Hu Jintao in Washington: China und Amerika besiegeln Milliardengeschäfte

Erst die Geschäfte, dann die schwierigen Themen: Zu Beginn des Spitzentreffens zwischen Chinas Präsident Hu Jintao und seinem US-Kollegen Barack Obama haben Unternehmen beider Länder milliardenschwere Deals festgezurrt. Nun steht der konfliktträchtige Teil des Staatsbesuchs an.

Chinas Präsident Hu Jintao mit US-Vizepräsident Biden: Schwierige Gespräche Zur Großansicht
REUTERS

Chinas Präsident Hu Jintao mit US-Vizepräsident Biden: Schwierige Gespräche

Washington - Die angenehmen Dinge zuerst: Nach diesem Prinzip verfahren US-Präsident Barack Obama und sein chinesischer Amtskollege Hu Jintao bei dessen Besuch in den USA. Denn gleich zum Auftakt des Treffens haben Unternehmen beider Länder milliardenschwere Deals getroffen.

Der US-Aluminium-Konzern Alcoa Chart zeigen und China Power Investment vereinbarten, bei zahlreichen Aluminium- und Saubere-Energien-Projekten zusammenzuarbeiten, teilte die US-Energiebehörde mit. In China und im Ausland könnten sich dadurch Investitionen von 7,5 Milliarden Dollar ergeben. General Electric Chart zeigenwiederum wird China Huadian Corp 50 Gasturbinen im Wert von 500 Millionen Dollar liefern. Experten gehen davon aus, dass mindestens 25 weitere Geschäfte festgezurrt werden, wenn Hu nach Chicago weiterreist.

Doch bei dem viertägigen Besuch des chinesischen Staatschefs werden auch einige Konfliktthemen auf den Tisch kommen, etwa der Streit um Währung und Finanzen. Auch hatten Berichte über Chinas Aufrüstung und neue Waffensysteme für Aufregung in Washington gesorgt. Und nicht zuletzt wird Obama als Friedensnobelpreisträger nicht darum herumkommen, die Menschenrechtslage in der Volksrepublik anzusprechen.

Privates Dinner im Weißen Haus

Die Begrüßung von Hu am Flughafen durfte US-Vizepräsident Joe Biden übernehmen. Anschließend lud Obama den chinesischen Staatschef zu einem Abendessen im Weißen Haus. Das Dinner wurde als "privat" klassifiziert, laut "Washington Post" fand es im "Old Family Dining Room" statt. Neben Obama nahmen auch Außenministerin Hillary Clinton, US-Sicherheitsberater Tom Donilon sowie Vertraute von Hu teil. Absolute Vertraulichkeit sollte garantiert sein, darum nahmen nach Angaben des Weißen Hauses auch keine Protokollanten an dem Essen teil.

Am Mittwoch soll dann für Hu ein Staatsbankett mit großem Pomp gegeben werden. Es ist das erste "State Dinner" für einen chinesischen Machthaber seit 13 Jahren. Dieser Empfang wurde in der US-Hauptstadt schon vorab als das Ereignis der Saison gehandelt. Einladungen waren heiß begehrt - vor allem die Entscheider der Wall Street balgten sich darum. Die Menüabfolge gilt als streng geheim.

Vor dem Bankett will Hu noch Microsoft-Chef Steve Ballmer, den Goldman-Sachs-Vorstandsvorsitzenden Lloyd Blankfein, Jeff Immelt von General Electric und Jim McNerney von Boeing treffen. Aus China reisen ebenfalls namhafte Top-Manager an, darunter der Chef von Lenovo.

Im Vorfeld seiner Reise hatte Hu angekündigt, ein neues Kapitel in den Beziehungen beider Länder aufschlagen zu wollen.

Das Verhältnis ist aber nicht zuletzt wegen der Währungsstreitigkeiten angespannt. Dass es aber nicht nur um den Austausch von Nettigkeiten geht, machten die USA schon vor dem Besuch klar. Die US-Regierung hatte die Volksrepublik wiederholt dazu aufgerufen, die Landeswährung Yuan aufzuwerten, die Märkte für US-Importe zu öffnen und das kommunistische Nordkorea stärker in die Schranken zu weisen.

Hu hatte seinerseits mit Aussagen provoziert, wonach die Dominanz der amerikanischen Währung ein "Produkt der Vergangenheit" sei.

Obama will härtere Gangart

Ob nun bei dem Besuch die Spannungen zwischen beiden Ländern abgebaut werden können, gilt als fraglich. Denn Washington hatte auch gefordert, Peking solle politische Gefangene freilassen. Als Friedensnobelpreisträger steht Obama besonders unter Druck. So erklärte ein republikanischer Abgeordneter im Kongress, der dort dem Menschenrechtsausschuss angehört, es sei "fast undenkbar", dass Obama nicht die Freilassung des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo ansprechen werde.

Vorab wurde lanciert, Obama wolle durchaus eine härtere Gangart als bisher wählen. Er wolle alle Streitfragen offen ansprechen, auch die Menschenrechtsfrage.

Seit längerem hat Washington keiner Visite eines ausländischen Staatschefs so viel Bedeutung beigemessen wie dem Besuch Hus. Obama machte bereits mehrfach klar, dass die Beziehungen zu Peking eine Schlüsselstellung in der globalen US-Diplomatie haben. Allerdings sei das Verhältnis beider Länder von Differenzen und Misstrauen geprägt, erklärte Außenministerin Clinton kürzlich in einer Grundsatzrede.

Der Staatsbesuch ist das achte Treffen von Obama und Hu. Zuletzt sprachen sie persönlich im November am Rande des G-20-Gipfels in Seoul miteinander.

mmq/Reuters/dpa

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1. ...vielleicht
eikfier 19.01.2011
Zitat von sysopErst die Geschäfte, dann die schwierigen Themen: Zu Beginn*des Spitzentreffens zwischen Chinas Präsident Hu Jintao und seinem US-Kollegen*Barack Obama haben Unternehmen beider Länder milliardenschwere Deals festgezurrt.*Nun steht der konflikttträchtige Teil des Staatsbesuchs an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,740253,00.html
...ist es nicht auch manchmal schön und erstaunlich zugleich, immer wieder mal zu spüren wie sehr wir Menschen und damit auch die Polititik die Meinung ändern können, ich denke an Richard Nixon mit seiner Watergate-Affäre im Weißen Haus, aber auch an denjenigen Richard Nixon, der die Isolationspolitik zu Rot-China kurzerhand umschmiss und heute trifft sich China und USA in seinem ehemaligen Amtssitz - übrigens hat er auch den Vietnamkrieg als "unrentabel" beendet, vielleicht wird auch mal der Nah-Mittel-Ostkonflikt so enden?
2. Hu hat nicht im Vorfeld provoziert
hendrik42 19.01.2011
Indem er die Dominanz und Staerke des Dollars in Frage stellt tut er den Amerikanern einen Gefallen - Abwertung des Dollars bedeutet schliesslich eine Aufwertung des Yuan, was von Amerika seit Jahren gefordert wird! Hat SPON dies wirklich uebersehen oder wollte man hier mit einem reisserischen Titel die Leserzahl erhoehen?
3. Kein Titel
cherubian 19.01.2011
Zitat von sysopErst die Geschäfte, dann die schwierigen Themen: Zu Beginn*des Spitzentreffens zwischen Chinas Präsident Hu Jintao und seinem US-Kollegen*Barack Obama haben Unternehmen beider Länder milliardenschwere Deals festgezurrt.*Nun steht der konflikttträchtige Teil des Staatsbesuchs an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,740253,00.html
Ich hoffe sehr, dass Herr Obaba sich seines Nobelpreises erinnert und die Menschenrechte in der VR anspricht. Wenn er es nicht tut, wer sollte es sonst tun? Auf der anderen Seite waere es schoen, wenn die USA von Ihrem hohen Ross herunter kommen koennten und den Chinesen ein wenig die Hand reichen. China ist eine Grossmacht und sollte auch als solche wahr genommen werden!
4. Schertz beiseite
Hubert Rudnick, 19.01.2011
Zitat von sysopErst die Geschäfte, dann die schwierigen Themen: Zu Beginn*des Spitzentreffens zwischen Chinas Präsident Hu Jintao und seinem US-Kollegen*Barack Obama haben Unternehmen beider Länder milliardenschwere Deals festgezurrt.*Nun steht der konflikttträchtige Teil des Staatsbesuchs an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,740253,00.html
Wann üner nehemen die Chinesen und die USA komplett? Abhängig sie sie beide von einander, aber wer sitzt am längeren Hebel? Die USA haben jedoch kaum noch was womit sie den Chinesen unter Druck setzen könnten. HR
5. Dann sollte
flower power 19.01.2011
Zitat von cherubianIch hoffe sehr, dass Herr Obaba sich seines Nobelpreises erinnert und die Menschenrechte in der VR anspricht. Wenn er es nicht tut, wer sollte es sonst tun? Auf der anderen Seite waere es schoen, wenn die USA von Ihrem hohen Ross herunter kommen koennten und den Chinesen ein wenig die Hand reichen. China ist eine Grossmacht und sollte auch als solche wahr genommen werden!
die USA erst mal bei ihren Menschenrechten anfangen, danach kommen wir gleich zu den Menschenrechten in DE, danach zu denen in Kuweit, das ja von den Amis gerettet wurde.. Hören sie mit ihren dumpfen Propaganda auf. Selbst der IM Erika ( der Hosenanzug aus Berlin ) ist da die Stimme heiser geworden. Menschenrechte, Menschenrechte, Menschenrechte, aber bitte immer bei den anderen - bringt diese erst mal in DE durch.
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