Ver.di-Chef zum Durchbruch im Tarifstreit "Das beste Ergebnis seit vielen Jahren"

Ver.di-Chef Bsirske lobt die Einigung im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes. Laut Innenminister Seehofer steigen die Löhne der 2,3 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen rückwirkend ab März.

Frank Bsirske und Horst Seehofer in Potsdam
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Frank Bsirske und Horst Seehofer in Potsdam


Der Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst von Bund und Ländern ist beigelegt. Arbeitgeber und Gewerkschaften erzielten in der Nacht zum Mittwoch einen Durchbruch in den Verhandlungen für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten. Grundlage war ein zuvor ausgehandeltes vorläufiges Ergebnis mit höheren Einkommen in drei Stufen.

Der Tarifabschluss, den Bund, Kommunen sowie die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Beamtenbund dbb am Mittwoch in Potsdam billigten, sieht drei Tarifanhebungen während der Laufzeit von 30 Monaten vor: Rückwirkend zum 1. März 2018 gebe es knapp 3,2 Prozent mehr, zum April 2019 knapp 3,1 Prozent sowie zum März 2020 in der dritten Stufe knapp 1,1 Prozent, sagte Innenminister Horst Seehofer, Verhandlungsführer des Bundes. Der öffentliche Dienst sei in Zukunft wettbewerbsfähig, sagte er in Potsdam und sprach von einer großen Reform.

Auch der kommunale Arbeitgeberpräsident Thomas Böhle und Ver.di-Chef Frank Bsirske zeigten sich zufrieden. "Es ist das beste Ergebnis seit vielen Jahren", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. "Gute Leute, gute Arbeit, gutes Geld. Das gehört zusammen."

Bsirske und der Verhandlungsführer des Beamtenbundes, Ulrich Silberbach, hoben hervor, dass ein Einstieg im öffentlichen Dienst auch für Auszubildende attraktiver gemacht werden solle. Laut Bsirske soll es 100 Euro mehr Ausbildungsvergütung geben sowie eine Anhebung der Löhne um durchschnittlich zehn Prozent bei Beschäftigungsbeginn.

Die dritte und entscheidende Runde der Tarifverhandlungen hatte am Sonntag begonnen (mehr Hintergründe zu den Forderungen von Gewerkschaften und Bund lesen Sie hier). Seehofer hatte zum Auftakt ein Angebot der Arbeitgeber "zum geeigneten Zeitpunkt" angekündigt. Er wolle zügige Verhandlungen, und er sei persönlich an einem vernünftigen Abschluss interessiert, sagte Seehofer, der als CSU-Chef im Oktober Landtagswahlen in Bayern zu bestreiten hat. Es ist die erste Verhandlungsrunde für ihn als Innenminister und damit Verhandlungsführer des Bundes.

In der vergangenen Woche hatten massive Warnstreiks unter anderem Teile des Nahverkehrs in Deutschland lahmgelegt und den Flugverkehr gestört.

aar/dpa/AFP



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Seite 1
spmc-12355639674612 18.04.2018
1. So toll
ist das Ergebnis nicht, zumal die EZB in den nächsten 2-3 Jahren die Zinsen etwas anheben und auch die Inflation weiter steigen dürfte. 3,x% pro Jahr ist wirklich kein Grund zum Jubeln. Bei einem Durchschnittsgehalt macht das ca. 80 Euro monatlich aus (brutto). Die Mieten dürften in den nächsten Jahren durchschnittlich stärker steigen, jedenfalls in den Großstädten, wo auch die meisten Angestellten des Öffentlichen Dienstes ihrem Broterwerb nachgehen.
TheFunk 18.04.2018
2. möglicherweise das beste Ergebnis
Seit vielen Jahren, aber nichtsdestotrotz irrsinnig schlecht. Aber so richtig schlecht. Diese Folklore mit dem Streik hätte man sich sparen können. Dieses Ergebnis hätte man am Verhandlungstisch erzielen können. 6 % für ein Jahr sind dann 6% für zwei Jahre geworden. Also wie,erwartet nur die Hälfte erreicht und das entspricht quasi der Inflationsrate. Die Krönung ist die "Erhöhung" von 1 % in 2020, wenn auch nur für 6 Monate. Das zieht die albernen 3% pro Jahr wieder runter. Ein zu erwartbares Ergebnis. Weit hinter dem Abschluss der IG Metall. Gutes Geld, gute Leute? Dann hätte man zurück zum BAT kommen müssen.
fairyultra 18.04.2018
3. Wie soll man da ........
....in Zukunft ernst genommen werden? Erst eine, völlig zu recht, angemessene Forderung raushauen und sich dann mit Peanuts abspeisen lassen. Ich wäre und würde noch immer bis zum Schluss mit auf die Straße gehen um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.
ulrics 18.04.2018
4.
Reduzierung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn wäre besser gewesen, da es mehr Menschen eine Arbeit gebracht hätte.
labuday 18.04.2018
5. na toll - ein Arbeitgeber muß für eine Lohnerhöhung von 3,2 % etwa 5 %
mehr Umsatz machen (Pro Kopf) um das bezahlen zu können. Bringen die im ÖD jetzt auch 5 % mehr Leistung oder wie soll ich das verstehen ? Nur weil die Welt teurer wird (daran sind nicht zuletzt die aus dem ÖD mit den Kostensteigerungen von 5% schuld), ha man doch nicht mehr Geld verdient. Das ist eine seltsame Logik: ich mach die Welt teurer und verlange Geld dafür, daß die Welt teurer wird. Die nächste Frage wäre ja, nach der Herkunft des Geldes zu fragen, daß diese Kostensteigerungen abdecken soll. Es ist ja nicht nur so, daß letztlich der Steuerbürger und ÖD-Bezahler diese unverschämten Kostensteigerungen zahlen muß, nein es ist seit langemso, daß an den Gegenleistungen des ÖD ständig kräftig gespart wird - die Müllabfuhr bringt heute nur noch die Hälfte der Leistungen von 2005 bei verdreifachten Kosten.
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