Lissabon - Die Anleger verlieren zunehmend das Vertrauen in die portugiesische Zahlungsfähigkeit: Auf dem Sekundärmarkt erreichten die Anleihe-Renditen des Landes Rekordwerte seit der Einführung des Euros. Die Rendite der dreijährigen Staatsanleihen erreichte am Mittwoch 19,4 Prozent. Die Raten für fünf- und zehnjährige Anleihen betrugen 18,7 und 14,6 Prozent.
Portugal ist vom Kapitalmarkt abgeschnitten, weil Investoren dem klammen Staat nur gegen horrende Risikoaufschläge Geld leihen würden. Deswegen nahm das Land im vergangenen Jahr ein Rettungspaket in Anspruch. Das heißt: Das Land refinanziert seine Schulden bis 2013 komplett aus Mitteln des Euro-Rettungsschirms EFSF - insgesamt erhält Portugal Hilfen von 78 Milliarden Euro.
Die portugiesische Regierung will das Vertrauen der Investoren mit einem auf drei Jahre ausgelegten Sparprogramm und Wirtschaftsreformen zurückgewinnen. Doch angesichts des zähen Pokers um den griechischen Schuldenschnitt steigt derzeit das Misstrauen der Anleger.
Portugals Industrie fordert indes neue Milliarden für das hoch verschuldete Land aus dem Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). "Ich wage zu sagen, dass wir eine Kreditklemme haben", sagte der Chef desr einflussreichen Industrieverbands, Antonio Saraiva. "Es fehlen 30 Milliarden Euro." Saraiva ist an den Verhandlungen zwischen der Regierung und den internationalen Geldgebern beteiligt.
Deutsche-Bank-Manager: Euro-Bonds einzige Lösung
Der Deutsche-Bank-Manager Pierre de Weck hat für die Einführung von gemeinsamen Anleihen der Euro-Zone plädiert. Eine engere Verzahnung der Fiskalpolitik und Euro-Bonds seien "die einzige Lösung" für die Rettung der Euro-Zone, sagte der Manager auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Der im Mai ausscheidende Vorstandschef Josef Ackermann hatte sich noch im vergangenen September gegen eine solche Maßnahme gewandt.
De Weck äußerte sein Bedauern darüber, dass Deutschland sich gegen gemeinschaftliche Euro-Anleihen wehre und nun ein schmerzhafter Anpassungsprozess nötig sei. Zugleich wollte der im Group Executive Committee der Deutschen Bank vertretene Banker nicht ausschließen, dass ein oder zwei Länder aus der Euro-Zone austreten müssen.
cte/Reuters/dapd
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