Deutsche Gasförderung Hendricks hält Fracking für Wunschdenken

Wegen der Krim-Krise werden Forderungen laut, die Abhängigkeit von Putins Gas durch Fracking in Deutschland zu verringern. Umweltministerin Hendricks hält dagegen: Deutschland sei viel zu dicht besiedelt, um die Technologie anzuwenden.

Fracking in den USA (Archivbild): Begrenzter Platz in der Bundesrepublik
DPA

Fracking in den USA (Archivbild): Begrenzter Platz in der Bundesrepublik


Berlin - Klare Ansage von Barbara Hendricks: Die Bundesumweltministerin hält die Förderung von Schiefergas aus tiefen Gesteinsschichten in Deutschland für Wunschdenken. Anders als die USA sei die Bundesrepublik "kleinräumig strukturiert und dicht besiedelt", sagte die SPD-Politikerin der "Passauer Neuen Presse". Schon deswegen sei eine umweltverträgliche kommerzielle Anwendung der Technologie kaum denkbar.

"Im Übrigen ist Fracking die falsche Antwort auf die Energiefrage", betonte Hendricks. "Eine Neuausrichtung unserer Energiepolitik sollte uns weg von fossilen Brennstoffen führen - unabhängig davon, woher sie kommen. Das ist nicht nur ein Gebot des Klimaschutzes, sondern macht uns auch unabhängiger von Importen."

Bundeskanzlerin Merkel hatte angesichts der diplomatischen Spannungen mit Russland angekündigt, man müsse die Energieversorgung in ganz Europa überdenken. Die Fracking-Lobby hatte dies genutzt, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen.

Hendricks dagegen will Fracking gesetzlich verbieten. "Der Koalitionsvertrag ist da sehr klar", sagte sie. "Trinkwasser und Gesundheit haben für uns absoluten Vorrang. Den Einsatz umwelttoxischer Substanzen lehnen wir ab. Das werden wir gesetzlich festschreiben."

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs sprach sich hingegen für ein Fracking-Pilotprojekt aus. "Wir müssen endlich darüber nachdenken, Pilotvorhaben voranzubringen", sagte der CDU-Abgeordnete den "Ruhr Nachrichten". Fracking dürfe nicht wie die Kernkraft zur Risikotechnologie abgestempelt werden.

ssu/dpa-AFX



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Neinsowas 01.04.2014
1. bleiben Sie hart, Frau Hendriks!
Fracking - heisst Chemie in den Boden - ist auch da, wo der Mensch nicht so dicht lebt, eine Zerstörung ohnegleichen: Denn es geht nicht minder um die Natur, Tiere, Pflanzen, Ökosysteme,....die unwiderruflich zerstört werden. Wer sieht, wie in den USA ein gnadenloser Raubbau durch Fracking und Ölsandabbau gewchieht und alle Versprechen auf "Re-naturierung" Wunschdenken bleiben, wer sieht, was zurückbleibt, der kann diese methoden einfach nicht gutheissen! Abgesehen, dass der nachhaltige Gewinn (geringe Mengen) total infrage steht! Wer - mit welchem Interesse - kann nur so etwas wollen?!
duhastauchrecht 01.04.2014
2. Gute Idee Herr Fuchs
Dann sollte man doch gleich mal in der Nähe des Kreises, in dem Herr Fuchs wohnt mit einigen Probebohrungen dazu beginnen.
gordenfreeman 01.04.2014
3. Das glaubt die doch selbst nicht!
Zum einen würde jeder Frack unter ganz anderen Bedingungen als in den USA ausgeführt da dort ohne Sinn und Verstand gefrackt wurde und die sehr strengen Vorgaben seitens der Regierungen hier in Europa würden das in der Form gar nicht zulassen.Noch dazu kommt das es dort nicht nur darum geht günstig Schiefergas zu fördern sondern auch Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten.Gas brauchen wir alle und wenn der letzte Umweltaktivist auf Facebook nichts mehr zu posten hat weil uns die Energie ausgeht ist das Geschrei groß.
cores 01.04.2014
4. optional
..wieviel die Lobbyisten der Frackingindustrie wohl dem CDU-Abgeordneten Michael Fuchs gezahlt hat. Danke Frau Hendricks für die entschiedene Haltung gegen toxische Chemikalien in unserer Erde. Es geht doch gar nicht darum, ob die Fracking-Chemikalien jetzt ins Grundwasser fließen oder nicht - Jahrzehnte später können immer Spuren auftauchen. Und wenn die Chemikalien mal in die Erdschichten gepresst sind, kriegt man sie nie wieder heraus! Also: bitte hart bleiben für den Umweltschutz!
hm.... 01.04.2014
5. ist klar...
was ist eigentlich mit flusskraftwerken oder small scale wasserkraftwerken wie früher die Windmühlen. diese könnten von gemeinden oder auch privatpersonen betrieben werden. wäre ein weg in richtung self sustainable communities. aber klar, die lobby ist halt nicht gerade die stärkste...
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