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Mögliche Präsidentschaftskandidatur: Hillary ist Wall Streets Liebling 

Von , New York

Bald könnte Hillary Clinton ihre Kandidatur für die US-Präsidentschaft verkünden. Eine Lobby steht schon hinter ihr: die Finanzbranche.

Hillary Clinton (im September 2014): Kommt zu mir, ihr Spender! Zur Großansicht
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Hillary Clinton (im September 2014): Kommt zu mir, ihr Spender!

Der Saal im Herzen des Finanzviertels protzt mit Marmorsäulen und Monumentalfresken. Einst die Schalterhalle der Cunard-Reederei, gehört die Luxusimmobilie heute dem Edelrestaurant Cipriani, das sie für VIP-Events vermietet. Gerne treffen sich hier die Mächtigen der Wall Street, der berühmte Bronzebulle steht gleich gegenüber, die Börse ist nur ein paar Schritte entfernt.

Zum Beispiel an jenem Abend im März: Da speisten Banker und Konzernchefs, Millionäre und Milliardäre an blumengeschmückten Tischen, während die Sängerin Carole King für gepflegte Untermalung sorgte.

Ganz vorne, am Ehrentisch: Bill, Hillary und Chelsea Clinton.

Das Dreigestirn präsidierte über die Jahresgala der Clinton-Stiftung, die 2014 fast 200 Millionen Dollar an Spenden einnahm, meist für Projekte in der Dritten Welt. Auch diesmal griffen die Gäste tief in die Tasche: Bis zu 25.000 Dollar kosteten die Tickets für die Clinton-Audienz.

Aber es ging um viel mehr: Die geschlossene Gesellschaft diente, wie es die "Washington Post" formulierte, auch als "De-Facto-Auftakt" für die Präsidentschaftskandidatur Hillary Clintons.

Schon bald könnte Clinton diese Ambitionen offiziell machen. Weshalb das Stiftungsdinner eine problematische Optik bot: Die Demokratin und selbsternannte Vorkämpferin für die Interessen der Durchschnittsamerikaner im Kungelkreis der Finanzmogule.

Nicht erst da offenbarte sich Clintons politischer Zwiespalt. Auf der einen Seite ihre meist bankenfeindliche Wählerbasis - auf der anderen die Wall Street, ohne deren Millionen ein Einzug ins Weiße Haus schwer wird.

Goldman Sachs auf dem Parket der US-Börse: "Das Geld steht hinter ihr" Zur Großansicht
REUTERS

Goldman Sachs auf dem Parket der US-Börse: "Das Geld steht hinter ihr"

Auch US-Präsident Barack Obama übte diesen Spagat in seinen zwei Wahlkämpfen. Nicht immer erfolgreich: 2012 nahm ihm die Wall Street seine populistischen Sticheleien gegen die "Bonzen" so übel, dass sie sich mit ihren Spenden fast einmütig hinter den Republikaner Mitt Romney stellte.

Für Clinton droht die Gefahr nun andersherum: Die Wall Street liebt sie.

Das zeigte sich schon im Vorwahlkampf von 2008, als ihr die Branche 7,3 Millionen Dollar zukommen ließ - eine Million Dollar mehr als Obama. "Das Geld steht hinter ihr", sagte ein Finanzier der Website "Politico". "Es ist für sie da, wenn sie es will."

Connections zur Wall Street tief verwurzelt

Zugleich aber muss Clinton ihrer Partei und den Wählern nun glaubhaft machen, dass sie weiter auf der Seite des kleinen Mannes steht - ein schnell als scheinheilig zu enttarnender Spagat, der sie Stimmen kosten könnte.

Clintons Connections zur Wall Street sind tief verwurzelt. Schon ihr Mann umgarnte die Banker. So machte er Citigroup-Chairman Robert Rubin zum Wirtschaftsminister - eines von zahllosen Beispielen für die "Drehtür" zwischen der Wall Street und Washington, die sich auch unter Obama dreht.

Gut vernetzt: Hillary Clinton und Tochter Chelsea (auf einer Stiftungssitzung) Zur Großansicht
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Gut vernetzt: Hillary Clinton und Tochter Chelsea (auf einer Stiftungssitzung)

Als Senatorin war Hillary Clinton die wichtigste Ansprechpartnerin der Wall Street im Kongress. Mit vielen Bankern ist sie privat befreundet. Man trifft sich in Manhattan oder in den Hamptons, der bevorzugten Sommerfrische der reichen Amerikaner.

Seit ihrem Abschied vom Außenministerium tritt Clinton außerdem gerne auf als Gastrednerin für Wall-Street-Konzerne wie Goldman Sachs, JP Morgan Chase, die Private-Equity-Gruppe Carlyle und die Investmentfirma KKR. Clintons Honorar: mindestens 200.000 Dollar - pro Rede.

Am engsten mit der Wall Street verbandelt ist Clinton aber über die Stiftung. Die Bill, Hillary & Chelsea Clinton Foundation fungiert als lukratives Netzwerk für Wirtschaftslenker und Politiker aus aller Welt. Die Grenzen zwischen Privatem und Politischen verschwimmen dabei oft.

Das setzt Clinton unter Druck. Denn die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich wird nächstes Jahr ein Top-Wahlkampfthema werden - und die Mehrheit der Amerikaner sieht die Wall Street als mitverantwortlich für die zunehmende Ungleichheit.

Schon halten progressive Demokraten Clinton vor, die Prinzipien der Partei zu verraten. Allen voran Martin O'Malley, der populäre Gouverneur von Maryland und potenzielle Präsidentschaftskandidat, und die Senatorin Elizabeth Warren, die die Großbanken zerschlagen will.

Was die Banken davon halten, machten sie schnell klar: Sollten sich solche Ideen bei den Demokraten durchsetzen, so drohten sie der Agentur Reuters zufolge, dann würden sie der Partei den Geldhahn zudrehen.

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insgesamt 73 Beiträge
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1. ist das was neues?
maki1961 02.04.2015
Geld regiert die welt. man kann aber auch sagen "willst du nicht mein bruder sein schlag ich dir den Schädel ein" keine kohle und aus die maus. so einfach geht Demokratie und nicht nur in der USA.
2. Nun könnte man denken dass...
spon72 02.04.2015
...eine weibliche und dazu noch demokratische Kandidatin ein Art Segen für die Welt ist. Weit gefehlt, Hillary Clinton wäre, wie auch ihr Vorgänger, kein Heilsbringer für die krisengeschüttelte Welt, in der sich die USA weiterhin als Polizei aufspielen. Nein, im Gegenteil, nicht nur die Wall Street steht hinter der ehemaligen First Lady, nein auch eine Organisation namens Scientology. Clinton steht z.B. für Narconon, einem Fond der "Kirche", welcher offiziell gegen Drogenmissbrauch vorgehen soll. Damit sind aber nicht nur schädliche Drogen, sondern auch Medikamente gemeint, die in der Scientology-Lehre verteufelt werden. Zudem wird die Sekte immer wieder mit dem US-Außenministerium in Verbindung gebracht, welches Staaten immer wieder unter Druck setzt, wenn sie Scientology verbieten wollen (Beispiel Griechenland und Russland). Genau dieser Präsidentschaftswahlkampf zeigt deutlich die Krux, in der sich unsere Welt befindet. Der US-Bürger hat die berühmte Wahl zwischen Pest und Cholera. Denn betrachtet man die in Frage kommenden republikanischen Kandidaten, wird einem echten Demokraten erst recht Angst und Bange.
3. Das beweisst leider...
wittchen2000 02.04.2015
dass die U.S.A. im Grunde gar keine Demokratie ist. Die Bürger haben gar keine Wahl. Die Kandidaten werden vorher durch die Finanzindustrie mittels "Campaign Donations" ausgewählt. Wer nicht die Millionen-Funds raisen kann kann nicht kandidieren und damit auch nicht Präsident werden. Politische Diskussionen finden garnicht erst statt, stattdessen wird die öffentliche Debatte auf Scheindiskussionen über persönliche Dinge und Nebensachen (so wie bei Hillary gerade die Email-Affaire) umgelenkt. Und jetzt soll tatsächlich der Bruder von G.W. Bush auch noch kandidieren. Wie kann es nur zu sowas kommen! Macht einem halt Angst dass es in Deutschland nicht bald auch so wird. Man kann Merkel ja vieles Vorwerfen, aber wenigstens scheint sie Vernuftsgründen zugänglich zu sein, das schätze ich wirklich an ihr.
4. Gestern im hr
nick115 02.04.2015
kam eine erkenntnisreiche Zusammenfassung der Ursachen für die Finanzkriese heimischer Banken...Deregulierung des Marktes nach angelsächsischem Vorbild zur Perversion getrieben durch den kontrollfreien Weiterverkauf von vergebenen Krediten. Die Aufsichtsbehörden sind nicht mehr in der Lage zu verstehen, was da gehandelt wurde und wird. Einziger richtiger Gegner als Finanzminister seit Weigel soll 2001 Lafontaine gewesen sein. Aber als der mit den Kapitalverkehrskontrollen um die Ecke kam, soll es zu dem O-Ton von Fischer zum ersten Finanzminister Lafontaine gekommen sein: "Du glaubst doch nicht, dass du gegen die Wall Street regieren kannst" Die Kriese 2008/2009 hat leider nicht dazu beigetragen, dass dieses Spielcasino geschlossen wird. Nein die Staaten, insbesondere bei uns die EZB, verteilen Millionenfach Spielgeld am Eingang! Und weil die Affen Zucker wollen, werden die Clinton so mit Finanzmitteln überschütten, dass sie es auf jeden Fall ins Weiße Haus schafft. Gestern im Beitrag brachte es glaube ich der ehemalige Chef vom Investment Banking der Commerzbank auf den Punkt. Es gibt weltweit gesehen einfach zu viele Schulden und es wird aus Geld Geld verdient. Früher wurde Geld des einen zum festen Zins an einen anderen verliehen. Der Kredit blieb bis zum Ende bei der Bank. Nach der Deregulierung wurden daraus Finanzprodukte gebaut, wo ich immer nicht begreife, wie die funktionieren...Bisher hat der deutsche Steuerzahler 74 Milliarden € nur für die heimische Bankenrettung ausgegeben (IKB, Commerzbank, Landesbanken, Hypo Real Estate u.a.), mal sehen ob das System das Platzen der Draghi Blase überlebt und wie unser Land danach aussieht :\
5.
wittchen2000 02.04.2015
Zitat von spon72...eine weibliche und dazu noch demokratische Kandidatin ein Art Segen für die Welt ist. Weit gefehlt, Hillary Clinton wäre, wie auch ihr Vorgänger, kein Heilsbringer für die krisengeschüttelte Welt, in der sich die USA weiterhin als Polizei aufspielen. Nein, im Gegenteil, nicht nur die Wall Street steht hinter der ehemaligen First Lady, nein auch eine Organisation namens Scientology. Clinton steht z.B. für Narconon, einem Fond der "Kirche", welcher offiziell gegen Drogenmissbrauch vorgehen soll. Damit sind aber nicht nur schädliche Drogen, sondern auch Medikamente gemeint, die in der Scientology-Lehre verteufelt werden. Zudem wird die Sekte immer wieder mit dem US-Außenministerium in Verbindung gebracht, welches Staaten immer wieder unter Druck setzt, wenn sie Scientology verbieten wollen (Beispiel Griechenland und Russland). Genau dieser Präsidentschaftswahlkampf zeigt deutlich die Krux, in der sich unsere Welt befindet. Der US-Bürger hat die berühmte Wahl zwischen Pest und Cholera. Denn betrachtet man die in Frage kommenden republikanischen Kandidaten, wird einem echten Demokraten erst recht Angst und Bange.
Freut mich zu lesen dass anderen das auch aufgefallen ist! Wer sich genauer informieren will, die Doku "Das Office of Special Affairs - O.S.A." von Marcus Thöß ist wirklich hervorragend gemacht und gibt zu denken!
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