Weihnachten mit Geldsorgen Mehr als 1,6 Millionen Kinder leben von Hartz IV

Teure Geschenke zu Weihnachten oder gar ein Skiurlaub sind für Hunderttausende Kinder in Deutschland nicht machbar. Denn laut Statistik lebt fast jedes sechste Kind in einer Familie, die auf Hartz IV angewiesen ist.

Mädchen beim Wunschzettel schreiben: Viele Kinder von Armut bedroht
DPA

Mädchen beim Wunschzettel schreiben: Viele Kinder von Armut bedroht


Berlin - Viele Eltern haben vor Weihnachten ein Luxusproblem: Was schenke ich meinem Kind, obwohl es schon genügend Spielsachen hat? In vielen Familien gibt es aber eine ganz andere Sorge: Welches Geschenk können wir uns überhaupt leisten? Denn jedes sechste Kind in Deutschland ist von Hartz-IV-Leistungen abhängig, wie eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt.

"Besonders zu Weihnachten spüren viele Kinder, dass sie in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen müssen", sagte die Arbeitsmarkt-Expertin der Linke-Fraktion, Sabine Zimmermann. "Für Hartz-IV-Beziehende ist es ungleich schwerer, ihren Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren."

Nach den jüngsten offiziellen Zahlen waren im Juli mehr als 1,64 Millionen Unter-15-Jährige auf Hartz IV angewiesen oder lebten in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft. Das waren 15,5 Prozent. Binnen eines Jahres war die Zahl um gut 7000 gestiegen. Bis zum Jahr 2012 ging die Zahl der von Hartz IV betroffenen Kinder unter 15 Jahren von zuvor teils deutlich höheren Werten bis auf 1,62 Millionen zurück. Seitdem gab es wieder einen leichten Anstieg.

War in Berlin zuletzt jedes dritte Kind betroffen, waren es in Bayern nur 7,2 Prozent. In Ostdeutschland lag die Quote mit 23,5 Prozent wesentlich höher als im Westen (13,7 Prozent).

Linken-Politikerin Zimmermann forderte soziale Leistungen, die Armut verhindern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen: "Die Regelsätze für Kinder müssen erhöht werden." Perspektivisch brauche es eine Kindergrundsicherung als eigenständige Leistung.

Verbraucherschützer prangern Energiearmut in Deutschland an

Geldknappheit macht sich kurz vor Weihnachten bei Hunderttausenden Menschen in Deutschland auch bei der Stromversorgung bemerkbar. Weil Rechnungen nicht bezahlt wurden, müssen viele Haushalte in diesen Tagen ohne Strom auskommen.

Allein im vergangenen Jahr wurde laut Bundesnetzagentur knapp 345.000 Kunden der Strom vorübergehend abgestellt. Die Verbraucherzentrale (VZ) geht von einer deutlich höheren Zahl aus und spricht von Energiearmut. Betroffen seien meist Geringverdiener, Senioren mit schmaler Rente, Bezieher von Hartz IV und Sozialhilfe oder Studenten, sagte Sylvia Groh von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Oft führt mangelnde Finanz- und Planungskompetenz zu Energiearmut", sagte sie. "Wenn man über ein nur sehr geringes Einkommen verfügt, hat die Stromrechnung ohnehin schon ein überproportionales Gewicht. Eine Erhöhung wird dann zur einer großen zusätzlichen Belastung."

Verbraucherzentralen bieten Betroffenen Beratung an. In 85 Prozent der Fälle finde man eine Regelung mit dem Versorger, die Sperre werde schnell aufgehoben, sagte Groh. Es gehe nicht darum, notorische Nichtzahler zu schützen oder einen sorglosen Umgang mit Energie zu fördern. Eine Sperre stelle aber eine "existenzielle Bedrohung" dar. Versorger sollten möglichst mildere Mittel wie Ratenzahlungen prüfen.

Laut Gesetz kann die Strom- oder Gaslieferung gestoppt werden, wenn ein Verbraucher mit hundert Euro im Rückstand ist und auch nicht in Aussicht stellt, seiner Zahlungspflicht nachzukommen. Die Sperre muss vier Wochen vorher angekündigt sein. Ein Sprecher des Verbands der Energie- und Wasserwirtschaft sagte, in vielen Regionen kooperierten die Versorger mit Wohlfahrtsverbänden und Sozialleistungsträgern, um Liefersperren zu verhindern.

mmq/dpa



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insgesamt 199 Beiträge
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janzen1 22.12.2014
1. Ein möglicher Grund: Trennung der Eltern
Mich würde mal interessieren, wie oft die Trennung der Eltern ein Grund für die Inanspruchnahme von Hartz IV ist. Ehrlich gesagt, mein Mitleid hält sich in Grenzen, wenn Mami und Papi sich trennen, weil sie sich "auseinander gelebt haben". Er: Vollzeitjob, neue Freundin, zahlt höchstens Regelunterhaltssatz für Kinder. Sie: Teilzeitstelle, erzieht die minderjährigen Kinder, deshalb Hartz IV. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Kerle hier nicht hart genug rangenommen werden, dann hätten wir auch nicht so viel Hartz IV-Probleme bei Kindern. Da muss sich was ändern, dann wird auch Weihnachten schön.
faufele 22.12.2014
2. ein schönes Weihnachten ist unabhängig von Geschenken
nur um das vorab klar zu stellen, ich finde es schlimm, dass mittlerweile so viele Kinder in Armut leben und habe gerade gedacht ich muss mal googlen, ob es da nicht einen Verein gibt, an den man Geschenke für die Kinder spenden kann... Aber der Satz "Für Hartz-IV-Beziehende ist es ungleich schwerer, ihren Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren." hat mich geärgert und zeigt, dass Weihnachten in unserer Gesellschaft zu einem Geschenkefest verkommen ist. Weihnachten sollte das fest der Liebe und Familie sein und um es schön zu machen brauche ich keine teuren Geschenke für meine Kinder....
Spiegelleserin57 22.12.2014
3. wen wundert es!
das ist die Realität die so gerne von den Politiker schön geredet wird. In unsrem Land ist es kalt geworden und die Schere klafft immer weiter auseinander. Es ist die Politik des Arbeitsmarktes die dies verursacht, auch gepaart mit den überzogenen Erwartungen unserer Gesellschaft die sich mit wenig nicht zufrieden gibt. Es muß immer Wachstum vorhanden sein, deutlich auch erkennbar an der ständigen Gier der Anleger nach noch mehr Geld und dem Zittern wenn sich eine Aktien mal nach unten bewegt. Den Sinn des Lebens haben damit viele nicht erkannt ganz zu schweigen von der Erkenntnis was sie mit der Gier nach immer mehr in Gang setzen, letztendlich eine Verarmung der unteren Gesellschaftsklassen die sich für diese Gewinne krank arbeiten müssen oder auch arbeitslos werden. Darüber sollte mal besonders an Weihnachten nachgedacht werden, dem Fest des Geschenkewahns anstatt des eigentlichen Sinns von Weihnachten. Weniger ist manchmal mehr!
derwahredemokrat 22.12.2014
4. Willkommen in Merkelland
Es sieht nicht nur in Deutschland so schlimm aus, in den anderen EU Ländern ist es noch schlimmer. Merkel herrscht über Europa, sie bringt Armut und soziale Kälte in der EU und den Tod im Osten.
GinaBe 22.12.2014
5. Armut?
Wurde die neue Armut nicht absichtlich eingeführt, um Deutschland zu retten? Das moderne Kastensystem macht es den Bürgern einfach, Leute nach dem Äußeren zu beurteilen. Discounter produzieren auch für diese Gruppe und niemand fragt, ob die Produkte qualitativ vielleicht minderwertig sind und aus beengeneden Tiermastbetrieben stammen. Ob der Schlachter dann aus X. stammt und für 5€/ die Stunde arbeitet -in einem Pensionszimmer schläft, wo mehrere Doppelbetten stehen, kümmert den Hartz 4 - Bezieher oder Mindestrentner wenig- er muss ja wenigstens essen, wenn er noch Strom zum Kochen hat. WAS ist das alles nur für eine unglaubliche Heuchelei...?
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