Berlin - Der Streit zwischen Ärzten und Krankenkassen über die Höhe der Medizinerhonorare im kommenden Jahr gewinnt an Schärfe: Wie der Kassen-Spitzenverband GKV am Donnerstag in Berlin bekanntgab wollen die Kassen die Honorare für die 130.000 niedergelassenen Ärzte um gut sieben Prozent oder 2,2 Milliarden Euro senken. Die Kassenärzte fordern für die bevorstehenden Verhandlungen dagegen eine Erhöhung ihrer Honorare um elf Prozent oder etwa 3,5 Milliarden Euro. Ende August stehen die entscheidenden Verhandlungen an.
Der Vizevorsitzende des GKV-Verbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, wies die Forderung mit Blick auf die Entwicklung von Kosten und Erträgen der Ärzte als "nicht gerechtfertigt" zurück. Er verwies dazu auf ein Gutachten des Prognos-Instituts im Auftrag seines Verbands. Demnach seien die Einnahmen der Ärzte seit 2008 deutlich stärker gestiegen als die Kosten der Praxen.
Jährlicher Überschuss pro Arzt: 105.000 Euro
So verzeichneten die Mediziner der Studie zufolge Mehreinnahmen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro, denen Ausgaben für zusätzliche Leistungen sowie insgesamt höhere Kosten gegenüberstehen. Die Wissenschaftler rechneten zudem höhere Auslastungen und den organisatorischen Fortschritt ein. Unter dem Strich stehe aber immer noch eine "Überzahlung" der Ärzte in Höhe von fast 2,2 Milliarden Euro. "Die Vergütung der Vertragsärzte muss sich künftig wieder ihrem Aufwand anpassen", forderte Stackelberg.
Dem Prognos-Gutachten zufolge hat sich der durchschnittliche Überschuss je Arzt allein aus der Versorgung von gesetzlich Versicherten von 105.000 Euro im Jahr 2007 um 29 Prozent auf 134.000 Euro im Jahr 2011 erhöht. Nehme man die Einnahmen durch privat Versicherte hinzu, liege der Reinertrag je Arzt sogar bei 165.000 Euro.
Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, nannte es unverständlich und verantwortungslos, dass die Kassen deutlich weniger Geld für die ambulante Versorgung ihrer Versicherten zur Verfügung stellen wollten. Die geforderten 3,5 Milliarden Euro seien notwendig, allein um die gestiegenen Betriebskosten und die Inflation seit 2008 auszugleichen.
nck/Reuters/dpa
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