Sozialstaat 7,6 Millionen Menschen leben von Mindestsicherung

Hartz IV, Grundsicherung im Alter, Asylbewerber-Leistungen: Jeder elfte Mensch in Deutschland lebte 2017 von staatlichen Hilfen - 3,5 Prozent weniger als 2016. Im Osten war der Rückgang besonders stark.

Plattenbau in Plauen
DPA

Plattenbau in Plauen


Es ist der zweite Rückgang in Folge: Ende 2017 bezogen knapp 7,6 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen der sozialen Mindestsicherung. Das waren 3,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der Anteil der Empfänger an der Gesamtbevölkerung lag Ende 2017 bei 9,2 Prozent und damit um 0,3 Punkte niedriger als 2016 und um 0,5 Punkte niedriger als 2015.

Im Einzelnen zählen zur sozialen Mindestsicherung in Deutschland:

  • Hartz IV - offiziell eigentlich Arbeitslosengeld II und Sozialgeld: Rund 5,9 Millionen Menschen erhielten Geld aus dieser Leistung. Das ist ein Rückgang von 0,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016.
  • Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bezogen knapp 1,1 Millionen Menschen. Es ist die einzige Leistung, die Ende 2017 stärker in Anspruch genommen wurde als ein Jahr zuvor: Die Zahl der Empfänger stieg um 3,2 Prozent.
  • Rund 468.000 Menschen bekamen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Hier war der Rückgang im Vergleich zu 2016 mit 35,7 Prozent besonders stark, weil viele Asylverfahren abgeschlossen wurden.
  • Knapp 127.000 Menschen bezogen Hilfe zum Lebensunterhalt, eine Form der Sozialhilfe - ein Rückgang von 4,9 Prozent.

Insgesamt sank die Zahl der Empfänger in allen Bundesländern, aber unterschiedlich stark. In Bremen war der Rückgang mit 0,1 Prozent am geringsten; gleichzeitig ist der Anteil der Empfänger an der Bevölkerung mit 18 Prozent dort am höchsten. In Brandenburg bezogen sieben Prozent weniger Menschen Mindestsicherung, das stärkste Minus. Insgesamt war der Rückgang mit sechs Prozent in den ostdeutschen Bundesländern deutlich stärker als in den westdeutschen (minus 2,4 Prozent).

Wie sich die Zahl der Empfänger von Sozialleistungen entwickelt, sagt allerdings für sich genommen wenig darüber aus, ob die Armut zu- oder abgenommen hat. Sollte zum Beispiel die Bundesregierung den Regelsatz drastisch um 100 Euro im Monat erhöhen, würde sich die Situation der Empfänger entsprechend verbessern. Gleichzeitig hätten aber Hunderttausende mehr Menschen als zuvor einen Rechtsanspruch auf Hartz IV - nämlich jene, die derzeit gerade noch so viel verdienen, dass sie über der Einkommensschwelle liegen, die zu Hartz IV berechtigt. In einem solchen Falle würde sich also die Zahl der Empfänger von Mindestsicherung deutlich erhöhen, obwohl die Armut de facto gelindert worden ist.

fdi

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insgesamt 186 Beiträge
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Seite 1
Kobabo 19.10.2018
1. Kein Wunder.....
Zeit Arbeit Firmen abschaffen und den Menschen wider richtige Löhne zahlen und schon ist das Problem gelöst .....
jamon 19.10.2018
2. wow...
Zitat von KobaboZeit Arbeit Firmen abschaffen und den Menschen wider richtige Löhne zahlen und schon ist das Problem gelöst .....
nur ein satz und das problem ist gelöst. mensch, warum kommen denn die politiker nicht auf dieses idee? sie sollten in die politik gehen.....
misterknowitall2 19.10.2018
3. Ich stimme zu, aber
Zitat von KobaboZeit Arbeit Firmen abschaffen und den Menschen wider richtige Löhne zahlen und schon ist das Problem gelöst .....
dem Harzer, Asylanten oder Rentner bringt das allerdings wenig. Da muss man schon an größeren Rädern wie dem Grundeinkommen drehen.
karl-felix 19.10.2018
4. Schön
dass die Presse auch mal darüber berichtet , dass es uns allmählich wieder besser geht. Immer nur skandalisieren , das nervt auch . Weiter so . Erfreulich, dass insbesondere so wenige Rentner auf Grundsicherung angewiesen sind. Die nächste Rentenerhöhung im kommenden Jahr lässt da auf noch bessere Zahlen hoffen . Vielen Dank an die vielen fleissigen Hände, die Wirtschaft und die Politik. Nach den wahnsinnigen Kürzungsorgien von rot-grün , unter denen die Niedriglöhner immer noch leiden , auch einmal gute Nachrichten . Im nächsten Jahr sinkt der Krankenkassenbeitrag für alle gesetzlichen , auch die Rentner. Kann man nicht meckern . Ein dankbarer Rentner.
Trara 19.10.2018
5. Geht zwar am Thema vorbei, aber
Wenn man den Gedanken der Zeitarbeit so nehmen würde: a) Das Zeitarbeit notwendig, damit die Industrie in Zeiten von Spitzenauslastung kein Personal aufbauen muss, das dann bei einer Konjunkturdelle aufgrund unserer Kündigungsschutzbestimmungen riesige Löcher in die Firmenbilanzen reisst. Dann müsste man auch sagen b) Zeitarbeiter sind bei gleicher Tätigkeit finanziell besser zustellen als Festangestellte, weil sie ein höheres Risiko tragen. Da das nicht geschieht ist der Staat in der Pflicht und sollte die Spielregeln anpassen: Jeder Zeitarbeitsvertrag sollte seitens des AG zu deutlich erhöhten Sozial- und Krankenversicherungsbeträgen führen, denn anschließend liegt der gute Mann/Frau ja der Allgemeinheit auf der Tasche.
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