Herabstufung der US-Bonität Fiasko einer Finanz-Supermacht

Ein Jahrhundert lang galten die USA als unangefochtener Mittelpunkt des Weltfinanzsystems. Nun hat die Rating-Agentur Standard & Poor's dem Land die Bestnote entzogen. Damit wankt die bestehende Ordnung - die aufstrebende Finanzmacht China stellt bereits Bedingungen an Washington.

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Finanzmetropole New York: "Verletzung eines fast religiösen Bekenntnisses"
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Finanzmetropole New York: "Verletzung eines fast religiösen Bekenntnisses"


Hamburg - In der Finanzwelt gibt es drei ungeschriebene Gesetze: Die USA sind die Supermacht des Systems. Der Dollar Chart zeigen ist die Leitwährung für den ganzen Globus. Und amerikanische Staatsanleihen sind eine bombensichere Anlage. Zusammen bilden diese Gesetze die Grundlage der ökonomischen Weltordnung.

Doch diese Ordnung ist ins Wanken geraten - nicht erst seit diesem Wochenende. Dass die weltgrößte Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) am Freitagabend der USA herabgestuft hat, ist für Experten aber ein neuer, deutlicher Ausdruck einer fundamentalen Veränderung. "Die USA waren seit über 100 Jahren der Fixstern des Finanzsystems", sagt Hans-Peter Burghof, Wirtschaftsprofessor an der Universität Hohenheim. "Das ist nun vorbei."

Am späten Freitagabend, nach Börsenschluss in den USA, hatte S&P das getan, was die Agentur schon länger angedroht, aber kaum jemand von ihr erwartet hatte: Sie senkte die Bonitätsbewertung der USA von der Bestnote AAA um eine Stufe auf AA+. Nüchtern betrachtet ist das kein Drama. Viele Industriestaaten haben ähnliche oder noch schlechtere Noten. Doch für die Weltwirtschaftsmacht USA kommt die Herabstufung einem Absturz gleich. Wirtschaftsexperte Burghof spricht von der "Verletzung eines fast religiösen Bekenntnisses".

"Ein neues Bild der wirtschaftlichen Weltordnung"

Die kurzfristigen Auswirkungen sind schnell benannt: "Die USA werden höhere Zinsen auf ihre Schulden zahlen müssen", sagt Hanno Beck, Professor an der Hochschule Pforzheim. "Das macht die Konsolidierung der Staatsfinanzen noch schwerer." Möglicherweise werde es in den kommenden Tagen und Wochen auch zu Turbulenzen auf den Finanzmärkten kommen.

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Doch langfristig könnte der Schritt noch viel dramatischere Folgen haben. "Das verändert das Bild von der wirtschaftlichen Weltordnung - und zwar grundlegend", sagt Burghof. Er sieht die entscheidende Wende schon im Sommer 2007, als die Finanzkrise auf dem US-Immobilienmarkt begann. Seitdem sei der Status der USA als Finanzsupermacht immer weiter in Gefahr geraten.

Zwar gilt der Dollar noch immer als Leitwährung. Und zumindest bis Freitag haben die Anleger auch immer noch fleißig US-Staatsanleihen gekauft. Doch beides war zuletzt mehr Ausdruck eines Mangels an Alternativen denn wirklich fester Überzeugung.

Der Verschuldung der USA ist in den vergangenen vier Jahren sprunghaft angestiegen. Die Investmentbank Lehman Brothers ging pleite. Die einst weltgrößte Bank Citigroup musste vom Staat aufgefangen werden. Die Wirtschaft lahmt, und die Arbeitslosigkeit ist dramatisch hoch. "Die USA haben sich eigentlich immer durch ihre widerstandsfähige Wirtschaft ausgezeichnet", sagt Experte Beck. "Aber in den vergangenen Jahren ist irgendetwas mit dem Land passiert, das sich nur schwer erklären lässt."

China mahnt Ausgabenkürzungen an

Sein Kollege Burghof sieht die Schuld vor allem bei der Politik. "Die USA wissen nicht, wie sie auf die Entwicklungen reagieren sollen", sagt er. "Ökonomisch könnten sie ihr Schuldenproblem sicher lösen, aber sie sind politisch offenbar nicht dazu in der Lage. Damit stellen sie in eine Reihe mit Ländern wie Griechenland, die das auch nicht hinbekommen."

Fraglich ist, wer die Rolle der Finanzsupermacht übernehmen soll, wenn die USA diese tatsächlich aufgeben müssen. Ein potentieller Kandidat meldete sich am Wochenende prompt zu Wort: China. Die "guten alten Tage", in denen sich die US-Regierung einfach durch höhere Schulden aus Krisen befreien konnte, seien vorbei, kommentierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Peking, mit rund 1,2 Billionen Dollar größter ausländischer Gläubiger der USA, habe nun jedes Recht zu verlangen, "dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen". Die US-Regierung müsse ihre Ausgaben für Verteidigung und Sozialhilfe kürzen. Zudem müsse über Alternativen zum Dollar als Weltreservewährung nachgedacht werden.

Auch wenn China mit solchen Kommentaren die USA schon jetzt herausfordert, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis das autokratisch geführte Land zur wirklichen Alternative werden kann. Die chinesische Währung etwa, der Yuan, ist nicht frei handelbar. Sein Kurs wird von der politisch dominierten Zentralbank gesteuert und seit Jahren künstlich niedrig gehalten. "Auch wenn die Ära des Dollar als einziger Leitwährung nun offenbar zu Ende geht: Der Yuan kann ihn noch nicht ersetzen", sagt Wirtschaftsprofessor Beck.

Und auch die Staatsfinanzen sind in China nicht gerade transparent. Die Rating-Agentur Standard & Poor's bewertet die Bonität des Landes übrigens mit AA-, zwei Stufen schlechter als die der USA.

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insgesamt 375 Beiträge
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Seite 1
tumatsch 06.08.2011
1. Vielleicht kommt ja jetzt mehr Ehrlichkeit in das System,
obwohl ich da meine Zweifel habe.
dr.rogenfeld 06.08.2011
2. Glaubwürdigkeit
Zitat von sysopEin Jahrhundert lang galten die USA als unangefochtener Mittelpunkt des Weltfinanzsystems. Nun hat die Rating-Agentur Standard & Poor's dem Land die Bestnote entzogen. Damit wankt die bestehende Ordnung - die aufstrebende Finanzmacht China stellt bereits Bedingungen an Washington. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,778766,00.html
Ich denke die Finanzinvestoren sind auch der Politik eines Herrn Obama überdrüssig.Er hat zwei wertvolle Jahre sinnlos verstreichen lassen,hat die Kriege fortgeführt,keine Steuerreform durchgeführt als er noch die Mehrheit hatte usw..Sein Image hat wohl schon die ersten Kratzer weg.
ray4901 06.08.2011
3. S&p
Zitat von sysopEin Jahrhundert lang galten die USA als unangefochtener Mittelpunkt des Weltfinanzsystems. Nun hat die Rating-Agentur Standard & Poor's dem Land die Bestnote entzogen. Damit wankt die bestehende Ordnung - die aufstrebende Finanzmacht China stellt bereits Bedingungen an Washington. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,778766,00.html
Sorgfältig beobachten, wer im nächsten Jahr Wahlspenden von dieser Firma erhält: Tea Party kann es ja (noch) nicht sein?
Baikal 06.08.2011
4. Tja, wer überall..
Zitat von sysopEin Jahrhundert lang galten die USA als unangefochtener Mittelpunkt des Weltfinanzsystems. Nun hat die Rating-Agentur Standard & Poor's dem Land die Bestnote entzogen. Damit wankt die bestehende Ordnung - die aufstrebende Finanzmacht China stellt bereits Bedingungen an Washington. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,778766,00.html
.. auf der Welt seine Vorstellungen der ökonomischen Ordnung mit Gewalt durchsetzen will wie im Irak, wie in Libyen, wie in Afghanistan muß eben mit der Pleite rechnen - zumal dann, wenn seine Politik von Finanzverbrechern bestimmt wird: 0,1 Prozent der amerikanischen Bevölkerung strichen 2005 12,7 Prozent des jährlichen Volkseinkommens ein. Das muß schief gehen und ist es ja nun auch.Leider sind wir alle betroffen, dank unserer unfähigen und kapitalhörigen "Politiker" vom Schlage Weißnix-Merkel.
sorum11 06.08.2011
5. Zweifelhaft
Dieselben Rating-Agenturen haben damals allen an der Bankenkrise beteiligten Häuser einwandfreie Testate ausgestellt, man kann sie also getrost vergessen bzw. sie müssen umgehend entmachtet werden. Wenn morgen alle Analysten und Rater tot umfielen, krähte kein Hahn danach! Wenn das aber die Müllabfuhr und Krankenschwestern täten... das zeigt doch schon den erbärmlichen Stellenwert dieser Finanz-Herrschaften! Wenn man durch Investmenthäuser geht, sind die Rating-Vertreter auf dem Gang noch blasierter und hochnäsiger als die Investmentbanker und das will was heißen. Nein, die braucht niemand, so wie die Stadtstaaten Berlin, Hamburg, Bremen - abschaffen, alle Arten von Millionengräbern!
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