Hoeneß-Anwalt Feigen "Die wirklich Reichen hinterziehen keine Steuern"

Vor einem Jahr verteidigte Hanns W. Feigen den Steuersünder Uli Hoeneß. Jetzt meldet sich der Anwalt wieder öffentlich zu Wort. Er kritisiert die Medien - und prophezeit das schleichende Ende der Steuerhinterziehung.

Steuerhinterzieher Hoeneß (r.), Anwalt Feigen: "Privates von innen nach außen gekehrt"
DPA

Steuerhinterzieher Hoeneß (r.), Anwalt Feigen: "Privates von innen nach außen gekehrt"


Hamburg - Staranwalt Hanns W. Feigen redet. Knapp ein Jahr nach dem Prozess gegen den ehemaligen Bayern-München-Präsidenten Uli Hoeneß meldet sich dessen Verteidiger ausgerechnet im "Steuerberater Magazin" zu Wort. In dem Interview kritisiert Feigen das Verhalten der Medien in Gerichtsverfahren mit Prominenten.

Im Hoeneß-Prozess habe die öffentliche Aufmerksamkeit seine "Erwartungen weit übertroffen", sagte der Anwalt. Mehr als das habe ihn aber das Verhalten von Journalisten irritiert. Die öffentliche Hauptverhandlung sei "in einer Mediengesellschaft wie der unsrigen für die meisten Beschuldigten ein Desaster, das umso schlimmer wird, je bekannter diese sind", sagte Feigen. "Und hinten im Gerichtssaal darf jeder sitzen und etwas darüber schreiben oder weiterverbreiten, während vorne Privatangelegenheiten des Angeklagten von innen nach außen gekehrt werden." Dies habe man auch jüngst in den Verfahren gegen Thomas Middelhoff oder Christian Wulff erlebt.

Feigen ist einer der bekanntesten Wirtschaftsanwälte der Republik und hat vor Hoeneß bereits Top-Manager wie Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel oder den früheren Porsche-Boss Wendelin Wiedeking verteidigt. Er vertritt auch den aktuellen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen, dem die Staatsanwaltschaft München Prozessbetrug vorwirft. Sollte das Gericht die Klage zulassen, könnte es im Laufe des Jahres auch hier zu einem Verfahren kommen.

Hoeneß' Richter "haben sich nicht beeinflussen lassen"

Feigen glaubt nach eigener Aussage nicht, dass prominente Angeklagte vor Gericht einen Bonus haben. "Ich glaube, dass Prominente heute eher einen Malus haben", sagte er dem "Steuerberater Magazin". "Das mag bisweilen einen Staatsanwalt dazu verleiten, die öffentliche Stimmung für seinen Vortrag zu nutzen." Für den Hoeneß-Prozess könne er aber "mit Sicherheit feststellen: Die Richter in München haben sich von solchen Dingen ganz bestimmt nicht beeinflussen lassen, ein härteres oder milderes Urteil zu sprechen."

Hoeneß war im März 2014 zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Feigen hatte seinen Mandanten zuvor sehr passiv verteidigt, keine Anträge und keine Fragen gestellt. Auch auf eine Revision hatten Hoeneß und sein Anwalt verzichtet. Hinterher gab es immer wieder Spekulationen darüber, inwieweit das Urteil mit dem Gericht abgesprochen gewesen sein könnte. Hoeneß ist jedenfalls schon jetzt Freigänger.

Sein Anwalt Feigen erwartet, dass es bald kaum noch Selbstanzeigen wegen Steuerhinterziehung geben wird. Die betroffenen ausländischen Banken hätten in Bezug auf ausländisches Kapitalvermögen eine "Weißgeld-Politik" ausgerufen, wendeten diese auch an, sagte Feigen. "Sie wollen keine steuerunehrlichen Kunden mehr haben und beenden entsprechende Geschäftsbeziehungen konsequent."

Für die wirklich großen Vermögen dürfte auch das kein Problem sein, denn die haben laut Feigen ohnehin immer legal getrickst. "Ich bin davon überzeugt, dass wirklich Reiche keine Steuern hinterziehen - ich meine Personen mit einem Vermögen in der Größenordnung ab einer halben Milliarde Euro", sagte der Anwalt. "Eine andere Frage ist, ob hier Lücken in Gesetzen, die von der Politik übersehen oder hingenommen werden, mithilfe exzellenter Berater genutzt werden."

stk



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.