Horrorszenario Hausärzte warnen vor Toten durch Gesundheitsreform

Die Gesundheitsreform soll die Honorare der Hausärzte begrenzen, nun wehren die sich mit einer drastischen Warnung: Die Neuordnung des Systems werde viele Menschenleben kosten, behauptet ein Verbandschef. Eine ärztliche Versorgung sei nicht mehr gewährleistet.

Behandlung beim Arzt: Versorgung nach der Reform nicht mehr gewährleistet?
DDP

Behandlung beim Arzt: Versorgung nach der Reform nicht mehr gewährleistet?


Berlin - Die deutschen Hausärzte stemmen sich gegen die geplante Gesundheitsreform - und die damit verbundene Begrenzung ihrer Honorare. Mit der Warnung vor einem Horrorszenario wollen sie ihrem Protest nun Nachdruck verleihen. Wenn die Vergütung bei den Hausarztverträgen mit den Kassen eingeschränkt werde, würde "ein Landkreis nach dem anderen zusammenbrechen", weil keine jungen Ärzte mehr nachkämen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hausärzteverbandes, Eberhard Mehl, am Mittwoch in Berlin. "Und diese Entscheidung wird viele Menschenleben kosten."

Die Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sieht vor, die Vergütung bei Hausarztverträgen zu begrenzen. Dagegen wollen die Hausärzte mit einer Kampagne angehen. Für den 15. September ist ein Informationstag geplant, an dem die Hausärzte den Versicherten die möglichen Folgen der Reform erläutern wollen. In der Aktion "Sicher ist sicher" wollen die Hausärzte zeitlich und regional begrenzt simulieren, welche Kosten die ambulante Versorgung ohne sie verursache.

Als letzte Eskalationsstufe sind ab 2011 auch regionale Ärztestreiks geplant. Wo genau diese stattfinden könnten, wollte der Verband nicht sagen, man wolle "den einen oder anderen Überraschungseffekt" für sich behalten.

Honorare seit 2007 deutlich gestiegen

Hausärzteverbandschef Ulrich Weigelt trat dem Eindruck entgegen, seine Mitglieder verdienten zu viel. Es ginge nicht darum, dass diese "gierig" seien, "die Krankenkassen aussaugen und das Geld in die Tasche stecken ohne Ende".

Aktuelle Auswertungen der Krankenkassen zeigen allerdings, dass die deutschen Kassenärzte bisher wenig Grund zur Klage haben. So sind die Vergütungen für die 150.000 Fachärzte und Allgemeinmediziner seit 2007 um 11,3 Prozent gestiegen. In einigen Regionen habe das Plus sogar deutlich höher gelegen. So erhielten Hamburgs Mediziner 25,4 Prozent mehr.

Die Einkommensverbesserungen seien Folge der Honorarreform, die die Große Koalition 2008 auf den Weg gebracht habe, schreibt das "Handelsblatt". Sie dürfte nach Schätzungen dazu führen, dass sich das Durchschnittseinkommen der Mediziner in diesem Jahr auf 164.000 Euro im Jahr erhöht; 2007 habe es noch bei 142.000 Euro gelegen.

jok/apn/dpa-AFX/AFP



Forum - Wohin steuert unser Gesundheitssystem?
insgesamt 11904 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Interessierter0815 27.01.2010
1.
Zitat von sysopZusatzbeiträge, Kopfprämie, Gesundheitsfonds - im deutschen Gesundheitssystem herrscht Chaos. Politik, Krankenkassen und Lobbyisten ringen um Leistungen und Beiträge. Wie aber könnte eine gerechte, ausgewogene und vor allem finanzierbare Gesundheitsversorgung aussehen?
Korruption wohin das Auge auch sieht. Wohin wird das GesundheitsSYSTEM wohl steuern? Die 3. klassengesellschaft schreitet weiter und weiter, bald werden sicherlich alle "wertlosen" markiert und sollen froh sein, wenn es noch ein kanten Brot gibt und evt. eine rote Pille oder Tiergrippenimpfung.
genugistgenug 27.01.2010
2.
Zitat von sysopZusatzbeiträge, Kopfprämie, Gesundheitsfonds - im deutschen Gesundheitssystem herrscht Chaos. Politik, Krankenkassen und Lobbyisten ringen um Leistungen und Beiträge. Wie aber könnte eine gerechte, ausgewogene und vor allem finanzierbare Gesundheitsversorgung aussehen?
ABWÄRTS - wie alles andere wo unsere Politker und Bürokraten, die Kaste der Schmarasiten, ihre Finger drin haben. Die Frage wie ein gerechteres System aussehen könnte, ist überflüssig. Denn bis das durch alle Instanzen durch ist, sind unsere Enkel schon Großeltern.
Interessierter0815 27.01.2010
3. Großeltern?
Zitat von genugistgenugABWÄRTS - wie alles andere wo unsere Politker und Bürokraten, die Kaste der Schmarasiten, ihre Finger drin haben. Die Frage wie ein gerechteres System aussehen könnte, ist überflüssig. Denn bis das durch alle Instanzen durch ist, sind unsere Enkel schon Großeltern.
Welcher vernünftige Mensch möchte in diese asoziale Gesellschaft Kinder setzen? Nene, sich alleine durchzuboxen wird schon hart genug.
saul7 27.01.2010
4. +++
Zitat von sysopZusatzbeiträge, Kopfprämie, Gesundheitsfonds - im deutschen Gesundheitssystem herrscht Chaos. Politik, Krankenkassen und Lobbyisten ringen um Leistungen und Beiträge. Wie aber könnte eine gerechte, ausgewogene und vor allem finanzierbare Gesundheitsversorgung aussehen?
Das Tragische an der Entwicklung unseres Gesundheitssystemes ist, dass die dafür verantwortlichen Politiker keine Antwort für deren Lösung finden können und sich die Schuld für ihr Versagen gegenseitig zuschieben. Das ist verantwortungsloses Handeln.
Stefanie Bach, 27.01.2010
5.
Zitat von saul7Das Tragische an der Entwicklung unseres Gesundheitssystemes ist, dass die dafür verantwortlichen Politiker keine Antwort für deren Lösung finden können und sich die Schuld für ihr Versagen gegenseitig zuschieben. Das ist verantwortungsloses Handeln.
Norbert Blüm trifft es sehr genau: "Man kann aus Schaden klug werden. Man muss es aber nicht. Mit der Kopfpauschale ging die CDU in der Bundestagswahl 2005 baden. 2009, nach der Bundestagswahl, versucht sie es wieder mit dem einkommensunabhängigen Beitrag zur Krankenversicherung, der für alle gleich hoch sein soll." Koalitionsvertrag - Fehlstart schwarz-gelber Geisterfahrer (http://www.plantor.de/2009/koalitionsvertrag-fehlstart-schwarz-gelber-geisterfahrer/)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.