Pannen-Flughafen BER Brandbrief gegen Mehdorn

Ein geschasster Manager der Berliner Flughafengesellschaft hat einen Brief an Aufsichtschef Klaus Wowereit geschrieben: Selbst im Frühjahr 2016 könnte der BER noch nicht betriebsbereit sein. Dann endet der Vertrag von Flughafenchef Hartmut Mehdorn.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn: "Keine Anzeichen auf Besserung der Situation"
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Flughafenchef Hartmut Mehdorn: "Keine Anzeichen auf Besserung der Situation"

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Die Personalquerelen um den Hauptstadt-Flughafen BER reißen nicht ab. Erst vor wenigen Tagen feuerte die Flughafengesellschaft den Planer der Entrauchungsanlage (mehr dazu im aktuellen SPIEGEL) und erteilte ihm sofortiges Hausverbot. Nun geht auch noch der Streit zwischen Flughafenchef Hartmut Mehdorn und dessen ehemaligem Liegenschaftschef Harald Siegle in eine neue Runde.

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Heft 19/2014
Von der Unmöglichkeit, mit Arbeit reich zu werden

Siegle, vor wenigen Wochen ebenfalls fristlos gekündigt, fordert den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft auf, Mehdorn zurückzupfeifen. Das Gremium solle dafür sorgen, "dass die "Kündigung aufgehoben wird", schrieb Siegle an den BER-Aufsichtsratschef, Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit.

Der Brief, der dem SPIEGEL vorliegt, liest sich über weite Strecken wie eine Aufforderung an Wowereit, dem Flughafenchef das Misstrauen auszusprechen. Siegle erinnert in dem Schreiben daran, dass Mehdorns Vertrag im Frühjahr 2016 endet: "Was passiert dann und wie ist bereits heute drauf zu reagieren?" Er fragt, ob der Aufsichtsrat einen "Plan B" habe, denn es sei kaum noch zu erwarten, dass zu diesem Zeitpunkt der BER in Betrieb sein werde.

Selbst wenn es gelänge, die zentrale Entrauchungsanlage funktionsfähig umzubauen und damit den Brandschutz zu gewährleisten, sei der Flughafen "natürlich noch nicht fertig", schreibt der geschasste Manager. Weiter unbeantwortet seien "die drängenden Fragen nach dem weiteren konkret belegbaren Kapitalbedarf, tatsächlich laufenden Kosten, verbindlichen Terminen und die Bewältigung des weiter rasch wachsenden Passagieraufkommens" an den bestehenden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld. Es gäbe "keine Anzeichen auf Besserung der Situation".

Eine Eröffnung des BER im Oktober 2016 wäre der "Best Case"

Siegle kennt die Probleme beim Berliner Pannen-Flughafen BER seit Jahren. Bis April war der Ingenieur Leiter der Immobilienabteilung der Flughafengesellschaft. Am 4. April wurde dem Manager fristlos gekündigt. Denn Siegle hatte sich bei Flughafenchef Hartmut Mehdorn schriftlich über "Kompetenzwirrwarr", "untätiges Controlling", Organisationsdefizite und fehlende Kostenrechnungen beschwert, Versäumnisse, die eine Inbetriebnahme des Flughafens 2016 "akut" gefährden. Eine Eröffnung des Flughafens im Oktober 2016 wäre der "Best Case", der jedoch nur bei massiven strukturellen Verbesserungen erreichbar sei.

In Kopie schickte Siegle jenes 21-seitige Schreiben vom 27. März an die Vertreter der Gesellschafter, an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und die Staatssekretäre Rainer Bomba (Bundesverkehrsministerium) und Rainer Bretschneider (Staatskanzlei Brandenburg). Wenige Tage später gelangte der Brandbrief über die "Süddeutsche Zeitung" an die Öffentlichkeit.

Mehdorn tobte. Gegenüber Wowereit beteuerter er, dass die Vorwürfe des Managers vollständig aus der Luft gegriffen seien. Siegle fürchte nur um seinen Job, nachdem die Flughafengesellschaft beschlossen hatte, den Immobilienbereich neu zu ordnen.

Auf Kritik reagiert Berlins Flughafenchef zunehmend dünnhäutiger. Als Mehdorn seinen Ex-Immobilienchef bei einer Anhörung im Brandenburger Landtag erblickte, verließ er prompt den Saal. Die Abgeordneten hatten den Flughafenchef geladen, weil sie Auskunft über Terminpläne und erwartete Kostensteigerungen erhalten wollten.

Kurz zuvor hatte Mehdorn versucht, den Aufsichtsräten einen Maulkorb zu verpassen. Auf der letzten Sitzung des Kontrollgremiums am 11. April erinnerte, in Mehdorns Auftrag, ein Anwalt einer hochkarätigen Wirtschaftskanzlei daran, dass auch Aufsichtsräte den Grundsätzen der Corporate Gouvernance verpflichtet: Sie dürften nichts ausplaudern, was dem Unternehmen in der Öffentlichkeit schaden könnte.

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wagenheber 05.05.2014
1. immer Probleme mit Mehdorn
Probleme bei Airbus Probleme bei DB und jetzt Probleme beim Flughafen Berlin und immer mittendrin Herr Mehdorn! Wann erwacht der Aufsichtsrat und handelt? Erhardt
el_jefe 05.05.2014
2. Wer hat den bloß eingestellt?
Mehdorn hat eine vom Bund entschuldete Deutsche Bahn übernommen und sie über seine Regentschaft mit über 20 Mrd.(!) neue Schulden aufgebürdet - eine Last, die sie heute noch trägt. Bei Air Berlin fiel ihm nichts anderes ein, als immer neue Sparprogramme auf Kosten der Belegschaft – aber auch der Kundschaft – aufzulegen, die natürlich nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben. Wer erwartet hat, dass er einen schon notleidenden BER aus dem Brandenburger Sand zieht, ist selber schuld.
bananenrep 05.05.2014
3. Geht es noch.....
um die Fertigstellung oder ist BER die Gehaltmelkmaschine für Aufsichtsräte, Politiker geworden. Und wir ? Deutescher Dödel schaut zu und zahlt. Wowi und allen großkotzigen Architekten etc. das Gehalt auf 0 streichen. Und Schadensersatz von diesen Architektenkünstlern zurückholen incl. Einziehung des Privatvermögens. UUUnglaublich das alles.
micha.w 05.05.2014
4. Kriminell!
Wenn die Behauptungen unwahr sein sollten kann der Patriach Mehdon ja sicher eine eidesstattliche Versicherung abgeben, dass das alles erlogen und erfunden ist. Wird er wohl nicht tun.
marthosch 05.05.2014
5.
Wäre er ein Superheld hätte er wohl den Namen "Der Pannenmann". Im Ernst, schickt den alten Mann in Pension. Holt jemanden der etwas von Bau solcher Grossprojekte versteht und nicht einfach einen Namen, den alle kennen. Nur weil man der Spezi von jemandem ist und mal die DB fast ruinieren durfte ist man noch lange nicht in der Lage ein Baugrossprojekt zu leiten. Vor allem nicht wenn Mehdorn das eigene Ego wichtiger ist als das Projekt und er jedes kritische Hinterfragen mit Kündigung beantwortet um vom eigenen Versagen abzulenken.
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