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Haushaltsmisere: Washington schuldet China viel mehr Geld als angenommen

Die Vereinigten Staaten sind noch viel stärker von China abhängig als bisher bekannt. Neuen Berechnungen zufolge hat Peking den USA Kredite in Höhe von mehr als einer Billion Dollar gewährt. Washingtons Verhandlungsposition wird dadurch massiv geschwächt.

US-Präsident Obama: 1,1 Billionen Dollar sparen Zur Großansicht
REUTERS

US-Präsident Obama: 1,1 Billionen Dollar sparen

Washington - Die USA haben bei China weitaus mehr Schulden als bislang angenommen. Die Volksrepublik halte US-Anleihen im Wert von 1,16 Billionen Dollar, gab das US-Finanzministerium am Montag (Ortszeit) bekannt. Das ist gut ein Drittel mehr als noch Mitte Februar veranschlagt.

Das Ministerium musste seine Zahlen korrigieren, weil China auch im Ausland verstärkt US-Anleihen gekauft hat - vor allem in Großbritannien. Diese Deals wurden nun erstmals in der Statistik berücksichtigt. Entsprechend wurde der Wert der US-Anleihen im Besitz von Großbritannien um 269,2 Milliarden Dollar nach unten berichtigt. Diese Bonds wurden den Angaben zufolge nun China zugeordnet.

Marktbeobachter begrüßten die gesteigerte Transparenz. "Bislang haben wir nur vermutet, dass China in Großbritannien zukauft, jetzt haben wir die Bestätigung", sagte Alan Ruskin, Wechselkursstratege bei der Deutschen Bank.

Amerikas Verhandlungsposition gegenüber China wird durch solche Zahlen indes weiter geschwächt. Die USA sind in der denkbar schwächsten Position, sich gegenüber der Volksrepublik China durchzusetzen. Chinas Geldpolitiker treten international nicht als Bittsteller, sondern als Retter auf. US-Außenministerin Hillary Clinton beteuerte bereits, wie schwer es sei, Forderungen an den eigenen Gläubiger zu stellen.

China wiederum muss Dollar-Papiere in großem Volumen kaufen, um den Wechselkurs seiner Landeswährung niedrig zu halten. Der Yuan ist fest an den Dollar gekoppelt.

14 Billionen Dollar Schulden

Die US-Regierung kämpft mit gewaltigen Schuldenproblemen. Ende Dezember 2010 hatte die Staatsverschuldung die Marke von 14 Billionen Dollar überschritten. Das sind beinahe 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Juni, also rund sechs Monate zuvor, betrug der Schuldenstand noch 13 Billionen Dollar. Im Ausland standen die USA zum gleichen Zeitpunkt mit 10,7 Billionen Dollar in der Kreide.

Amerikas Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung - und damit deutlich höher als etwa im Fast-Pleitestaat Griechenland.

Angesichts dieses Monsterdefizits hält Wirtschaftsexperte Barry Eichengreen es für wahrscheinlich, dass Amerika bald eine ähnliche Schuldenkrise wie Europa durchlebt. Weil es nicht möglich sei, "in diesem Land über Steuererhöhungen zu reden, werden die USA das Vertrauen der Investoren verspielen", sagte Eichengreen dem SPIEGEL.

Deutsche Banken könnten durch die US-Misere neue Probleme bekommen. Schätzungen des Bundesfinanzministeriums zufolge sind sie mit 38 Milliarden Dollar in hoch verschuldeten US-Kommunen engagiert. Hinzu kämen 13 Milliarden Dollar an Forderungen gegenüber US-Bundesstaaten. Einige Staaten stehen kurz vor der Pleite (siege Grafik unten). Namen von einzelnen deutschen Banken werden darin nicht genannt. In Finanzkreisen hieß es, deutsche Landesbanken seien besonders stark bei US-Kommunen engagiert.

Demokraten und Republikanern streiten derzeit heftig darüber, wie die Haushaltsmisere gelöst werden kann. US-Präsident Barack Obama will das Etatdefizit bis Januar 2013 halbieren. Sein Vorschlag für den Haushalt des kommenden Jahres sieht eine Defizitverringerung um 1,1 Billionen Dollar über zehn Jahre vor. Bereits in den kommenden fünf Jahren sollen 400 Milliarden Dollar eingespart werden.

Obamas Haushaltsvorschläge sind nur eine Wunschliste, da nicht er, sondern das von den Republikanern kontrollierte Repräsentantenhaus das Initiativrecht bei Haushaltsfragen hat. Beschlossen wird der Etat von beiden Kammern im Kongress, also auch dem Senat, in dem die Demokraten in der Mehrheit sind.

Anders als Obama wollen sie die öffentlichen Ausgaben um bis zu 61 Milliarden Dollar zusätzlich kürzen und zahlreiche teure Infrastrukturprojekte nicht genehmigen - unter anderem den von Obama angestrebten Ausbau von Schienennetzen für Hochgeschwindigkeitszüge.

Kürzungen in der US-Bürokratie scheinen indes bitter nötig zu sein: Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" gehen der Regierung in Washington jährlich Milliarden Dollar durch ineffiziente Behördenarbeit verloren. So gebe es allein 15 verschiedene Behörden zur Kontrolle von Lebensmittelbestimmungen und 20 verschiedene Programme zur Rettung von Obdachlosen.

ssu/Reuters

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insgesamt 122 Beiträge
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1. auf andere Art
sfb 01.03.2011
Zitat von sysopDie Vereinigten Staaten sind noch viel stärker von China abhängig als bisher bekannt. Neuen Berechnungen zufolge hat Peking den USA Kredite in Höhe von mehr als einer Billion Dollar gewährt. Washingtons Verhandlungsposition wird dadurch massiv geschwächt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,748263,00.html
Irgendwann wird es für die USA günstiger, das Problem auf andere Art zu lösen.
2. Goldkiste
syprix 01.03.2011
Naja, die Amis kommen wohl nicht drum herum neue Einnahmequellen zu erschaffen. Sicherlich wird es neue Steuern geben wie bei uns z.B. eine 3 fach Abgabe für Benzin. Auch die Amis haben keine Goldkiste liegen wo sie sich einfach mal bedienen können.
3. Neuigkeit?
muellerthomas 01.03.2011
Dass weder UK, noch die Schweiz, Luxemburg oder die Karibikstaaten solch hohe Bestände an US-Staatsanleihen selbst halten, wie die Käuferrstatistikn ausweist, war allen Marktteilnehmern klar. Auf der Homepage der TIC-Daten wurde auch seit jeder klar dargestellt, dass nur der Kaufort erfasst wird und nicht der tatsächliche Käufer. Insofern berichtet der Spiegel hier nichts wirklich Neues. Zudem sollten SPON die absolut sehr hohen US-Staatsschulden ebenso wie die Schulden gegenüber China vielleicht mal in Relation zum US-BIP setzen. DIe Gesamtverschuldung liegt bei unter 100% des BIPs, was zwar nicht niedrig, aber durchaus tragbar ist und historisch von den USA auch bereits einmal bewältig wurde. Der von China gehaltene Anteil der US-Staatsschulden in Relation zum US-BIP liegt zudem mit etwa 7% nicht wirklich beängstigend hoch. Ferner ist dies im Zweifel eher ein Problem für China: Die USA haben hierfür von China Waren erhalten, China hat Wertpapiere erhalten, deren Realwert vermutlich eines Tages deutlich niedriger liegen wird als der Wert der gelieferten Güter.
4. .
H-Vollmilch 01.03.2011
Zitat von sysopDie Vereinigten Staaten sind noch viel stärker von China abhängig als bisher bekannt. Neuen Berechnungen zufolge hat Peking den USA Kredite in Höhe von mehr als einer Billion Dollar gewährt. Washingtons Verhandlungsposition wird dadurch massiv geschwächt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,748263,00.html
Scheint eine Ironie der Geschichte zu werden. Die USA werden von dem besiegt, was sie so lange eisern verteidigt haben - dem Kapitalismus. Und dann hält auch noch ausgerechnet ein Kommunistisches Land so große Anteile. Aus Spiegel Online vom 15.März 2023 "Volkrepublik Amerika schliesst sich China an...." XD
5. No comment für diesen wichtigen SPIEGEL-Artikel?
prüfling 01.03.2011
OK, denn bin ich heute Primus inter Pares. Während sich Hunderte über den intelligenten Herrn Fleischhauer aufregen und Kommentare veröffentlichen, die weit unter der Qualität seiner journalistischen Arbeit liegen, wird in diesem Artikel über die deutsche Zukunft berichtet. Nämlich darüber, daß unsere wackeren Landesbanken wieder einmal zig Milliarden in den USA versenkt haben und der Steuerzahler wieder einmal blechen muß. Was bedeuted das? Daß ich, alle Bahnhofsprotestanten und alle "Bürgen" in diesem Land immer mehr Wohlstand verlieren werden.
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Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

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