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Hilfe in der Schuldenkrise: Selbsternannter Euro-Retter Japan

Von Fabio Ghelli

Eigentlich hat Japan genug eigene Probleme: Der Schuldenberg ist gigantisch, die wirtschaftliche Lage mies, die Atomkatastrophe von Fukushima noch lange nicht vorbei. Doch nun bietet ausgerechnet der Krisenstaat der Euro-Zone seine Hilfe an - wie soll das gehen?

Japanischer Premier Yoshihiko Noda: Ein paar Milliarden für Europa Zur Großansicht
REUTERS

Japanischer Premier Yoshihiko Noda: Ein paar Milliarden für Europa

Die Nachricht klingt wie ein Aprilscherz: Mit milliardenschweren Kapitalspritzen will Japan der EU aus der Schuldenkrise helfen. Wie bitte? Ausgerechnet der Schulden-Weltmeister Japan?

Mit einer Staatsverschuldung, die 220 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht, liegt Japan an der Spitze der am meisten verschuldeten Länder der Welt. Zum Vergleich: Griechenlands Schuldenstand beträgt rund 160 Prozent, der deutsche gut 80 Prozent.

Zudem kämpft Japan mit den finanziellen Folgen der Doppelkatastrophe aus Tsunami und Fukushima-GAU. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird der Wiederaufbau in den betroffenen Regionen jährlich zwei bis vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts erfordern.

Doch die Japaner meinen es ernst. Während einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche kündigte der Finanzminister Jun Azumi an, dass Japan sich "so gut wie möglich" an den Rettungsplänen der EU beteiligen werde: "Die europäischen Länder müssen sich an die Vereinbarungen, die im Krisengipfel am 21. Juli beschlossen wurden, streng halten. Wenn die EU ein wirksames Modell für die Bewältigung der Griechenland-Krise aufbringen kann, schließen wir weitere finanzielle Hilfen nicht aus."

Für die japanische Wirtschaftspresse ist die Botschaft eindeutig: Das Land will weitere Euro-Anleihen kaufen. Seit Januar 2011 hat Japan bereits für fast drei Milliarden Euro Wertpapiere des europäischen Rettungsfonds EFSF gekauft - und sich damit einen nennenswerten Anteil gesichert.

"Haben wir nicht genug mit Fukushima zu tun?"

Ganz uneigennützig sind die Motive der japanischen Regierung allerdings nicht. Es geht Japan nicht in erster Linie darum, den Europäern ihre Solidarität zu zeigen. Vor allem will die Regierung die Aufwertung des Yen aufhalten. Trotz Rekordschulden und Wachstumsschwäche genießt die japanische Währung bei Anlegern nach wie vor einen Ruf als Stabilitätsanker.

Aus Angst vor einem Zerbrechen der Euro-Zone verlegen sie Kapital nach Japan und haben so für das kräftige Plus gesorgt. Bekam man im April noch mehr als 123 Yen für einen Euro, sind es derzeit nur noch rund 105. Damit wurden japanische Produkte im Ausland teurer. Für ein Land, dessen Wohlstand vor allem von Exporten abhängt, ist das keine gute Nachricht.

Takatoshi Ito, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Tokio, ruft die japanische Regierung sogar zu einem noch stärkeren Eingreifen in Europa auf: "Wir sagen, dass die Aufwertung des Yen für uns schädlich ist, tun aber nichts, um den Gründen nachzugehen. Japan muss sich stärker an dem Rettungsplan für die Euro-Zone beteiligen."

Doch zugleich regt sich auch in Japan Widerstand dagegen, dass der Staat Milliarden für Euro-Anleihen ausgibt, während die Tsunami-Region im Nordosten des Landes noch immer in Trümmern liegt. "Haben wir nicht genug mit der Dekontamination und den Obdachlosen in Fukushima zu tun?", fragt ein Kommentator in einem japanischen Internetforum.

Ein anderer schreibt: "Wenn wir die Staatsschulden Europas ausgleichen können, warum können wir nicht dasselbe mit unseren machen? Der Japan-typische Wunsch nach Harmonie und Stabilität ist allerdings auch den Blogs zu entnehmen. Man findet bisweilen Kommentare, die eine überraschende Solidarität mit dem Schicksal Europas zeigen: "Ich weiß nicht, ob wir über das nötige Kapital verfügen. Ich will trotzdem, dass wir uns für Griechenland engagieren."

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1. och nö....
darkangel_ger 04.10.2011
Zitat von sysopEigentlich hat Japan genug eigene Probleme: Der Schuldenberg ist gigantisch, die wirtschaftliche Lage mies, die*Atomkatastrophe von*Fukushima noch lange nicht vorbei.*Doch nun bietet ausgerechnet der Krisenstaat der Euro-Zone seine Hilfe an - wie soll das gehen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,789198,00.html
hey ihr panikmacher ! fukushima ist schon lange vorbei. hört auf mit der dämlichen gehirnwäsche. wie wäre es mal damit: http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13632862/Als-der-rote-giftige-Schlamm-Ungarn-ueberrollte.html
2. - kein Titel -
ugt 04.10.2011
Zitat von sysopEigentlich hat Japan genug eigene Probleme: Der Schuldenberg ist gigantisch, die wirtschaftliche Lage mies, die*Atomkatastrophe von*Fukushima noch lange nicht vorbei.*Doch nun bietet ausgerechnet der Krisenstaat der Euro-Zone seine Hilfe an - wie soll das gehen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,789198,00.html
Diese sagt mir zwei Dinge: Japan glaubt nicht an die Pleite Europas- denn wer kauft ein Pferd wenn er glaubt das es stirbt Japan will will sich den Markt für seine Produkte sichern. Japan sieht zu recht in den amderen Staaten Asiens eine Konkurenz, China, Indien und Thailand sind aufstrebende Nationen. Wenn Japan jetzt sich nur auf seine Probleme konzentriert, dann könnte der Zug abfahren ohne Japan. So schlecht steht Europa ja nicht da, trotz der gewaltigen Probleme.
3. Maerkte sichern, alternativlos!
Altesocke 04.10.2011
Zitat von sysopEigentlich hat Japan genug eigene Probleme: Der Schuldenberg ist gigantisch, die wirtschaftliche Lage mies, die*Atomkatastrophe von*Fukushima noch lange nicht vorbei.*Doch nun bietet ausgerechnet der Krisenstaat der Euro-Zone seine Hilfe an - wie soll das gehen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,789198,00.html
Tja, und das ist vermutlich auch der einzige Grund, warum der Euro auf Talfahrt gehen muss: Damit Exporteure gute Geschaefte machen. Nicht unbedingt mit den dadurch hoeheren Rohstoffkosten, aber mit niedrig bleibenden Lohnkosten: Lohnzurueckhaltung, wenn's boomt, keine Erhoehungen wenn der Euro schwach ist. Geiz ist geil, Unternehmer, oder?
4. Maerkte sichern, alternativlos!
Altesocke 04.10.2011
Zitat von sysopEigentlich hat Japan genug eigene Probleme: Der Schuldenberg ist gigantisch, die wirtschaftliche Lage mies, die*Atomkatastrophe von*Fukushima noch lange nicht vorbei.*Doch nun bietet ausgerechnet der Krisenstaat der Euro-Zone seine Hilfe an - wie soll das gehen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,789198,00.html
Tja, und das gilt ja auch fuer uns. Somit ist dies vermutlich auch der einzige Grund, warum der Euro auf Talfahrt gehen muss: Damit Exporteure gute Geschaefte machen. Nicht unbedingt mit den dadurch hoeheren Rohstoffkosten, aber mit niedrig bleibenden Lohnkosten: Lohnzurueckhaltung, wenn's boomt, keine Erhoehungen wenn der Euro schwach ist. Geiz ist geil, Unternehmer, oder?
5. Default oder Inflation
Stadtpark 04.10.2011
Sowohl die USA, als auch Europa, als auch Japan, als auch die jeweiligen Bankensektoren sind pleite: es ist völlig egal, wer da jetzt wem noch Geld leiht - die Wachstumsraten der genannten industrialisierten Länder sind unterhalb der tatsächlichen Inflationsraten bzw. des Geldmengenwachstums, weil die Zentralbanken die Schulden der Staaten "monetarisieren" (Gelddrucken). Irgendjemand muss den Schaden tragen: entweder über Bankrott die Investoren, oder über Inflation eben alle. Durch die Gloablisierung sind alle so eng miteinander verknüpft, dass es bald schon egal ist, welcher Dominostein zuerst fällt...
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.
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Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise


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