Herbstprognose der Regierung Brüderle bejubelt Rekordboom 

Die deutsche Wirtschaft wächst - und zwar kräftig. In ihrer Herbstprognose erwartet die Bundesregierung in diesem Jahr einen deutlichen Schub. Wirtschaftsminister Brüderle will den Aufschwung nutzen, um Konjunkturhilfen zu kappen.

Bundeswirtschaftsminister Brüderle: Wachstum und Beschäftigung beflügeln sich gegenseitig
dpa

Bundeswirtschaftsminister Brüderle: Wachstum und Beschäftigung beflügeln sich gegenseitig


Berlin - In ihrer Herbstprognose hob die schwarz-gelbe Bundesregierung besonders die positiven Auswirkungen für den Arbeitsmarkt hervor. Die robuste Konjunkturerholung trage dazu bei, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresschnitt auf rund 2,9 Millionen sinken werde, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Zuletzt waren im Wiedervereinigungsboom Anfang der neunziger Jahre so wenige Menschen ohne Job.

"Wachstum und Beschäftigung gehen Hand in Hand und beflügeln sich gegenseitig", sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Donnerstag bei der Vorstellung der Herbstschätzung in Berlin. "Ein Wachstum wie dieses Jahr hat es seit dem Wiedervereinigungsboom bisher nur einmal gegeben", fügte er hinzu. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Staatshilfen für Banken, Unternehmen sowie die Konjunkturprogramme beendet würden.

Trotz höherer Steuereinnahmen durch den kräftigen Aufschwung will Brüderle keine Abstriche am Sparpaket machen: "Die Sparpolitik wird fortgesetzt." Er sprach sich jedoch für Steuersenkungen aus, mit denen vor allem die Mittelschicht entlastet werden soll. "Ich gehe davon aus, dass wir noch in dieser Legislaturperiode dazu Beschlüsse fassen", sagte der Minister.

Dämpfer im kommenden Jahr

Allerdings dürfte das Wachstum im kommenden Jahr an Schwung verlieren. Die Bundesregierung rechnet mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent und ist damit etwas skeptischer als die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, die plus zwei Prozent vorhersagen. 2010 lege das Bruttoinlandsprodukt um 3,4 Prozent zu. Noch im Frühjahr hatte die Regierung lediglich plus 1,4 Prozent im laufenden und 1,6 Prozent im kommenden Jahr für möglich gehalten. "Der Aufschwung hat nahezu alle Bereiche der Wirtschaft erfasst und nimmt an Breite zu", sagte Brüderle.

In diesem Jahr profitiert die deutsche Wirtschaft von der kräftigen Belebung des Welthandels. Gerade in Schwellenländern wie China oder Indien sei der Bedarf an Investitionsgütern groß. Inzwischen steige auch bei den Unternehmen in Deutschland die Bereitschaft, in neue Bauten oder Ausrüstung zu investieren. Auch der Konsum komme in Schwung. "Die Wachstumskräfte werden sich damit im Verlauf dieses und des nächsten Jahres weiter in Richtung der Binnennachfrage verlagern", teilte das Ministerium weiter mit. Diese werde 2011 knapp drei Viertel des Wachstums ausmachen.

Allerdings dürften die deutschen Exporteure nach Überzeugung von UniCredit-Analyst Andreas Rees die Abkühlung der Konjunktur in China deutlich zu spüren bekommen. Insbesondere die deutsche Automobilindustrie, aber auch die Hersteller hochwertiger Maschinen hatten Anfang 2010 stark von der kräftigen Nachfrage Chinas profitiert. In den kommenden Monaten dürfte sich die Dynamik weiter abschwächen, vermutet Rees.

mik/Reuters/AFP



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ratxi 21.10.2010
1. nichts wissen
Zitat von sysopDie Bundesregierung korrigiert ihre Erwartungen an das Wirtschaftswachstum deutlich nach oben. In ihrer Herbstprognose rechnet* mit einer Zunahme von 3,4 Prozent für dieses und 1,8 Prozent fürs kommende Jahr. Die Zahl der Arbeitslosen sinke auf 2,9 Millionen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,724367,00.html
Bei der Beurteilung des Wachstums sollte man zumindest mit bedenken, dass wir dieses Jahr 4 Feiertage weniger haben als üblich. 1.Mai, 3.Oktober und Weihnachten fielen/fallen jeweils auf´s Wochenende. Ich nehme mal an, schwarz/gelb möchte davon nichts wissen...
Epic Fail 21.10.2010
2. .
Statistiken, mehr muss man dazu eigetlich nicht mehr sagen. Aber wo sollen den bitte die 1,5 Millionen Stellen herkommen um die Arbeitslosenquote zu halbieren ?
Berta, 21.10.2010
3. Ich erlebe hier draußen was anderes
Zitat von Epic FailStatistiken, mehr muss man dazu eigetlich nicht mehr sagen. Aber wo sollen den bitte die 1,5 Millionen Stellen herkommen um die Arbeitslosenquote zu halbieren ?
Und das auch noch ohne aufstocken oder Wohngeld beantragen zu müssen. Außerdem wird man Draußen immer mehr zum Arsch gemacht. Wilder Westen.
rkinfo 21.10.2010
4. Nix Abbau Arbeitslosigkeit
Zitat von Epic FailStatistiken, mehr muss man dazu eigetlich nicht mehr sagen. Aber wo sollen den bitte die 1,5 Millionen Stellen herkommen um die Arbeitslosenquote zu halbieren ?
Normalerweise würde man bei 3-3,5%/a Wachstum, ca. 1-1,5% Inflation und ca. 1% Wegfall von Arbeitsplätzen wg. Produktivität etwa 1-1,5% mehr Stellen oder ca. 0,5 Mill./a ansetzen. Tatsächlich wird für beide Jahre mit 0,3 Mill. geschätzt und dies bei rückläufiger Nachfrage wg. geburtenschwächeren Jahrgängen. Und bald gibts mehr Freizügigkeit in der EU für Arbeitnehmer und die Wirtschaft will ja such externe Fachkräfte anheuern. Die Politik setzt also auf Dauerarbeitslosigkeit und Rentenkürzung per Potemkinsches Dorf Rente 67 oder EU Rente 70 - Idee. Wobei ich Rente 99 für den realen heimlichen Wunsch der Industrie erachte. Die Tea Party will ja schon die ges. Rente der USA abschaffen. Da solls also bald keine Rente und keine Krankenversorgung mehr geben jenseits der Reichen.
Fettnäpfchen 21.10.2010
5. Schönrechnerei und Zweckoptimismus
Alles nur Schönrechnerei und Zweckoptimismus. Objektive Zahlen sind von der Bundesregierung nicht zu erwarten. Frau Merkel benötigt positive Schlagzeilen und entsprechend werden die Zahlen aufbereitet und just zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht. Einfach die Kriterien ändern und schon wird aus einer schlechten eine positive Statistik - siehe Arbeitslosenzahlen. Ein Schelm, wer Böses denkt!
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