Ex-Chef der HSH Nordbank: Nonnenmacher darf Millionenabfindung behalten

Der Ex-Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, darf seine umstrittene Millionenabfindung wohl behalten - selbst wenn er wegen Untreue oder Bilanzfälschung verurteilt würde. Laut Medienberichten ist daran ein zu laxer Aufhebungsvertrag schuld.

Dirk Jens Nonnenmacher: Millionenabfindung trotz Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Zur Großansicht
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Dirk Jens Nonnenmacher: Millionenabfindung trotz Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Hamburg - Gegen Dirk Jens Nonnenmacher laufen mehrere Ermittlungsverfahren, dem früheren Vorstandschef der HSH Nordbank und weiteren Ex-Managern droht eine Anklage wegen Untreue und Bilanzfälschung. Die rund vier Millionen Euro Abfindung, die Nonnenmacher nach seinem Abschied kassierte, wird er wohl dennoch behalten können, berichten die "Süddeutsche Zeitung" und der NDR - selbst wenn er in einem Prozess verurteilt würde.

Demnach nahm die Konzernspitze eine von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein geforderte Ausschlussklausel für diesen Fall nicht mit in den Aufhebungsvertrag des Bankers auf. Die Länder halten zusammen rund 85,5 Prozent an der Bank.

Nonnenmacher hatte seinen Posten als Vorstandschef Anfang vergangenen Jahres nach einer Reihe von Skandalen geräumt. Unter anderem hatte die Staatsanwaltschaft Kiel Ermittlungen aufgenommen, weil das frühere Vorstandsmitglied Frank Roth mit schmutzigen Tricks aus der Bank entfernt worden sein soll. Zudem wurden Details über Bespitzelungen durch einen privaten Sicherheitsdienst bekannt. Da Nonnenmacher jedoch zunächst kein Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, hatte die Bank ihm zu seinem Abschied 1,8 Millionen Euro ausstehende Prämien und weitere 2,13 Millionen Euro Abfindung gezahlt.

Abfindung im Falle einer Verurteilung zurückzahlen

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt zudem gegen Nonnenmacher und weitere Ex-Manager der HSH Nordbank im Zusammenhang mit einem hochriskanten Wertpapierdeal namens "Omega 55" aus dem Jahr 2007. Das Geschäft hatte in der Jahresbilanz des Instituts mit rund 334 Millionen Euro zu Buche geschlagen.

Ein Landesbanker spekuliert mit Steuergeld und kassiert dann eine Millionenabfindung - die Anschuldigungen gegen Nonnenmacher hatten für Empörung gesorgt. Politiker aus den Ländern hatten daraufhin stets betont, dass Nonnenmacher das Geld im Falle einer Verurteilung zurückzahlen müsse. Eine entsprechende Aufforderung sendete der damalige Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Jost de Jager, laut "SZ" schon 2011 an HSH-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Doch die Bank kam der Aufforderung offenbar nicht nach: Die Passage fehlt, wie die Zeitung nun berichtet.

Schon zuvor war bekannt geworden, dass im Aufhebungsvertrag einige Klauseln untergebracht waren, die Nonnenmacher vor den Folgen möglicher Verfahren absichern. Eine Klausel sieht demnach vor, dass die Abfindung nur dann zurückgefordert werden kann, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben, die zum Zeitpunkt des Abschlusses des Aufhebungsvertrags mit Nonnenmacher noch nicht bekannt waren. Damit sind auch die Feststellungen rund um "Omega 55" ausgeschlossen. Eine entsprechende Frist läuft im Dezember aus. Neu ist jedoch, dass Nonnenmacher die vier Millionen selbst dann behalten kann, wenn er verurteilt wird.

HSH Nordbank immer wieder in Schieflage

Dabei hatten die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren wiederholt auf eine stärkere Kontrolle der HSH Nordbank gedrängt. Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) hatte erst Ende Oktober angekündigt, den Managern der Bank die Bezüge auf maximal 500.000 Euro im Jahr zu kürzen.

Während der Finanzkrise musste das Institut von den Ländern gerettet werden, durch eine Kapitalspritze von drei Milliarden Euro sowie einen Rettungsschirm aus Garantien über weitere sieben Milliarden - letztlich alles bezahlt aus Steuergeldern.

Durch riskante Spekulationen hatte die Bank noch vor Nonnenmachers Zeit als Vorstandschef Milliarden am US-Markt verloren. So hatte das Institut für rund 30 Milliarden Euro Schrottpapiere gekauft, darunter Zertifikate der Investmentbank Lehmann Brothers. Als diese 2008 zusammenbrach, musste die Bank herbe Verluste hinnehmen.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Bank wieder in Schieflage geraten ist: Wegen gestiegener Risiken und Verlusten bei Schiffskrediten sagte die Bank Anfang November deutliche Einbußen für die kommenden Jahre voraus. Laut der Vorhersage müssen die Länder 2019 erneut einspringen: Dann muss die Bank von den bereits 2009 zugesagten Garantien voraussichtlich 1,3 Milliarden Euro abrufen, um Verluste auszugleichen. 3,2 Milliarden Euro würde die Bank demnach selbst zahlen.

usp/dpa

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insgesamt 148 Beiträge
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1. Wenn
d_a 19.11.2012
ich diese Gestalt sehe, läuft es mir kalt den Rücken runter. Und Typen wie der kommen einfach immer ungestraft davon. Die wissen genau wie sie sich absichern und jeder Verantwortung entgehen können, da ist Nonnenmacher ja soger eher noch ein kleiner Fisch in der Branche
2. Finde ich richtig
sorosch 19.11.2012
und auch, dass eine Verkäuferin wegen 1,5 Euro entlassen wird.
3. Haftung
tizian 19.11.2012
Zitat von sysopDemnach nahm die Konzernspitze eine von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein geforderte Ausschlussklausel für diesen Fall nicht mit in den Aufhebungsvertrag des Bankers auf. Die Länder halten zusammen rund 85,5 Prozent an der Bank.
Das wäre dann wohl ein Haftungsfall der Konzernspitze. Ob die auch gegen sowas abgesichert ist?
4. Widerwärtig
kayhawai 19.11.2012
Das ist der Gipfel des Zynismus: Nonnenmacher hat als verantwortlicher Finanzvorstand die Bank mit hoch risikoreichen Geschäften an den Abgrund geführt, danach als Vorstand mit Steuergeldern die Bank "gerettet" und dafür dann Millionen erhalten. So lange wir solchen Typen, die keinerlei Schamgefühl besitzen, keinen Einhalt gebieten, wird es keinen gesellschaftlichen Frieden geben. By the way: Das im Jahre 2011 in Schleswig-Holstein gestrichene Blindengeld macht fast exakt die Millionen des Herrn Nonnenmacher aus. Nonnenmacher würde auch die Hilfe für krebskranke Kinder wegfallen lassen, wenn er sie einstreichen könnte. Das ist Fleisch gewordene Gier in ihrer übelsten Form. Ekel erregend.
5. Ist das eklig!
diddldaddl 19.11.2012
Wieder so ein Fall, der einen an allem zweifeln läßt. Beide gehören in den Knast. Ohne Millionenbelohnung.
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