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Hohe Arbeitslosigkeit: Europas Jugend ohne Zukunft

Schwere Zeiten für die jungen Menschen in der EU: Mehr als 20 Prozent der 15- bis 24-Jährigen haben neuen Zahlen zufolge keinen Job, in Spanien ist inzwischen fast jeder Zweite arbeitslos - und die Aussichten sind alles andere als positiv. Selbst die recht guten Daten aus Deutschland sind trügerisch.

AFP

Hamburg - Der 12. August sollte ein Tag der Feier und der Freude sein - der internationale Tag der Jugend an diesem Freitag. Doch gibt es etwas zu feiern? Wohl kaum. Denn für Europas Jugend sieht es wahrlich düster aus, wie neue Zahlen des Statistischen Bundesamts und von Eurostat zeigen: 20,5 Prozent der jungen Menschen von 15 bis 24 Jahren in den 27 Staaten der Europäischen Union sind vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Sie haben keinen Job und in vielen Ländern in absehbarer Zeit auch keine Aussicht auf einen.

Besonders dramatisch sieht es in Spanien aus: Dort ist mit rund 46 Prozent fast jeder zweite junge Mensch ohne Arbeit. In Griechenland lag den zuletzt verfügbaren Zahlen aus dem März zufolge die Quote bei 38,5 Prozent. Nicht viel besser die Lage in Irland und Portugal: Hier sind rund 27 Prozent aller jungen Menschen ohne Arbeit.

Die Zahlen sind so erschreckend, weil sie der europäischen Schuldenkrise ein Gesicht geben. Sie zeigen, dass die Krise der Euro-Staaten nicht nur ein Problem für die Finanzminister der Pleiteländer ist, sondern fatale Auswirkungen auf die Bevölkerung hat. Und wie so oft trifft es die Jugend zuerst. In den vergangenen Monaten sind Hunderttausende Jugendliche in Madrid und Athen aus Wut über die Politik und Angst vor der Perspektivlosigkeit auf die Straßen gegangen - auch weil sie die Sparprogramme ihrer Regierungen besonders hart treffen. In London, so scheint es in diesen Tagen, gibt es für diese Generation der Hoffnungslosen kein Halten mehr. Auch wenn es erhebliche Unterschiede zu den Demonstrationen in Südeuropa gibt.

In Großbritannien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 20 Prozent - und damit quasi auf Durchschnittsniveau. In den Erklärungsansätzen für die Krawalle wird die Jugendarbeitslosigkeit denn auch nur als ein Teilaspekt angeführt. Das Erstaunliche an den Zahlen ist dennoch: Das sind noch rund sechs Prozentpunkte mehr als vor Ausbruch der Wirtschaftskrise im April 2008. In Spanien, Griechenland, Lettland und Litauen hat sich die Quote ebenfalls seit Ende der globalen Rezession kaum erholt und liegt noch jeweils rund 20 Prozentpunkte über dem Niveau aus Zeiten vor der Krise.

Junge in Deutschland stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als andere

In Deutschland hatte es im Juli 2009 bei der Jugendarbeitslosigkeit mit 11,5 Prozent einen Höchststand gegeben. Den neuen Daten der Statistiker zufolge lag die Arbeitslosigkeit der Menschen von 15 bis 24 Jahren im Juni bei 9,1 Prozent - und damit an drittniedrigster Stelle innerhalb der EU. Nur in den Niederlanden (7,1 Prozent) und Österreich (8,2 Prozent) lag die Erwerbslosigkeit niedriger.

Doch die relativ guten Zahlen in Deutschland sind trügerisch: Junge Menschen in der Bundesrepublik sind nicht nur häufiger mit Erwerbslosigkeit konfrontiert als die Gesamtbevölkerung. Sie haben auch deutlich öfter eine sogenannte atypische Beschäftigung. Dazu gehören beispielsweise befristete Jobs oder Zeitarbeit.

So hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit in Europa1) in der EU, saisonbereinigt2)
Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung (Juni 2011)
EU-27-Durchschnitt 20,5
Niederlande 7,1
Österreich 8,2
Deutschland 9,1
Dänemark 12,3
Malta 12,3
Luxemburg 13,3
Tschechische Republik 16,7
Belgien 18,3
Slowenien 18,4
Zypern 19,6
Vereinigtes Königreich3) 19,6
Finnland 19,9
Estland4) 20,4
Frankreich 22,8
Rumänien4) 22,8
Schweden 23,1
Polen 23,6
Ungarn 24,8
Portugal 26,8
Irland 26,9
Bulgarien 27,3
Italien 27,8
Lettland4) 29,7
Litauen4) 32,6
Slowakei 33,3
Griechenland4) 38,5
Spanien 45,7
Quelle: Statistisches Bundesamt/Eurostat, Stand Juli 2011

1) bezogen auf Personen in Privathaushalten im Alter von 15 bis 24 Jahren, ohne Wehrpflichtige und Zivildienstleistende
2) für Deutschland, Finnland, Österreich: Trendschätzung
3) für 2011 Berichtsmonat April
4) für 2011 Berichtsmonat März

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insgesamt 393 Beiträge
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1. Krise
Kning 11.08.2011
Solange große Konzerne jedes Jahr ein + von mehr als 10% anstreben und im Fall sinkender Gewinne Personal entlassen, wird sich nichts ändern. Schuld an Arbeitslosigeit ist auch die Gier von Aktionären und Spekulanten, die mit moderaten gewinnen nicht zufrieden sind. Eines Tages wird alles zu Bruch gehen wegen der Gier und der mangelnden Bereitschaft, andere am Wohlstand teilhaben zu lassen. Und die die glauben man könne Gold fressen,w erden eines besseren belehrt werden.
2. Interessante Zahlen
Michael Giertz, 11.08.2011
Zitat von sysopEuropas Jugend steuert in die Hoffnungslosigkeit: Mehr als 20 Prozent*der 15- bis 24-Jährigen haben keinen Job,*in Spanien ist inzwischen fast jeder Zweite arbeitslos - und die*Aussichten sind alles andere als*positiv. Selbst die scheinbar recht guten Zahlen aus Deutschland sind trügerisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,779610,00.html
Interessant: in Deutschland wird als offizielle Zahl bei der Jugendarbeitslosigkeit 9,1% angegeben, eine ganz gute Zahl verglichen mit dem Rest. In Großbritannien dagegen sind 19,6% der Jugendlichen arbeitslos. Ob es da einen Zusammenhang gibt zwischen Jugendarbeitslosigkeit in GB und den Krawallen? Und wie sieht's in den anderen Ländern mit derart hohen Jugendarbeitslosenzahlen aus, gibt's dort auch Proteste (wie z.B. in Spanien), über die keine Zeitung berichtet?
3. Nanu
dieschlaue, 11.08.2011
Und warum wird uns immer erzählt wir brauchen ausländische Fachkräfte ?
4. Fachkräftemangel sehr zweifelhaft
max.flügelschmied 11.08.2011
Zitat von sysopEuropas Jugend steuert in die Hoffnungslosigkeit: Mehr als 20 Prozent*der 15- bis 24-Jährigen haben keinen Job,*in Spanien ist inzwischen fast jeder Zweite arbeitslos - und die*Aussichten sind alles andere als*positiv. Selbst die scheinbar recht guten Zahlen aus Deutschland sind trügerisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,779610,00.html
Die andauernden Bildungsoffensiven die von der Politik gestartet werden sind aus meiner Sicht sehr zweifelhaft. Manchmal glaube ich die Arbeitlosigkeit wird dann nur auf einem sehr hohen Niveau verlagert. Unter diesem Gesichtspuntk ist dann die Debatte über den Fachkräftemangel sehr zweifelhaft. So lange solche Aktionen wie "Deutschland sucht den Superstar" so einen unglaublichen Zulauf haben ist irgend was faul im Staate Denmark.
5. Europas Jugend ohne Zukunft!
vubler, 11.08.2011
Zitat von sysopEuropas Jugend steuert in die Hoffnungslosigkeit: Mehr als 20 Prozent*der 15- bis 24-Jährigen haben keinen Job,*in Spanien ist inzwischen fast jeder Zweite arbeitslos - und die*Aussichten sind alles andere als*positiv. Selbst die scheinbar recht guten Zahlen aus Deutschland sind trügerisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,779610,00.html
Jo, ewig lange schreibt die Presse gebetsmühlenhaft von der Überalterung der gesellschaft, dass wir mehr Kinder brauchen und überall fachkräftemangel ist und dann liest man diese Überschrift "Europas Jugend ohne Zukunft!" . Outsocing, Produktion in Fernost, Niedriglöhne! So sieht die realität aus! Fachkräfte gibt es zudem genug, nur wollen viele Unternehmen einen Facharbeiter zum Praktikantenlohn haben!
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Milliarden für Griechenland - Die Ergebnisse des Euro-Gipfels
Neue Kredite
Griechenland soll vom europäischen Krisenfonds für wackelnde Eurostaaten (EFSF) Kredite zu niedrigen Zinssätzen von rund 3,5 Prozent bekommen. Die Laufzeiten der Kredite sollen von bisher siebeneinhalb Jahren auf 15 bis 30 Jahre gestreckt werden. Ein umfangreiches Wachstums- und Investitionsprogramm soll Griechenland in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission wieder auf die Beine bringen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird angehalten, sich am Hilfsprogramm zu beteiligen. Auch die Laufzeiten der Kredite aus dem bereits existierenden Rettungsprogramm von 2010 sollen deutlich verlängert werden.
Einbeziehung von Banken
Der Finanzsektor wird sich auf freiwilliger Basis mit einer Reihe von Optionen an der Rettung Griechenlands beteiligen. Der Nettobeitrag der Banken soll bei 37 Milliarden Euro liegen - für die Zeit von jetzt bis 2014. Zusätzlich wird ein Betrag von 12,6 Milliarden Euro genannt für ein Schuldenrückkaufprogramm. Legt man den Zeitraum von 2011 bis 2019 zugrunde, beträgt der Nettobeitrag des privaten Sektors laut Abschlusserklärung 106 Milliarden Euro.
Neue Aufgaben für Krisenfonds
Der EFSF-Fonds bekommt neue Aufgaben. Er kann künftig zum Ankauf von Staatsanleihen genutzt werden - aber unter strikten Bedingungen. Zudem soll der Rettungsfonds vorbeugende Programme für Wackelkandidaten im Eurogebiet auflegen dürfen. Der EFSF wird nicht aufgestockt.
Irland/Portugal
Auch für Portugal und Irland, die ebenfalls von milliardenschweren Hilfsprogramm der Partner profitieren, sollen die Ausleihbedingungen des EFSF gelten.
Budgetdefizite
EU-weit sollen Budgetdefizite bis 2013 möglichst auf unter drei Prozent gedrückt werden. Das Sparpaket Italiens, mit dem dies bis 2012 erreicht werden soll, fand lobende Worte. Ebenso wurden die Reformanstrengungen von Spanien begrüßt.
Banken-Stresstest
Für durchgefallene Banken sollen die Euro-Länder entsprechende Auffangmaßnahmen bereitstellen.
Mehr wirtschaftliche Koordination
Bei der geplanten Wirtschaftsregierung machen die Staats- und Regierungschefs Druck: Die seit Anfang Juli amtierende polnische EU-Präsidentschaft hat den Auftrag, die festgefahrenen Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament voranzubringen.
Weniger Macht für Rating-Agenturen
Die Regierungschefs sind sich einig, dass die Macht der Rating-Agenturen eingedämmt werden muss. Vorschläge der Kommission zum Umgang mit den Agenturen werden erwartet. Außerdem wollen die Europäer eine eigene international bedeutende Rating-Agentur etablieren.
Besseres Krisenmanagement
In der Euro-Zone soll das Krisenmanagement verbessert werden. Bis Oktober sollen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, konkrete Vorschläge machen.

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