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29. Dezember 2012, 11:45 Uhr

Arbeitslose

Mehr als drei Millionen Hartz-IV-Bezieher sind Dauerkunden

Die Zahlen sind ernüchternd: Mehr als drei Millionen der 4,33 Millionen erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger beziehen die Sozialleistung monate- oder jahrelang. Sie schaffen es nicht, dauerhaft auf eigenen Beinen zu stehen.

Nürnberg - Viele Menschen leben von der staatlichen Grundsicherung - und das dauerhaft. 3,03 Millionen der 4,33 Millionen erwerbsfähigen Empfängern von Hartz IV sind auf die Sozialleistung über einen langen Zeitraum angewiesen, wie die "Süddeutsche Zeitung" mit Verweis auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtet.

Als Langzeitbezieher gilt derjenige, der mindestens 21 von 24 Monaten Hartz IV erhalten hat. Einen durchgehenden Zeitraum habe die Bundesagentur bewusst nicht gewählt, schreibt das Blatt. Menschen, die im Prinzip dauerhaft die Sozialleistung bekommen, aber beispielsweise einige Monate als Saisonarbeiter beschäftigt sind oder die Probezeit nicht bestehen, wären sonst von der Statistik nicht erfasst worden.

Die Arbeitsagentur räumt in dem Bericht ein, dass es sich um einen "harten Kern" der Arbeitslosen handele. Die Zahl der "Dauerkunden" in den Jobcentern sei nur langsam gesunken, obwohl die Zahl der Arbeitslosen falle. So habe es Anfang 2009 knapp 3,27 Millionen Langzeitbezieher von Hartz IV gegeben, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Bis August 2012 habe sich die Zahl auf 3,03 Millionen verringert.

Regional fällt die Entwicklung bei den Langzeitempfängern laut Statistik sehr unterschiedlich aus: In Ostdeutschland ist ihre Zahl deutlich stärker rückläufig als in Westdeutschland. Dies dürfte nach Angaben der Bundesagentur auch darauf zurückzuführen sein, dass viele Leistungsempfänger im Osten in Rente gegangen sind.

In Bayern, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern sei die Anzahl der Dauer-Hartz-IV-Bezieher stark gesunken. Dagegen ist in Bremen und im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen die Gruppe größer geworden. In Berlin hat sich die Zahl mit gut 300.000 Leistungsempfängern nur wenig verändert.

BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte: "Es gibt zugegebenermaßen einen hartnäckigen Sockel in der Arbeitslosigkeit, aber ich möchte nicht von einer Verfestigung sprechen." Er räumte aber ein, dass man sich in den Jobcentern "immer weiter dem harten Kern nähere". Es blieben diejenigen zurück, bei denen sich "eine Integration in Ausbildung oder Beschäftigung in naher, vielleicht auch in weiter Zukunft nicht abzeichnet".

heb

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