Klage gegen Suspendierung Hartz-IV-Rebellin einigt sich mit Stadt Hamburg

Inge Hannemann wurde vom Dienst im Jobcenter suspendiert, weil sie keine Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose verhängen wollte. Sie klagte - und hat sich nun mit der Stadt Hamburg auf eine neue Stelle geeinigt.

Klägerin Hannemann (Archivbild): Behindertenarbeit statt Jobcenter
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Klägerin Hannemann (Archivbild): Behindertenarbeit statt Jobcenter


Hamburg - Behindertenarbeit statt Jobcenter: Die als "Hartz-IV-Rebellin" bekannt gewordene Inge Hannemann hat sich mit der Stadt Hamburg auf einen Vergleich geeinigt: Die frühere Jobcenter-Mitarbeiterin wird demnach künftig im Integrationsamt arbeiten.

Im Jobcenter Hamburg-Altona hatte sich Hannemann geweigert, Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose zu verhängen. Sie wurde daraufhin dort vom Dienst suspendiert und versetzt. Nun soll sich die 46-Jährige um die Integration Behinderter in den Arbeitsmarkt kümmern, bei gleichem Gehalt.

Der Rechtsstreit zwischen Hannemann, die auch für die Linke in der Bezirksversammlung Altona sitzt und bei der Bürgerschaftswahl im Februar 2015 kandidiert, ist damit noch nicht völlig vom Tisch. Es gibt eine weitere Klage, mit der sich Hannemann gegen ihre Suspendierung im Jobcenter wendet. Ein Termin dafür steht aber noch nicht fest.

"Ich bin raus, weil ich Missstände öffentlich gemacht habe", sagte Hannemann im Gerichtssaal. "Es wäre nichts passiert, wenn ich Dienst nach Vorschrift gemacht hätte." Sie solle mundtot gemacht werden. "Man lobt mich im Grunde weg."

stk/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
labbimen 15.12.2014
1.
"Dienst nach Vorschrift" ist auch ausserhalb des ö.D. auch unter dem Begriff "arbeitsvertragliche Pflichten" bekannt. Wem die nicht passen, der muss sich eben einen anderen Job suchen. Vertragsbruch endet - zu Recht- auf dem freien Arbeitsmarkt. Da unterscheidet sich der Arbeitsvermittler nicht von der Arzthelferin oder dem Dachdecker. Ausser man hat politische Kontakte und Ambitionen, dort scheint Vertragsbruch durchaus als Referenz zu dienen.
brdistmist 15.12.2014
2. Trauerspiel
Frau Hannemann war Alleingelassen worden. Ich weis von vielen JobCenter - Angestellten das sie genau so Empfinden wie Frau Hannemann, jedoch durch druck sich einfach nicht trauen sich dagegen zu wehren. Die Mitarbeiter vom JobCenter erhalten den gleichen druck (Gehorche sonst wirst du Entlassen bzw. mach das was ich dir sage sonst wird dein Hartz 4 gekürzt) wie jeder andere auch. Ich hoffe, dass es in Zukunft mehr Jobcenter Mitarbeiter geben die sich dagegen wehren werden. Eine Einigung für Soziale Ungerechtigkeit und Schikane auf dem Amt ist das.
GinaBe 15.12.2014
3.
Vielleicht dachte Frau Hannemann, sie könne mit ihrem protest und ihrem einsatz als whistleblower die Verhältnisse ändern, Sanktionsmaßnahmen gar verschwinden lassen. Nun wird die Angelegenheit aber so interpretiert, daß sie nicht mehr geeignet ist, diese Arbeit zu machen, auch wenn sie gerne zurück an ihren alten Arbeitsplatz wollte. In Wirklichkeit wollte sie die Verhältnisse tatsächlich ändern, konnte das als Einzelkämpferin ohne politischen Willen der Berliner Regierung aber nicht mal ernsthaft ins Gespräch bringen.
politik-nein-danke 15.12.2014
4.
Zitat von GinaBeVielleicht dachte Frau Hannemann, sie könne mit ihrem protest und ihrem einsatz als whistleblower die Verhältnisse ändern, Sanktionsmaßnahmen gar verschwinden lassen. Nun wird die Angelegenheit aber so interpretiert, daß sie nicht mehr geeignet ist, diese Arbeit zu machen, auch wenn sie gerne zurück an ihren alten Arbeitsplatz wollte. In Wirklichkeit wollte sie die Verhältnisse tatsächlich ändern, konnte das als Einzelkämpferin ohne politischen Willen der Berliner Regierung aber nicht mal ernsthaft ins Gespräch bringen.
Die Angelegenheit wird nicht so interpretiert, dass die Frau nicht geeignet ist, diese Arbeit zu machen, die Angelegenheit ist so, dass die Frau sich weigert die Arbeit so zu machen, wie es die Gesetze und die Ausführungsbestimmen Ihres Arbeitgebers es vorschreiben. An dieser Stelle darf die Frau sich glücklich schätzen, dass Sie im öffentlichen Dienst arbeitet. In der freien Wirtschaft wäre Sie einfach nur hochkannt rausgeflogen. Es obliegt nicht der Frau darüber zu bestimmen, welche Gesetze sie wie anwendet.
hotgorn 15.12.2014
5. @politik-nein-danke
Das BVG hat entschieden das jeder der nach Deutschland kommt nicht weniger als hartz4 haben darf, wieso gilt das nicht für hartz4 Empfänger? Gesetze sind wohl auslegungssache, in den USA wurde z.b. vorrübergehend die Folter legalisiert und die Bevölkerung wird ausgespäht.
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