Zahl der Arbeitslosen war im Juni auf den tiefsten Stand seit Mitte 1991 gesunken. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren nur noch 2,473 Millionen Arbeitslose registriert. Diese aber sind für die Agentur immer schwerer vermittelbar, weil ihnen wichtige Qualifizierungen fehlen.

Die Bundesagentur tut sich mit der Betreuung solcher Menschen schwer. Ein Mitarbeiter eines Jobcenters betreut im Schnitt rund 130 Langzeitarbeitslose, die älter als 25 Jahre sind. Erfahrungen aus ausgewählten Jobcentern zeigen laut "Tagesspiegel", dass Langzeitarbeitslose häufiger durch eine bessere Betreuung wieder den Weg in den Arbeitsmarkt finden - und nicht durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen.

ssu/dpa-AFX

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Plasmabruzzler 11.07.2017
1. Motivation
Wurde denn bei solch einer Auswertung auch berücksichtigt, dass es Menschen gibt, die gar nicht arbeiten wollen? Wie viel macht das prozentual bei den Arbeitslosen aus?
Kurbelradio 11.07.2017
2.
ich war selbst mal 23 Monate arbeitslos. Hätte ich aufs Amt gehört, wäre ich es wohl heute noch, bzw. in irgendeiner prekären, zeitbefristeten Beschäftigung. Denn dahinein versucht man auf dem Arbeitsamt die Leute zu drängen, was eben zur Perspektivslosigkeit führt, auch wenn man ab und zu mal 1 Jahr beschäftigt ist. Ich habe kein Studium absolviert, allerdings 2 Berufsabschlüsse. Vermitteln wollte man mich allerdings dorthin, wohin ich nicht gehörte, von meiner Ausbildung, Berufserfahrung und Können. Dahin wo ich hingehörte, gab es kaum Stellen, da ich einfach auch nicht mehr der Jüngste war (Ende 40 zu der Zeit). IRgendwann dachte ich: ok...man will mich nicht dort, dann mache ich was, wo man mich will. Arbeite nun seit über 6 Jahren in einem Pflegeheim, mit Festvertrag bei einem kirchlichen Träger mit guten Konditionen. Reich wird man dort nicht, aber ich bin glücklich. O-Ton A-Amt damals: "das geht nicht. Da werden sie die Flucht ergreifen. Dort ist es eklig." Hätte ich auf das Amt gehört, wäre ich einer der vielen Langzeitarbeitslosen.
Paspill 11.07.2017
3. Kein Deutscher hat das Recht auf Faulheit.
Kein Wort über die Bezahlung der Beschäftigten usw. Und selbst wenn die H4-Empfänger alle Qualifikationen hätten, gäbe es nicht genügend Jobs. Das wird in Zukunft noch schwerer, selbst für Qualifizierte, da auch im Verwaltungsbereich der Firmen immer weniger Personal gebraucht wird, siehe Stellenabbau bei Allianz usw. Von der drohenden massenhaften Altersarmut in 20 Jahren ganz zu schweigen... Und wenn Millionen begreifen sollten, dass nicht sie dafür verantwortlich sind und auch nicht einfach "das Maul halten" wollen, dann wird einem Hamburg vergangenes Wochenende wie ein Pfadfindertreffen erscheinen.
kleinsteminderheit 11.07.2017
4. Betreuung?
Die eigentliche Betreuung und Wiedereingliederung findet meist nicht in den Jobcentern statt, sondern im Rahmen von Bildungsmaßnahmen. Wenn es gut läuft, findet dort eine engagierte, individuelle Betreuung, Förderung und Vermittlung statt. Bisweilen ist es aber nur eine Beschäftigungstherapie und Parkposition. Die langen Vermittlungszeiten sind auch dadurch zu erklären, dass fast alle gut vermittelbaren Kunden mittlerweile in Arbeit sind. Was bleibt sind jene mit multiplen oder sehr gravierenden Problemen, welche eine sehr langfristige und teure Förderung bräuchten, sich dem Arbeitsmarkt konsequent verweigern oder aufgrund ihrer Einschränkungen überhaupt nicht vermittelbar sind.
fatherted98 11.07.2017
5. Jetzt...
...werden sicher so ein paar Schlauberger meinen, die H4er bemühen sich nicht, sind faul und suchen aktiv keine Stelle...wie kann das denn sein das man arbeitslos ist bei "Vollbeschäftigung".....nur das diese Vollbeschäftigung eine einzige Lüge ist, das Fachkräftemangel vor allem an miesen Löhnen und Bedingungen hängt und an Fehlplanungen der gesamten Wirtschaft die dachte sie könne aus dem Vollen schöpfen ohne zu planen...das bedenkt keiner. Wer einmal bei der AA in der Reihe gestanden hat, sich hat von den dortigen "Bearbeitern" wie der letzte Dreck hat abfertigen lassen müssen...nach über 30 oder 40 Jahren Arbeit bekommt man von irgendwelchen Leuten die sich nicht selbst die Schuhe zubinden können, gesagt man wäre wohl in dem Alter und mit der Qualifikation (übrigens ab 55 mit jeder Qualifikation) schwer vermittelbar und soll doch erst mal ein Bewerbungstraining machen....das 3. in Folge...ach ja und noch einen Staplerschein....den 2. in Folge....und wehe man legt nicht genug Bewerbungen vor oder wirft Post an die AA nur ein ohne Einschreiben Rückschein (nie bekommen)...dann gibts sofort Streichungen....und ältere Menschen scheuen leider den Gang zum Gericht um das wieder einzuklagen...darauf spekulieren übrigens die AAs. Deshalb und wegen der Unfähigkeit ihrer Mitarbeiter sind die meisten Bescheide fehlerhaft...natürlich immer zu Ungunsten des Arbeitslosen.
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