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Höhere Steuern für Vermögende: "Ein bisschen Populismus"

Immer mehr Reiche fordern höhere Steuersätze. Auch der Ex-Banker und Multimillionär Harald Christ plädiert dafür, Vermögende stärker an der Finanzierung des Staates zu beteiligen. Einigen der Möchtegern-Steuerzahlern wirft er im Interview aber Populismus vor.

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Yachthafen von St. Tropez: Hier ballt sich das Vermögen

SPIEGEL ONLINE: Herr Christ, plötzlich wollen auch reiche Deutsche höhere Steuern zahlen und folgen dem Vorbild des US-Milliardärs Warren Buffett. Wie ist diese überraschende Spendierfreudigkeit zu erklären?

Christ: Bei diesen Äußerungen ist auch immer ein bisschen Populismus dabei. Einige der Reichen, die jetzt höhere Steuern fordern, zahlen bisher gar keine - zumindest nicht in ihrem Land. Und sie fordern jetzt etwas, dass mit einiger Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht eintritt - der Ruf nach höheren Reichensteuern ist vor allem eine gute PR-Arbeit.

SPIEGEL ONLINE: Aber sind die Staaten nicht dumm, wenn sie sich diese potentiellen Einnahmen entgehen lassen?

Christ: Man darf nicht vergessen, dass sich nur eine Minderheit der Reichen in diese Richtung äußert. Die Mehrheit will ganz sicher keine höheren Steuern zahlen - obwohl das notwendig wäre.

SPIEGEL ONLINE: Seit Sie vor vier Jahren Ihre Anteile an der Fondsgesellschaft HCI verkauft haben, sind sie Multimillionär. Ihr Vermögen wird auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Würden Sie darauf auch Vermögenssteuern zahlen?

Christ: Zu meinen Vermögensverhältnissen äußere ich mich grundsätzlich nicht. Aber ich finde es selbstverständlich, dass ich höhere Steuern zahle als Normalverdiener. Und ich bin auch bereit, noch mehr zu bezahlen, wenn es der Stabilisierung des Wohlstands in diesem Land dient. In schwierigen Zeiten wie diesen müssen stärkere Schultern auch größere Lasten tragen. Ob das jetzt ausgerechnet die Vermögenssteuer sein muss, ist eine andere Frage. Da ist der Aufwand sehr hoch, verglichen mit den vergleichweise geringen Einnahmen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Steuer ist denn am besten geeignet, um die Reichen stärker an der Finanzierung des Staates zu beteiligen?

Christ: Ich halte nicht viel von so pauschalen Steuern wie Erbschafts- oder Vermögenssteuer. Sinnvoller wäre eine Abgabe auf Zeit, die an einen bestimmten Zweck gebunden ist. Also zum Beispiel eine Steuer für Bildung oder für die Verbesserung der Kinderbetreuung. Da fände man bestimmt auch viele Reiche, die gerne mitmachen würden. Es fällt einem als Vermögender nämlich leichter, höhere Steuern zu zahlen, wenn man weiß, dass mit dem Geld auch sinnvoll umgegangen wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind Mitglied der SPD. In deren Regierungszeit von 1998 bis 2009 ist der Spitzensteuersatz gesunken statt gestiegen. War das ein Fehler?

Christ: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Als die Regierung unter Gerhard Schröder 1998 die Senkung des Spitzensteuersatzes beschlossen hat, bewegte sich Deutschland auf einen ausgeglichenen Haushalt zu. Da lag es nahe, durch Steuersenkungen das Wachstum zu stärken. Trotzdem wäre es besser gewesen, den Satz bei 53 Prozent zu belassen und das Geld stattdessen in Forschung, Entwicklung und Bildung zu investieren. Denn das sind die Bereiche, in denen wir jetzt massive Probleme bekommen.

Das Interview führte Stefan Kaiser

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Zur Person
  • AP
    Harald Christ ist Ex-Banker, Multimillionär und SPD-Politiker. 1972 als Arbeitersohn geboren legte Christ eine steile Karriere in der Finanzwelt hin: Mit 27 Jahren betreut er als Dirketor wohlhabende Kunden der Deutschen Bank. 2005 bringt er den Hamburger Fondsanbieter HCI an die Börse. Mit dem Verkauf seiner Unternehmensanteile nimmt er insgesamt 80 Millionen Euro ein. Von 2007 bis 2008 ist Christ Bereichsleiter bei der WestLB. Seitdem kümmert er sich vor allem um die Verwaltung seines eigenen Vermögens - und um seine politische Karriere: 2009 berief ihn der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier als Wirtschaftsmann in sein Schattenkabinett.

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