Von Andreas Wassermann
Berlin - Die schon mehrmals verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens rückt in immer weitere Ferne. Derzeit können Technikchef Horst Amann und sein Team offenbar noch nicht einmal absehen, wann mit den Umbauarbeiten am Terminal begonnen werden kann, die für eine Genehmigung unverzichtbar sind.
Seit acht Monaten sind die Techniker ausschließlich damit beschäftigt, Fehlplanungen und Baumängel bei der besonders anfälligen Gebäudetechnik und dem Brandschutz zu erfassen. Die Inspektionen würden noch bis zum Juli andauern, teilte Amann jüngst mit. Danach soll der Umbau geplant werden. Erst nach Abschluss dieser Vorbereitungen könne mit den Arbeiten begonnen werden, folglich könne auch erst dann der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft einen Eröffnungstermin beschließen. "Vor 2015 wird BER wohl nicht in Betrieb gehen", sagt ein Insider des Milliarden-Projektes.
Die Arbeiten auf der Baustelle sind praktisch zum Erliegen gekommen. Derzeit beschäftigen sich nur wenige hundert Arbeiter mit der Sanierung der Kabeltrassen und der Fertigstellung der beiden Pavillons. Im Spätsommer sollen die Arbeiten wieder Fahrt aufnehmen. Bis dahin will Amann die Verhandlungen mit den beteiligten Baufirmen über die noch zu beseitigenden Mängel und über weitere Arbeiten abgeschlossen haben.
Zur Verzögerung führt aber nicht nur die aufwendige Untersuchung der Baustelle. Auch die Querelen bei der Besetzung der Führungspositionen tragen dazu bei. So hätte der designierte Chefberater des BER, Wilhelm Bender, eigentlich schon längst seinen Dienst aufnehmen sollen. Doch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit weigerte sich, die Vertragsbedingungen zu akzeptieren. Eine Pressekonferenz, auf der der ehemalige Manager des Frankfurter Flughafens vorgestellt werden sollte, wurde kurzfristig abgesagt.
Die Atmosphäre zwischen den BER-Eigentümern Berlin und Brandenburg ist vergiftet, seit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) überraschend seine Kompromissbereitschaft beim Nachtflugverbot signalisiert hatte. Damit sorgte er vor allem bei Unternehmen und Wirtschaftsverbänden für Empörung. Derzeit ist für den Hauptstadtflughafen ein Nachtflugverbot zwischen 0 Uhr und 5 Uhr morgens vorgesehen. Zwischen 22 und 24 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr morgens ist der Flugverkehr unter Einschränkungen erlaubt. So ist unter anderem die Zahl der Starts und Landungen begrenzt. Anwohner halten das nicht für ausreichend.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Flughafen Berlin Brandenburg | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH