Zoff mit Kassen: Ärzte klagen gegen Honorarbeschluss

Die Kassenärzte machen Druck im Honorarstreit. Sie wollen sich mit einem Plus von 270 Millionen Euro nicht zufriedengeben - und drohen den Kassen nun mit einer Klage. Verbandschef Andreas Köhler beklagt einen "Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands".

Ärzte protestieren in München: Honorarbeschluss rückgängig machen Zur Großansicht
dapd

Ärzte protestieren in München: Honorarbeschluss rückgängig machen

Berlin - Die Kassenärzte wollen für höhere Honorare vor Gericht ziehen. Eine Sondervertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung verabschiedete am Samstag einstimmig eine Resolution, in der die Ärzte eine Klage gegen die Honorarerhöhung ankündigen. "Wir sind es unseren Patienten schuldig, diesen Beschluss nicht zu akzeptieren", heißt es in der Resolution. "Wir werden dagegen klagen, und wir fordern das Bundesgesundheitsministerium auf, diesen Beschluss zu beanstanden."

Die Ärzte fordern eine Honorarerhöhung von elf Prozent. Wegen der gestiegenen Kosten bedeute die deutlich darunterliegende Entscheidung vom Donnerstag eine faktische Verringerung des Einkommens um zehn Prozent. "Dieser Beschluss ist eine Gefahr für die Aufrechterhaltung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung", heißt es in der Resolution.

Mehrere Redner sprachen sich für massive Protestmaßnahmen gegen den Honorarbeschluss bis hin zum Streik aus. Um 270 Millionen Euro sollen die Ärztehonorare im kommenden Jahr steigen. Das hatten Vertreter der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ausgehandelt - eine Anhebung um 0,9 Prozent. Pro Mediziner entspricht die Erhöhung im Schnitt 1800 Euro im Jahr.

Nach Ansicht der Ärzte ist das deutlich zu wenig, sie hatten 3,5 Milliarden Euro mehr gefordert. Jetzt erhöhen die Mediziner massiv den Druck auf Krankenkassen und das Gesundheitsministerium.

"Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands"

KBV-Chef Andreas Köhler warf den Krankenkassen eine Hetzkampagne gegen die Ärzte vor. Sie würden einen systematischen Anti-Ärzte-Kurs fahren und Mediziner als Abzocker diskreditieren, sagte er. "Es ist ein Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands."

Berücksichtigen muss man bei all dem Getöse aber, dass die Verhandlungen noch gar nicht vorbei sind. Zunächst wurde am Donnerstag nur der Preis der ärztlichen Leistung festgelegt. Über die Menge wird erst noch gesprochen. Im Laufe der Verhandlungen könnte das Honorarplus noch deutlich steigen.

Die Hausärzte wollen sich nicht an Streiks beteiligen. Dieses Mittel sei "für Hausärzte nicht angebracht", sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Weigeldt im Deutschlandfunk. Dennoch übte auch er massive Kritik an den Plänen. Das 0,9-prozentige Honorarplus sei unter Berücksichtigung der Inflation keine Erhöhung, sondern eine Senkung.

Der Vorsitzende des Hartmannbunds, Klaus Reinhardt, kündigte Kampfmaßnahmen "in einer gestaffelten Form" an, um gegen die Honorarpläne zu protestieren. Es solle aber "nicht gleich zum Knüppel" gegriffen werden, sagte Reinhardt im Deutschlandradio Kultur. Es sei für die Ärzte eine "schwierige Konstellation", weil von den Protesten am Ende die Patienten betroffen seien.

heb/cte/AFP/dpa

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insgesamt 226 Beiträge
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1.
stimmvieh_2011 01.09.2012
An einfachsten wäre es doch, die Arzt Honorare bzw. das Gehalt an die Bezüge hochrangiger Beamter (z.B. Richter) zu koppeln und endlich mit der Farce aufzuhören als seien die Ärzte selbständige Unternehmer.
2. Lächerlich, allein das Opener-Bild :D ....
Blendy 01.09.2012
Als ob es nicht jedem Arzt frei stehen würde, in einem anderen Land zu praktizieren. So schlecht kann die Entlohnung ja nicht sein. Und alle anderen Annehmlichkeiten Deutschlands möchte man ja auch nicht missen. Naja, solange es noch für 10 Wochen Urlaub im Jahr, die Privatschule für die Zöglinge und die S-Klasse vor der Tür reicht, denke ich, besteht kein Handlungsbedarf ...
3. Natürlich
auweia 01.09.2012
Zitat von sysopDie Kassenärzte machen Druck im Honorarstreit. Sie wollen sich mit einem Plus von 270 Millionen Euro nicht zufriedengeben - und drohen den Kassen nun mit einer Klage. Verbandschef Köhler beklagt einen "Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands". Hausärzte halten Streiks im Honorar-Streit für unangebracht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853361,00.html)
sind bei einem Streik immer Kunden, Passgiere, Liefernten, die Öffentlichkeit etc. betroffen. Dann sind es heute eben mal die Patienten. Wo ist der Unterschied? Urlaubsflug, pünktliche Züge oder geregelte Müllabfuhr ist nicht lebenswichtig. Medizinische Hilfe manchmal schon. Das sollte uns das Geld wert sein. Ansonsten gibt es wirklich ein gutes Druckmittel: Alle Kassenärzte geben gleichzeitig Ihre Kassenzulassungen zurück. Dann müssen Arztbesuche zunächst privat bezahlt werden, Patienten bekommen eine Rechnung. Die regeln sie dann mit Ihrer Krankenkasse
4. Wegen "Krankenkassen haben zuviel Geld"?
bognatz 01.09.2012
Zitat von sysopVerbandschef Köhler beklagt einen "Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands".[/url]
Es hat sich also bis in die Ärzteschaft herum gesprochen, das die Krankenkassen mehr Einnahmen als Ausgaben haben. In Folge müssen die bedacht werden, bei denen es finanziell besonders klemmt. Das sind nach Herrn Köhler nicht die Geringverdiener und Rentner (Praxisgebühr, Medikamentenzuzahlung, ...). Andererseits habe ich in den Fußgängerzonen noch keinen Arzt gesehen, der sich mit Musizieren sein Zubrot verdient.
5.
amicus 01.09.2012
Zitat von sysopDie Kassenärzte machen Druck im Honorarstreit. Sie wollen sich mit einem Plus von 270 Millionen Euro nicht zufriedengeben - und drohen den Kassen nun mit einer Klage. Verbandschef Köhler beklagt einen "Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands". Hausärzte halten Streiks im Honorar-Streit für unangebracht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853361,00.html)
Sowas Verlogenes!! Ausgerechnet der Köhler! 2009 hat der noch die höchste Honorarsteigerung seit Bestehen der ärztlichen Selbsverwaltung bejubelt (+10%) und jetzt tut er so, als ob die gesamte Ärzteschaft am Hungertuch nagen muss. 2010 und 2011 kamen dann nochmal jeweils 3% Honorarplus hinzu. Das ist übrigens derselbe Köhler, der sich erst kürzlich ein Gehaltsplus von über 30% (von 260000 auf 350000 Euro pro Jahr) hat bewilligen lassen. Dafür muss er wahrscheinlich jetzt liefern ...
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