Zypern-Rettung: Moskau bezichtigt Euro-Gruppe des Diebstahls

Von , Moskau

Kommissionspräsident Barroso, Russen-Premier Medwedew: Bilder der Entfremdung Zur Großansicht
AFP

Kommissionspräsident Barroso, Russen-Premier Medwedew: Bilder der Entfremdung

Die Ergebnisse der Einigung zur Zypern-Rettung stoßen in Russland auf harsche Kritik. Premier Medwedew wirft Brüssel Diebstahl vor. Das Staatsfernsehen vergleicht die Zwangsabgabe für Investoren sogar mit der Enteignung der Juden in Nazi-Deutschland.

Das Urteil in Russlands Staatsfernsehen zu Europas Bemühungen um eine Zypern-Rettung fiel vernichtend aus. Die vergangene Woche werde "als eine zerstörerische in die Geschichte der EU eingehen", verkündete Dmitrij Kisseljow im Sender "Rossija" am Sonntagabend. Der Moderator der beliebten Nachrichtensendung "Westi Nedeli" griff die geplante Zwangsabgabe auf Guthaben bei zyprischen Banken scharf an.

Das letzte Mal sei eine Regierung in Westeuropa derart rücksichtslos vorgegangen, als Adolf Hitler die Juden enteignet habe. Die Propaganda der Nazis habe die Gelder der Juden damals als "schmutzig" bezeichnet - genauso diskutiere Europa auch über russische Vermögen auf Zypern. "Die neue Weltordnung wird gegen Russland errichtet, auf Kosten Russlands und auf den Trümmern Russlands", bestätigt ein von der Mittelmeerinsel zugeschalteter Korrespondent.

"Stehlen, was bereits geraubt worden war"

Das Tauziehen um Zyperns Rettung hat Moskau nachhaltig vergrätzt, der Kreml fühlt sich übergangen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso weilte zwar in der vergangenen Woche zu Gesprächen in Moskau. Doch auch Europas zweiter Versuch, Zyperns drohende Banken- und Staatspleite abzuwenden, stößt in Russland auf keine Gegenliebe.

Europa setze auf Zypern die Praxis fort, zu "stehlen, was bereits geraubt worden war", so Premierminister Dmitrij Medwedew. Der Regierungschef spielte damit auf Anlagen russischer Oligarchen auf der Mittelmeerinsel an, die durch eine Zwangsbeteiligung an der Rettung beteiligt werden sollen.

Medwedew wies seinen Vizepremier Igor Schuwalow an, die Situation auf Zypern genau unter die Lupe zu nehmen, um "Folgen für das internationale Finanz- und Währungssystem und unsere Interessen" abschätzen zu können.

Europa hilft Nikosia mit 10 Milliarden Euro. Die Laiki-Bank, das zweitgrößte Geldhaus der Insel, wird abgewickelt. Gläubiger, Anteilseigner und Großkunden mit mehr als 100.000 Euro Einlagen der Bank of Cyprus aber müssen mit herben Verlusten rechnen. In Berichten ist die Rede von bis zu 30 Prozent. Davon dürften auch viele russische Geschäftsleute betroffen sein. So ist der Oligarch Dmitrij Rybolowlew mit mindestens 5 Prozent an der Bank of Cyprus beteiligt.

Hilfsgelder aus dem Kreml

Kritik an Europas Krisenmanagement kam auch von Seiten des ehemaligen Finanzminister Alexej Kudrin. "Die hauptsächliche Verantwortung für die Situation auf Zypern liegt bei der EU und ihren Aufsichtsbehörden", schrieb er beim Kurznachrichtendienst Twitter. Für die geplante Beteiligung von Investoren zeigte Kudrin dagegen Verständnis: "Der Privatsektor muss sich an der Lösung der Probleme beteiligen, sonst verliert er noch mehr".

Unterdessen wurde bekannt, dass der Kreml Nikosia doch mit eigenen Hilfsgeldern unter die Arme greifen könnte. Präsident Wladimir Putin habe die Regierung angewiesen, die Bemühungen der Euro-Gruppe zu unterstützen, sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow.

Geplant ist eine Verlängerung eines russischen 2,5-Milliarden-Euro-Kredits, den Moskau Nikosia bereits 2011 gewährt hatte. "Präsident Putin hält es für möglich, die Anstrengungen des zyprischen Präsidenten und auch der EU-Kommission zu unterstützen", sagte Peskow.

Am Freitag hatte Moskau Verhandlungen mit Zyperns Finanzminister Michalis Sarris noch für ergebnislos beendet erklärt.

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insgesamt 181 Beiträge
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1. Da bin ich doch tatsächlich
thorsten wulff 25.03.2013
mit Dmitrij Kisseljow einer Meinung… Die EU wird von ihrer eigenen Inkompetenz überrollt.
2. Keine Begeisterung bei den Russen?
ratem 25.03.2013
Dass die Russen wenig Begeisterung zeigen, kann ich verstehen. Es sollte uns aber relativ egal sein. Wenn ich mich recht entsinne weilte vor der Einigung mit der EU ein zypriotischer Regierungsvertreter in Moskau ... und wurde dort ergebnislos abgewiesen. Es ist also nicht so, dass Moskau keine eigene Chance hatte einzugreifen. Als nächstes werden dann noch die Briten zetern ... Russland und England sind ja die Hauptanleger für Gelder in Zypern. Doch letzlich kann uns deren angelegtes Geld ziemlich egal sein. Wichtig ist, dass der Staat selbst und seine Bevölkerung überleben kann.
3. Russland sollte nicht unterschlagen
lackehe 25.03.2013
dass ein Großteil der Gelder aus Diebstählen/Unterschlagungen stammen. Das Geld wurde vorher den russischen Bürgern enteignet und zwar von denen, die es heimlich außer Landes brachten, es auf Zypern gegen Gebühr waschen ließen. Entzogen werden die Gebühren, das Geld bleibt. Russland sollte beantragen, es der russischen Staatskasse zu geben. Ich denke, dass russische Bürger sehr wohl wissen, dass Russland auch Banken hat.
4.
Methados 25.03.2013
Zitat von sysopAFPDie Ergebnisse der Einigung zur Zypern-Rettung stoßen in Russland auf harsche Kritik. Premier Medwedew beschuldigt Brüssel des Diebstahls. Das Staatsfernsehen vergleicht die Zwangsabgabe für Investoren sogar mit der Enteignung der Juden in Nazi-Deutschland. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hilfspaket-zypern-rettung-veraergert-moskau-a-890802.html
russland hat schon recht, dennoch freut es mich. aber nur, wenn sich heraustellt, dass letzte woche überhaupt noch ein cent russland-geld in zypern verblieben ist. und davon gehe ich nicht aus.
5. Ich kann die Aufregung dieser Herren nachvollziehen.
auweia 25.03.2013
Keiner lässt sich gern Geld vom persönlichen Konto abziehen. Und die mir bekannten höheren russischen Beamten (zugegeben unrepräsentative Stichprobe) haben alle (!) ein Konto im Ausland. Aber die Kommunikation war ja auch grottig. Statt zu sagen: "Wir nehmen dir 10 % weg" hätte man anbieten können: "Wir helfen mit unserem Geld, damit Du 90 % behalten kannst."
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