Anreiz für Weiterbildungen Union diskutiert Prämien für Hartz-IV-Empfänger

Motivieren statt nur zu sanktionieren: Laut einem Positionspapier aus der Union könnten Hartz-IV-Bezieher mit Prämien für das Erreichen von Bildungsabschlüssen und anderen Zielen belohnt werden. Außerdem sollen Ein-Euro-Jobs abgeschafft werden.

Arbeitssuchende in Frankfurt: Belohnung für eine Weiterbildung?
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Arbeitssuchende in Frankfurt: Belohnung für eine Weiterbildung?


Berlin - In der Union gibt es Überlegungen, Hartz-IV-Empfänger mit Prämien zum Erreichen von Zielen wie etwa einem Bildungsabschluss zu motivieren. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das SPIEGEL ONLINE vorliegt und über das zunächst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") berichtete.

Bislang verhängen die Behörden vor allem Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger, die etwa Termine nicht einhalten oder eine Arbeit nicht fortführen. In dem Papier heißt es nun, man schlage "einen verstärkten Einsatz von Anreizmechanismen" vor. Diese könnten unter anderem Bildungsmodulabschlüsse oder erfolgreich absolvierte Coaching-Einheiten umfassen und sollten individuell vereinbart werden. Die Prämien könnten "sowohl finanzieller als auch materieller Natur" sein.

In dem Papier wird auch die Abschaffung von Ein-Euro-Jobs für Langzeitarbeitslose gefordert. "Dort, wo Arbeitslosen nur der Schein von Beschäftigung geboten wird, lösen wir keine Probleme, sondern schaffen welche", heißt es zur Begründung. Als Alternative schlagen die Autoren die Beschäftigung in sogenannten Integrationsbetrieben vor, die wirtschaftliche Ziele verfolgen und bis zur Hälfte ihrer Mitarbeiter aus Langzeitarbeitslosen rekrutieren. Integrationsbetriebe existieren bereits zur Eingliederung von Behinderten in den Arbeitsmarkt.

Bislang handelt es sich bei den Forderungen nur um einen Entwurf, der derzeit zwischen Vertretern des Sozial- und Wirtschaftsflügels der Unionsfraktion abgestimmt wird. Hintergrund der Vorschläge ist eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag, wonach die Förderung für Langzeitarbeitslose reformiert werden soll.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte kürzlich bereits eine Entschärfung bestimmter Sanktionen für Hartz-IV-Empfänger gefordert. Sie war damit jedoch in der Union auf erheblichen Widerstand gestoßen. Auch in dem Positionspapier der Union werden Anreize lediglich als Ergänzung zu Sanktionen bezeichnet.

dab/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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blurps11 31.10.2014
1.
Hört sich erstmal vernünftig an. Es fällt mir allerdings etwas schwer zu glauben, dass ausgerechnet die Union plötzlich ein Herz für Hartzer entdeckt haben soll. Zumal das auch wahltaktisch wenig klug wäre, mit der AfD liebäugelnde Anhänger wird man so sicherlich nicht zurückgewinnen. Irgendwo in diesem Paket dürfte deswegen ein dicker Haken verborgen sein...
lupo44 31.10.2014
2. Leute was soll das alles Kosten....
es gibt bekanntlich den Hartz4 Empfänger und den anderen Hartz4 Empfänger. Nur Menschen die sich mit dieser Art und weise der Denkweise noch nie beschäftigt haben können auf so eine Idee kommen. In meiner famiären Umfeldfamilie gibt es einen Abgänger der 6 Klasse der inzwischen 48 Jahre alt geworden ist und noch nie einer versicheriungspflichtigen Tätigkeit nach gegangen ist. Da ist Hopfen und Malz verloren.Selbst habe ich schon 3 Jobs besorgt ohne lange Erfolg.Der kann,und will nie wieder arbeiten. Um den anderen Hartz4 Empfänger heut 57 Jahre alt unverschuldet in Hartz4 gekommen.Um diesen Menschen sollte man diese Möglichkeit prüfen. Die Politik hat es von Anfang an verbockt und wird bei Anwendung dieser Idee nur weiteres Geld ausgeben ohne Erfolg.
lastwebpage 31.10.2014
3. Falsche Wege
Folgende Probleme werden so offensichtlich ja nicht behoben: 1) Ein-Euro-Jobs. Der Arbeitslose bekommt 100€, der jeweilige Träger die Summe X vom Arbeitsam und verdient eventuell noch die Summe Y durch diese Arbeit. Der Ein-Euro-Job endet nach 2 Jahren und der Arbeitslose hat wieder nichts. Jetzt soll der Arbeitslose also irgendwelche Fortbildungen machen, wo der Anbieter die Summe X bekommt und nach der Fortbildung steht der Arbeitslose wieder auf der Straße. Der Unterschied ist jetzt welcher genau? Irgendwelche Organisationen bekommen jede menge Geld und der Arbeitslose keine Arbeit. 2) Es wird der Eindruck erweckt, Langzeitarbeitslose wären dumm und ungebildet. Dieses mag es zwar auch geben, z.B. keine abgeschlossene Ausbildung, aber ob das auf alle zutrifft, da möchte ich mal ein Fragezeichen hinter setzen. 3) Es wird des weiteren der Eindruck erweckt als bräuchten die Arbeitslosen Geld. Sicher, ein paar Euro mehr zu Hartz 4 sind sehr gut, der für viele aber durchaus wichtigere Punkt, etwas machen, gebraucht werden, sich einbringen, geregelte Zeiten usw. geht da vollkommen unter. Nein, das mag sich für das Arbeitsamt nett anhören, die Organisationen, die vorher 1 Euro Jobs anboten, bekommen auch weiterhin ihr Geld, bloß am Arbeitslosen gehen diese Vorschläge vorbei und der hat nach wie vor keine halbwegs sinnvolle Beschäftigung.
static2206 31.10.2014
4. Guter Ansatz ABER
es sollte zuerst mal an sinnvollen Maßnahmen gearbeitet werden. Ich hatte auch schon Tiefpunkte und musste sowas machen. In der einen "Bildungsmaßnahme" saß ich 8h täglich nur rum und ca 60 Arbeitslose sollten an 8 uralten Rechnern nach Stellen suchen und Bewerbungen schreiben. Das war ein privates Unternehmen und die Arge hat viel Geld dafür geblecht um seine Arbeitslosen dorthin abzuschieben. Oder auch ein bliebter Trick es werden von "Unternehmen" Stellenanzeigen publiziert, die man dann vorgeschlagen bekommt. Bewirbt man sich darauf (egal wie grottenschlecht die Bewerbung ist) wird man eingeladen zu einem Test und egal wie schlecht man diesen abschließt, haben sie weiterhin Intersse an einem. Dann kommt raus die Stelle existiert nicht, aber man könnte eine andere Besetzen, wenn diese und diese Fortbildungsmaßnahme (welche zufälligerweise von diesem Unternehmen oder einem ähnlichen Unternehmen mit teilweise selber Postanschrift) mitmacht. Man soll sich einen Vermittlungsgutschein oder wie die Dinger heißen beim Arbeitsamt holen. Es liese sich sehr viel Geld sparen, wenn die Arge auch ihre Arbeit mal ernst nehmen würde und nicht nur versucht Statistiken zu manipulieren. Zusätzlich bin ich noch für eine Verschärfung der Sanktionen. Sich mit Eigeninitiative Bewerben, pünktlich zu Terminen zu erscheinen oder diese wenigstens frühzeitig ab zu sagen und auch mit vollständigen Unterlagen zu erscheinen, sollte wirklich selbstverständlich sein. Das ist wirklich nichts was einen Arbeitslosen in seinem Tagesablauf stören könnte. Weil es ist echt schon traurig, wenn man selbst mal in der Situation ist und der Mitarbeiter der Arge schon fast Freudentränen in den Augen hat, weil man pünktlich mit vollständigen Unterlagen dort ist
jozu2 31.10.2014
5. Vollkommen falscher Ansatz 2.0
Wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus zu einem Abschluss motivieren kann, tut das auch ohne materielle Anreize. Wichtig ist, das die Leute die Aussicht haben, ihre Lage zu verbessern. Wer dazu nicht in der Lage ist, den wird man auch mit Belohnungen nicht zum Durchhalten motivieren. Das ist genau die gleiche falsche Motivationspsychologie wie bei Eltern, die Ihren Kindern Geld für gute Noten verspreche - alles Strohfeuer. Das sieht man ja auch bei Arbeitnehmern - jeder bekommt Geld, aber ein nicht unbedeutender Anteil hat keine Lust, lässt sich krankschreiben, sitzt seine Zeit ab. Und z.B. bringt auch eine Gehaltserhöhung immer nur einen kurzfristigen Motivationsschub. Arbeitslose brauchen keine materiellen Anreize, sondern das Gefühl, gebraucht zu werden. Am besten gelingt das, indem sie eine Arbeit bekommen, wo man am Tagesende !ehrlich! sagen kann "gut, dass Du das gemacht hast". Und wenn jemand nur die Straße fegt, ist es motivierend, wenn es hinterher sauberer ist und sich jemand ehrlich darüber freut. Dann kommen die Leute auch gerne wieder, können stolz auf sich sein und müssen sich von niemanden sagen lassen, sie würden auf Kosten der Allgemeinheit den Tag verplempern. Arbeitslosengeld sollte nur eine kurz- bis mittelfristige Überbrückung bei einem unverschuldeten Job-Wechsel sein. Alle anderen sollten von den Gemeinden Arbeit angeboten bekommen. Selbst wenn die Arbeit nicht so richtig effektiv ist, würde uns das günstiger kommen, als die vollautomatische Kehrmaschine und 20 Arbeitslose zu Hause.
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