Kräftiges Steuerplus: Wirtschaftsboom spült Schäuble Milliarden in die Kasse
Der deutsche Arbeitsmarkt ist robust, viele Unternehmen machen Rekordgewinne, und davon profitiert der Staat. Bund und Länder haben im September 50 Milliarden Euro an Steuern eingenommen - deutlich mehr als im Vorjahr. Im Gesamtjahr könnten die Einnahmen erstmals über 600 Milliarden Euro steigen.
Berlin - Dem deutschen Staat winken in diesem Jahr Rekordsteuereinnahmen. Im September haben Bund und Länder 50,8 Milliarden Euro verbucht - ein Plus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht des Finanzministeriums hervor.
Nach den ersten drei Quartalen zeichnet sich nun ab, dass die Steuereinnahmen 2012 deutlich über den Erwartungen liegen werden. Von Januar bis September zahlten Bürger und Unternehmen bislang 403,4 Milliarden Euro. Das sind 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Steuerschätzung im Mai hatte lediglich ein Plus von vier Prozent vorhergesagt. Experten gehen inzwischen davon aus, dass Bund, Länder und Gemeinden in diesem Jahr erstmals mehr als 600 Milliarden Euro kassieren werden.
Grund für die Mehreinnahmen ist laut Finanzministerium vor allem die hohe Beschäftigung. Die Zahl der Arbeitslosen sank im September auf 2,8 Millionen. Die Einnamen aus der Lohnsteuer legten binnen Jahresfrist um 7,6 Prozent auf knapp 11,2 Milliarden Euro zu. Dazu kommen höhere Firmengewinne und ein stärkerer privater Konsum.
Warnung vor Konjunktureinbruch
Die hohen Steuereinnahmen helfen dem Bund und den Ländern bei der Sanierung ihrer Haushalte. So erhöhten sich im August die Ausgaben der Länder zum Vorjahr um 2,2 Prozent. Zugleich stiegen die Einnahmen in dem Monat aber um 4,1 Prozent. Damit wiesen die Länder Ende August noch eine Haushaltslücke von 4,9 Milliarden Euro aus. Das waren 3,3 Milliarden Euro weniger als im August 2011.
Trotz der komfortablen Lage warnt das Finanzministerium jedoch: Zum Jahresende werde die deutsche Wirtschaft erheblich an Fahrt verlieren. Im dritten Quartal bis Ende September sollte die Wirtschaftsleistung zwar erneut zugenommen haben. "Im Schlussquartal 2012 dürfte es in Deutschland jedoch zu einer deutlichen konjunkturellen Abschwächung kommen", heißt es im aktuellen Monatsbericht des Ministeriums. Dämpfend wirke dabei vor allem die wirtschaftliche Schwäche in einigen Ländern des Euro-Raums.
Das Ministerium verwies auf die Herbstprognose der Regierung, wonach von einer nur "moderaten gesamtwirtschaftlichen Aktivität" im bevorstehenden Winterhalbjahr ausgegangen werde. Im Verlauf des kommenden Jahres dürfte die deutsche Wirtschaft aber allmählich wieder an Schwung gewinnen. Für das laufende Jahr erwartet die Bundesregierung inzwischen ein Wachstum von 0,8 Prozent und für 2013 von 1,0 Prozent.
cte/Reuters/dpa
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