Hamburg - Es ist eine Panne von gigantischem Ausmaß: Bei der Bad Bank der früheren Hypo Real Estate gab es Fehlbuchungen in Höhe von 55 Milliarden Euro. Beim Handel mit riskanten Derivaten wurde versäumt, Forderungen, sprich Guthaben, mit den Schulden zu verrechnen.
Dieser Rechenfehler, vermutlich der größte Buchungsfehler der Wirtschaftsgeschichte, ist höchst peinlich für die Bundesregierung. Immerhin stellt sich die Frage, wie es möglich sein kann, dass der Staat sich um 55 Milliarden Euro verrechnet. Finanzminister Wolfgang Schäuble empfängt deshalb an diesem Mittwoch führende Bankmanager und Wirtschaftsprüfer zum Rapport im Finanzministerium.
Schon vor dem Treffen schoben die Verantwortlichen sich gegenseitig die Schuld zu. Laut einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" hat die Hypo Real Estate wesentliche Arbeiten ausgelagert. Das Institut habe den Finanzdienstleister Capco mit Buchungen und Vorarbeiten für die Erstellung der Bilanzen beauftragt. Demnach griff Capco auf die Daten der Bad Bank zu, um diese aufzubereiten. Die Daten wurden dann an die Deutsche Pfandbriefbank weitergeleitet, die sie nochmals bearbeitete und am Ende an die Bad Bank übermittelte.
Umstritten ist nun laut "Zeit", wer für die Fehlbuchung in Höhe von 55 Milliarden Euro verantwortlich ist. Im Umfeld der Hypo Real Estate heißt es, es sei Aufgabe der Bad Bank gewesen, die Daten zu saldieren. Sie habe auch gewusst, dass es sich bei den übermittelten Daten um nicht saldierte Daten handelte - also das Guthaben noch nicht mit den Schulden verrechnet war. Die Bad Bank bestreitet laut der Zeitung diese Aussage. Es sei Aufgabe der Hypo Real Estate gewesen, die Posten zu verrechnen, beziehungsweise Capco zu beauftragen, dies zu tun. Beides sei nicht geschehen. Auch habe man in der Bad Bank nicht gewusst, dass die Saldierung nicht vorgenommen wurde.
Kaum Auswirkungen auf den Haushalt
Finanzminister Schäuble wehrte sich vor dem Treffen mit den Managern erneut gegen Vertuschungsvorwürfe der Opposition. "Wir haben nichts hinter dem Berg gehalten", sagte Schäuble der "Financial Times Deutschland". Nachdem die Bank am 11. und 13. Oktober den Korrekturbedarf meldete, habe das Ressort umgehend die EU-Kommission und den Bundestag informiert.
Laut Schäuble hatte sein Ministerium die enormen Zuwächse in der Bilanz der HRE-Bad Bank schon seit Monaten im Visier. "Die Aufblähung der Bilanzsumme hatten wir schon länger hinterfragt. Aber die Banker sagten uns auch mit dem Jahresabschluss 2010, das seien nur temporäre Effekte."
Außer dem Imagedesaster hat die Panne offenbar keine großen Folgen. Laut "Zeit" erwarten Statistiker keine spürbaren finanziellen Auswirkungen. "Wir haben keineswegs mehr Geld", sagte ein namentlich nicht genannter Statistiker der Zeitung. Das liegt daran, dass mit der Korrektur des Bilanzfehlers nicht nur die Staatsschuld sinkt - sondern auch das Staatsvermögen.
cte
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