Volksabstimmung: Schweizer wollen Manager-Gehälter begrenzen

Kampagne gegen Gehälter-Limit: Aktionäre sollen mehr Rechte zum Einspruch bekommen Zur Großansicht
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Kampagne gegen Gehälter-Limit: Aktionäre sollen mehr Rechte zum Einspruch bekommen

Horrende Gehälter und Bonuszahlungen erregen in der Schweiz seit Jahren die Gemüter - die Unternehmen ließen die Einwände bisher kalt. Jetzt sollen sie per Gesetz zu einem Limit gezwungen. Die Volksabstimmung dafür erreichte eine klare Mehrheit.

Bern - Überzogene Millionenvergütungen für Spitzenmanager könnten in der Schweiz bald der Vergangenheit angehören: Bei einer Volksabstimmung haben sich laut amtlichen Ergebnis 67,9 Prozent der Abstimmenden für eine entsprechende Initiative ausgesprochen. Das meldet die Schweizer Nachrichtenagentur sda.

Bereits Trendrechnungen des Forschungsinstituts gfs.bern nach Schließung der Stimmlokale am Sonntag hatten "ein deutliches Ja zwischen 60 und 70 Prozent" für die Initiative "gegen die Abzockerei" prognostiziert. Hinter dem Gesetzesvorschlag steht der Unternehmer und unabhängige Abgeordnete Thomas Minder.

Die nach Minder benannte Initiative zielt darauf ab, Exzesse bei Bonuszahlungen, Abfindungen und Gehältern für Manager börsennotierter Unternehmen durch die Stärkung der Aktionärsrechte zu unterbinden.Über die Höhe von Managervergütungen sollen die Aktionäre jährlich entscheiden können. Verstöße gegen entsprechende gesetzliche Regelungen sollen mit bis zu drei Jahren Gefängnis und hohen Geldbußen bestraft werden können.

Schweizer Manager gehören zu den Spitzenverdienern:

  • 15 Millionen Schweizer Franken (zwölf Millionen Euro) verdiente der Novartis-Chef Daniel Vasella im Jahr 2011.
  • 12,5 Millionen Schweizer Franken gingen an den Roche-Chef Severin Schwan.
  • 11,2 Millionen Franken bekam Paul Bulcke von Nestlé.
  • Zehn Millionen Franken verdiente Ernst Tanner vom Schokoriesen Lindt & Sprüngli.
  • Durchschnittlich acht Millionen Euro verdiente ein Konzernchef 2011 in der Schweiz - verglichen mit 6,7 Millionen Euro in Deutschland oder Großbritannien.

Unisono hatten Schweizer Unternehmen gewarnt, dass so weitgehende Einschränkungen, wie in der Anti-Abzocker-Initiative festgeschrieben, der Wettbewerbsfähigkeit schweren Schaden zufügen würden. "Die Initiative schwächt den Werkplatz Schweiz" von Economiesuisse ist überall im Land auf Riesenpostern neben den Gesichtern erfolgreicher Unternehmer zu lesen.

Acht Millionen Franken hat der Verband dafür der Schweizer "Wochenzeitung" zufolge in seine Kampagne gesteckt - und damit das 40fache der lediglich 200.000 Franken der Abzocker-Initiative. Anfangs schien das Wirkung zu zeigen. Die Zustimmung zur Initiative ging zurück. Bis in der heißen Phase des Meinungskampfes der 72-Millionen-Franken-Handschlag von Novartis an seinen Ex-Chef Vasella für Furore sorgte.

Minder hatte sich am Sonntag erfreut über den klaren Ja-Trend geäußert. "Ich bin froh, dass der lange Kampf vorbei ist", sagte er im Schweizer Fernsehen SRF. Nun beginne der Kampf um die Umsetzung. "Man weiß ja, wie zerstritten das Parlament ist", sagte Minder. Die eidgenössischen Abgeordneten hatten jahrelang um die Initiative und Gegenvorschläge gerungen, bevor das Volksbegehren endlich am Sonntag zur Abstimmung gelangte.

mik/ore/dpa

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insgesamt 113 Beiträge
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1. Verdient?
Buddler 03.03.2013
Niemand auf dieser Welt "verdient" 10 oder 12 Mio. Franken oder Euro oder Dollar, wo auch immer sich diese - wenn auch hoch positionierten ANGESTELLTEN betätigen. Was die Börse von Daniel Vasella hielt, kam im Kurssprung nach oben zum Ausdruck, als sein Rücktritt bekannt wurde.
2.
Michels Pierre 03.03.2013
Zitat von sysopDPAHorrende Gehälter und Bonuszahlungen erregen in der Schweiz seit Jahren die Gemüter - die Unternehmen ließen die Einwände bisher kalt. Jetzt werden sie wohl bald per Gesetz zu einem Limit gezwungen. Erste Hochrechnungen der Volksabstimmung deuten auf eine klare Mehrheit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hochrechnung-schweizer-votieren-fuer-limits-bei-manager-gehaeltern-a-886602.html
Ein dickes Lob für die schweizer Bürger. Wenn es endlich auch in anderen europäischen Ländern zu der Möglichkeit der Volksabstimmungund kommen würde wären viele Ungerechtigkeiten schneller aus der Welt geschafft.
3. Dumme Argumente....
weber-seeheim 03.03.2013
Die Argumente der Unternehmen gegen eine Deckelung der Gehälter sind lachhaft! Kein Manager wird besser dadurch, dass er anstatt 500.000,- Franken 15 MioFranken verdient! Das Gegenteil ist der Fall: zu hohe Gehälter machen satt und faul! Und die Überbezahlten verlieren den Anschluss an das "normale Leben" in der Arbeitswelt.
4. Danke!
pituffo 03.03.2013
Danke an die Schweizer, dass sie so mutig sind, diese längst überfällige ethische Diskussion aufzugreifen und voran zu treiben. Verantwortung muss angemessen entlohnt werden, keine Frage. Aber dann muss auch Verantwortung übernommen werden. Und von angemessen kann in vielen Fällen einfach nicht mehr die Rede sein. Wenn viele buckeln und knapsen und einige den Hals nicht voll genug bekommen können, führt das nur in einen gesellschaftlichen Abgrund. Möge dieses klare STOPP der Schweizer in ganz Europa zu einer ethischen Diskussion und einem nachfolgendem Wandel führen. Die Schweizer haben bei mir jedenfalls den Sympathiepreis des Jahres gewonnen.
5. Also bei den schweizern funktioniert das.
Badischer Revoluzzer 03.03.2013
Bin mal gespannt auf die Argumentation der Deutschen, weshalb es nicht auch in Deutschland funktionieren kann.
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