Umfrage Große Mehrheit will Hartz IV grundlegend ändern

Sechs von zehn Menschen in Deutschland wollen das Ende von Hartz IV. Doch eine Umfrage für den SPIEGEL zeigt auch: Nicht in allen politischen Lagern findet die Forderung nach grundsätzlichen Änderungen eine Mehrheit.

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imago/Ralph Peters

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"Schluss mit Hartz IV", fordert Berlins SPD-Regierungschef Michael Müller. "Wir brauchen eine Alternative zu Hartz IV", stimmt SPD-Vizeparteichef Ralf Stegner zu. Auch Grünen-Chef Robert Habeck sagt: "Die Zeit ist über Hartz IV hinweggegangen." Und die Linke ist ohnehin seit jeher für eine Abschaffung des gemeinhin als Hartz IV bezeichneten Arbeitslosengelds II.

Binnen weniger Wochen ist die Debatte um die Zukunft des Grundsicherungssystems ganz nach oben auf die politische Tagesordnung gerückt. Die erklärten Hartz-IV-Gegner können dabei für sich in Anspruch nehmen, für eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland zu sprechen.

Denn eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL macht deutlich: Sechs von zehn Befragten wollen grundsätzliche Änderungen am bestehenden Hartz-IV-System, nur 31,4 Prozent wollen es beibehalten.

Auffällig ist vor allem der Unterschied beim Grad der Überzeugung zwischen Gegnern und Befürwortern von Hartz IV: Während sich bei den Gegnern rund zwei Drittel "eindeutig" und nur ein Drittel "eher" für Änderungen aussprechen, ist das Lager der Befürworter weit weniger entschieden. Hier ist der Anteil derjenigen, die sich "eher" für eine Beibehaltung aussprechen genau so groß wie der jener, die das "eindeutig" tun.

Allerdings wird Hartz IV nicht von den Anhängern aller Parteien mehrheitlich abgelehnt. Es zeigt sich eine deutliche Lagerbildung: Die Wähler von CDU, CSU und FDP wollen jeweils mit einer knappen Mehrheit am Arbeitslosengeld II festhalten, allerdings sind auch hier jeweils knapp 40 Prozent für grundsätzliche Änderungen. Die Anhänger aller anderen Parteien sind mehr oder weniger deutlich für ein Ende von Hartz IV.

Am größten ist die Ablehnung mit 90,3 Prozent bei den Wählern der Linken, hier ist auch der Anteil der entschiedenen Gegner mit 72,3 Prozent besonders groß. Doch auch drei von vier SPD-Wählern wollen Hartz IV abschaffen, bei den Grünen sind es rund zwei Drittel. Die Meinung der AfD-Wähler entspricht fast genau dem Durchschnitt aller Befragten.

Ansonsten zeigt die Umfrage: Ob Jung oder Alt, Männer oder Frauen, Abitur oder Hauptschulabschluss - stets ist eine Mehrheit der Befragten für deutliche Änderungen bei Hartz IV.

So lehnt sogar eine Mehrheit der Rentner das Arbeitslosengeld II ab, obwohl sie persönlich davon gar nicht mehr betroffen sein können. Auch bei den Selbstständigen sind rund sechs von zehn Befragten für die Abschaffung. Am größten ist der Wunsch nach grundsätzlichen Änderungen bei Arbeitslosen, also den zumindest potenziell Betroffenen, sowie bei Studenten.

Zudem scheint die Unzufriedenheit mit dem Hartz-IV-System umso größer, je mehr Menschen in der näheren Umgebung davon betroffen sind. Darauf deuten zumindest die Unterschiede hin, die sich unter den Befragten hinsichtlich der Kaufkraft ihres Wohnorts ergeben. Je niedriger diese ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass es viele Hartz-IV-Bezieher gibt.

In Regionen mit sehr niedriger Kaufkraft ist die Ablehnung mit mehr als 70 Prozent deutlich höher als in Regionen mit sehr hoher Kaufkraft. Doch auch dort sind die Gegner des Hartz-IV-Systems mit fast 54,7 Prozent immer noch deutlich in der Mehrheit.

Anmerkungen zur Methodik: Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 5097 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten vom 29. März bis 3. April. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent für die Gesamtmenge der Befragten; andere Werte sind jeweils angegeben.

fdi

insgesamt 156 Beiträge
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Seite 1
bobo7 03.04.2018
1. Schwammig
Diese Studie ist wenig aussagekräftig, mMn. Natürlich ist Harz4 nicht DIE Lösung. Aber einfach nur zu fragen, ob es - egal wie - verändert werden soll, macht für mich keinen Sinn.
Maya2003 03.04.2018
2.
Nichts wird geändert werden - denn H4 nutzt der deutschen Industrie, ist ein "voller Erfolg". Billigjobs, Zeitarbeit und ähnliche Sklaventätigkeiten waren vom ersten Tag an Ziel dieser "Reform" - NICHT das Wohl der Bürger. Uns solange die SPD sich weiter als verlängerter Arm der Wirtschaft versteht, von der Union ganz zu schweigen, werden die Millionen Mitbürger die von H4 leben müssen weiter die proletarische Reservearmee unserer Eliten sein. Es ist immer gut wenn "nach unten" Druck ausgeübt werden kann - dann muckt niemand auf, sonst...…. Die SPD steht bei 18% - und der Bundesfinanzminister predigt ein "weiter so". Die Groko 3 macht genau das was zu erwarten war. Und die Seeheimer "Genossen" freuts. Hauptsache die "Neubürger" werden "integriert". DA fließen die Milliarden, problemlos. H4 Erhöhung 2018 - SIEBEN Euro. Mehr ist nicht zu finanzieren.
kritischer-spiegelleser 03.04.2018
3. Hartz4 ändern?
Dieses Ändern geht aber von "Mehr verteilen" bis zu "abschaffen".Die SPD weiß scheinbar nicht was sie will. Da spielt jeder im Vorstand einen anderen Ball. Soll die SPD dieses Thema doch in ihr nächstes Wahlprogramm nehmen. Dann sieht sie was der Bürger davon hält!
Stillerbeobachter 03.04.2018
4. Aussagewert der Umfrage geht gegen Null
"80% der Befragten möchten das Wetter in Deutschland verändern". Wenn und solange nicht gefragt wird, WIE das System geändert werden soll, kann man sich derartige Umfragen (und auch deren Veröffentlichung) getrost sparen. Wie bereits die ersten Kommentare zeigen, möchte der Eine eine Verschärfung, der Andere eine Erhöhung der Sätze. Ein Dritter versucht auf ein Mal Flüchtlinge und Hartz IV gegeneinander auszuspielen. Alle aber möchten das System ändern. Da kann man auch fragen: Möchten Sie reich, schön, gesund und glücklich sein? - Mein Kommentar : Thema verfehlt.
chlorid 03.04.2018
5. Schwieriges Thema
Nun ja. Hartz IV ändern. Aber wie? Ich nehme an, dass viele sich davon eine Verbesserung versprechen, sprich mehr Geld. Das müsste ja dann irgendwo herkommen. Die Linken werden das durch höhere Steuern für Reiche/Besserverdiener reinholen wollen, die AfD wird möglicherweise dafür plädieren, das Geld Deutschen zu geben statt Ausländern, die SPD hat angeregt, höhere Sätze gegen gemeinnützige Arbeit zu gewähren. Für mich ist da noch kein großer Wurf dabei. Dabei würde ich jedem durchaus mehr Geld gönnen. Mir fehlt immer noch Antworten auf einige Fragen. Wo soll das Geld herkommen? Und: Wie grenzen wir das vom Arbeitsmarkt ab? Heute ist es ja schon so, dass kinderreiche Familien u.U. mit Hartz IV besser fahren als mit einem schlecht bis mittelmäßig bezahlten Job. Wie will man das lösen? Es gibt ohne Frage viele Menschen, die nicht gerne von Harz IV leben und lieber eine feste Arbeit hätten. Um die tut es mir besonders leid! Ich fühle auch mit denjenigen, die in Not geraten sind z.B. durch Krankheit oder Mütter, die alleinerziehend sind. Ihnen steht eine angemessene Unterstützung zu! Aber es gibt ohne Frage auch diejenigen, die sich auf Hartz IV ausruhen. Deutsche ebenso wie Ausländer. Das ist natürlich nicht so gut und hier würde eine pauschale Erhöhung falsch sein. Man kann aber die Fälle nicht zuverlässig voneinander unterscheiden. Dadurch würde auch der Verwaltungsaufwand Überhand nehmen. Schwierig.
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