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Hilfspaket von EU und IWF: Griechen-Rettung kostet bis zu 140 Milliarden Euro

Von , Brüssel

Das Rettungspaket für Griechenland steht: Am Sonntag wollen die Euro-Finanzminister die Hilfen für Athen auf den Weg bringen. Diese werden deutlich teurer als gedacht - bis zu 140 Milliarden Euro. Dafür müssen die Griechen ebenfalls nachlegen, das Sparpaket wird noch härter als bislang bekannt.

Akademie der Künste in Athen: Rettung nur unter harten Bedingungen Zur Großansicht
dpa

Akademie der Künste in Athen: Rettung nur unter harten Bedingungen

Die Quasi-Pleite Griechenlands wird für alle Beteiligten deutlich teurer als befürchtet - für die Griechen selbst und für deren europäische Nachbarn. Wenn die Regierung in Athen wie verabredet bis Samstagabend ein umfassendes Sparprogramm für die kommenden Jahre vorlegt, wollen die Finanzminister der 16 Euro-Länder am Sonntag bei einem Treffen in Brüssel ab 16 Uhr endgültig "grünes Licht" für das europäische Rettungsprogramm geben.

Voraussetzung: Die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission halten die griechischen Sparmaßnahmen für stimmig und ausreichend. Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen das Rettungspaket für Athen endgültig auf einem Sondergipfel in Brüssel verabschieden. Dieser wird wohl am 10. Mai stattfinden, einen Tag nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.

Die Experten gehen inzwischen davon aus, dass in Griechenland in den kommenden drei Jahren ein staatlicher Finanzierungsbedarf von 100 bis 120 Milliarden Euro abgedeckt werden muss. Darüber hinaus soll ein Bankenstabilisierungsfonds mit etwa 20 Milliarden Euro gefüllt werden.

Unklar ist noch der Zeitplan: Wann wird wie viel Geld überwiesen? Die Mehrheit der Euro-Länder zieht offenbar eine Zug-um-Zug-Hilfe einer Komplettüberweisung des gesamten Betrags vor. Für die Tranche, die Athen bis spätestens zum 19. Mai. braucht (rund neun Milliarden Euro), könnte eine Änderung des Schlüssels nötig werden, nach dem die Kreditbürgschaften auf die Schultern der Mitglieder in der Währungsunion verteilt werden.

Einsparungen von elf Prozent der Wirtschaftsleistung

Denn es ist nicht absehbar, ob tatsächlich alle Euro-Länder die rechtlich-parlamentarischen Hürden bis dahin genommen haben und entsprechend zahlen oder bürgen dürfen. Entweder tragen dann einige Länder vorübergehend größere Lasten, was dann anschließend wieder ausgeglichen würde, oder die Brüsseler Kommission organisiert eine Zwischenfinanzierung. Nach derzeitigem Stand müsste sich Deutschland zu rund einem Viertel an den EU-Hilfen beteiligen.

Die Bundesregierung prüft zurzeit, die Milliardenhilfen für Griechenland zunächst nur für das laufende Jahr 2010 per Gesetz zu beschließen. Offenbar werden im aktuellen Gesetzentwurf die Belastungen für die Folgejahre 2011 und 2012 nicht mehr erwähnt.

Das Rettungspaket von EU und IWF gibt es für Griechenland nicht ohne Bedingungen. Um sich der Milliardenhilfen bedienen zu dürfen, müssen die Griechen vorab ein gewaltiges Sparprogramm vorlegen. Damit sollen bis 2014 insgesamt elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eingespart werden - das sind rund 25 Milliarden Euro. Auf Deutschland übertragen entsprächen elf Prozent des BIP einem Sparumfang von mehr als 250 Milliarden Euro.

Und für die Griechen kommt es noch dicker: Von ihrem Gesamtvolumen müssen sie sechs Prozent der Wirtschaftsleistung bereits in den Jahren 2010 und 2011 erbracht werden.

Zu den wichtigsten Elementen des Athener Überlebenskonzepts gehören:

  • dreijähriges Einfrieren der Löhne und Gehälter im Öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft,
  • Abschaffung des 13. und 14. Gehaltes im Öffentlichen Dienst,
  • Abschaffung von Sonderzahlungen (für Ostern, Urlaub und Weihnachten ) für Pensionen des Öffentlichen Diensts und der Privatwirtschaft,
  • Solidaritätsabgabe bei Pensionen von mehr als 1400 Euro pro Monat,
  • gleiches Pensionsalter für Frauen und Männern im Öffentlichen Dienst.

Zusätzlich zu diesen harten Maßnehmen kommen auf die Griechen Steuer- und Abgabenerhöhungen auf breiter Front zu, von der Tabak- bis zur Mehrwertsteuer. Sie können einem fast leidtun.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 187 Beiträge
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1. ....
mm01 30.04.2010
Zitat von sysopDas Rettungspaket für Griechenland steht: Am Sonntag wollen die Euro-Finanzminister die Hilfen für Athen verabschieden. Diese werden jedoch deutlich teurer als gedacht - bis zu 140 Milliarden Euro. Dafür müssen die Griechen ebenfalls nachlegen - das Sparpaket wird noch härter als bislang bekannt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,692357,00.html
Teuerer als gedacht? Der dämliche deutsche Michel wusste offensichtlich mehr als unsere selbsternannten "Experten". Bei den 140 Mrd. Euro wird es wohl nicht bleiben.
2. Vielleicht
elwu, 30.04.2010
habe ich es ja nur überlesen, aber wo ist der Solidaritätsbeitrag der oberen Schichten? Der Konzerne, Erben, Vermögenden, Menschen mit hohem Einkommen?
3. Die Wähler
Nothing is irreversible 30.04.2010
in NRW haben also die wunderbar demokratische Option zu zeigen was sie von diesem Plan halten…
4. ???
brux 30.04.2010
Warum sollen einem die Griechen leid tun? Sie muessen jetzt eben das tun, was sie 30 Jahre versaeumt haben (und was sie mit krimineller Energie verschleiert haben). Die Deutschen haben doch vorgemacht, wie man vom Saulus (Weltkrieg samt Endloesung) zum Paulus (am meisten respektierte Nation in der Welt laut BBC) werden kann. Und die Griechen haben ja immer noch das bessere Wetter.....
5. Wahnsinn
gunman, 30.04.2010
Das Geld sehen wir doch nie wieder. Wahnsinn! Alles ohne Wertschöpfung. Das Ergebnis werden Infaltion und eine Währungsreform sein.
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Staatsanleihen
Wie die Märkte die Renditen bestimmen
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Ein Staat legt eine Anleihe zum Stückpreis von 1000 Euro auf – mit einem festen Zinssatz von 5 Prozent auf den Ausgabepreis. Ein Anleger erhält also jedes Jahr 50 Euro Zinsen.
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Das Vertrauen, dass der Staat seine Schulden zurückzahlt, schwindet. Anleger verkaufen die Anleihe, der Preis sinkt – beispielsweise auf 900 Euro. Ein Käufer erhält dennoch 50 Euro Zinsen – was aber, bezogen auf den Kaufpreis, einer laufenden Rendite von nun 5,6 Prozent entspricht. Dazu erhält der Anleger am Ende der Laufzeit ja 1000 Euro zurück, was die Rendite, nach einer komplizierten Formel, sogar noch weiter erhöht – bei einer Restlaufzeit von 3 Jahren beispielsweise auf 9 Prozent.
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Der Staat muss nun, wenn er neue Schulden macht, mindestens 9 Prozent bieten. Sonst würde es sich für Investoren lohnen, die alten (oder umlaufenden) Anleihen zu kaufen.

EU-Rettungsplan für Griechenland
Die Hilfe
Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.
Das Geld
Wirtschaftsminister Brüderle beziffert den Finanzbedarf Griechenlands auf 135 Milliarden Euro für drei Jahre. Für das laufende Jahr braucht Athen 45 Milliarden Euro. Davon entfielen auf den IWF 15 Milliarden Euro, auf die Euro-Staaten 30 Milliarden Euro. Die bilateralen Kredite sollen erst nach einem einstimmigen Beschluss der 16 Euro-Länder fließen.
Die Kosten
Deutschland müsste den größten Teil der Euro-Hilfen übernehmen. Dem Vernehmen nach entfielen auf die Bundesrepublik entsprechend ihrem Kapitalanteil an der Europäischen Zentralbank (EZB) 27 Prozent der Gesamtsumme. Das wären für 2010 8,4 Milliarden Euro. Für die folgenden Jahre steht noch keine Summe, Wirtschaftsminister Brüderle stellte aber eine Gesamtsumme von 25 Milliarden Euro in den Raum. Derzeit werde geprüft, ob griechische Anleihen gekauft oder über die Staatsbank KfW mit Bundesbürgschaften abgesicherte Kredite vergeben werden. Es zeichne sich die KfW-Lösung ab.
Die Sanktionen
Um das Anhäufen von Rekordschulden künftig zu verhindern, sollen die Sanktionen verschärft werden. Eine Expertengruppe soll bis Ende des Jahres "alle Optionen ausloten, um den Rechtsrahmen zu stärken". Merkel hatte als äußerstes Mittel einen Ausschluss von Ländern aus der Euro-Zone ins Gespräch gebracht. In dem Text werden aber noch keine konkreten Sanktionen genannt.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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